Metal Gear Solid V: The Phantom Pain

Schlange auf Rachefeldzug

MGSV-Quiet

Big Boss is back. Und mit ihm unser Vorzeiger-Schleicher STEFAN VON DER KRONE. Unser Mann fürs Leise berichtet über Jungs und ihre Spielzeuge. Und nicht zu vergessen: SNAAAAAAAAKE!

Ich habe lange gesessen, um passende Worte zu Metal Gear Solid V: The Phantom Pain zu schreiben. Eine eindeutige Aussage ist leider schwer zu finden. Einerseits ist es eine logische Weiterentwicklung von Peace Walker mit einem der flexibelsten Sandkästen in der Riege der Open-World-Games. Andererseits mangelt es am Charme der großen Vorgänger. Doch beginnen wir am Anfang.

The Phantom Pain setzt neun Jahre nach dem Prolog Ground Zeroes an. Big Boss erwacht nach einem langen Koma in einem Krankenhaus auf Zypern. Es ist das Jahr 1984. Und wie es der Zufall so will, spürt ihn auch gleichzeitig Cypher, die ihm alles andere als gut gesinnte Schattenorganisation, auf. Der Boss muss, noch halbtot, in einem langatmigen Intermezzo um sein Leben flüchten, bevor er schließlich auf der neuen Motherbase landet und sich erneut im Kampf gegen seine alten Widersacher Cypher und Zero wiederfindet.

MGSV-Raiden

Als Spieler werde ich an diesem Punkt ins kalte Wasser geworfen und mit den Gegebenheiten einer offenen Welt konfrontiert. Ich muss mir den Weg ans Ziel selbst suchen und eigenhändig Informationen sammeln. Im Kontext der Missionen funktioniert das überwiegend sehr, sehr gut. Aber es ist auch eben jene Missionsstruktur, mit den teils nicht länger als 30 Minuten andauernden Einsätzen, die nur selten eine gewisse, an die Vorgänger anmutende Komplexität, aufweisen. Konkret sind findet sich diese nur in zwei Missionen: In der einen muss ich eine Forschungseinrichtung infiltrieren und dabei mehrere Sicherheitsbereiche durchqueren, in der anderen muss ich eine Villa tief im Dschungel finden und eine Zielperson extrahieren. Häufig sind es aber nur einfach strukturierte Aufträge, kaum komplexer als die Nebenmissionen.

Dabei unterstützt mich ein umfangreiches Waffenarsenal, das von Handfeuerwaffen über Sturmgewehre bis hin zu Raketenwerfern reicht. Natürlich steht anfangs nur ein rudimentärer Satz zur Verfügung. Dieser kann im Laufe der Zeit dank des Forschungsteams auf der Motherbase ausgebaut werden. Mit größer werdender Waffenauswahl steigt auch die Freiheit in den einzelnen Missionen. Irgendwann lässt sich ein Kampfhubschrauber sogar mit wenigen Schüssen aus dem Lauf eines Scharfschützengewehrs vom Himmel holen.

MGSV-Bear

Zugleich bekomme ich die Möglichkeit, einen hochmodernen Kampf-Mech zu entwickeln, den Battle Gear. Hier verschenkt MGSV erstmals großes Potential, denn die Enttäuschung war groß, als ich feststellen musste, dass ich ihn nicht selbst benutzen kann. Zum Glück kann ich aber auf andere Kompagnons vertrauen. Mit D-Horse, einem Pferd, kann ich ungesehen an Feinden  vorbeireiten. D-Dog, ein Wolfshund, spürt für mich Feinde auf. D-Walker ist ein humanoider Mech mit allerlei Gadgets. Besonders angetan jedoch hat es mir Quiet, eine Scharfschützin, die eigentlich sogar der interessanteste Charakter im Spiel ist.

Die meisten Charaktere bleiben jedoch recht blass. Selbst Snake ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Vielleicht ist es ein Stilmittel für eine überraschenden Wendung der Geschichte, vielleicht lag es aber auch an Kostengründen. Denn niemand anderer als Mr. Jack Bauer beziehungsweise Präsident Snows leiblicher Sohn, Kiefer Sutherland, spricht diesmal Snake. Und ich könnte mir denken, dass er nicht gerade billig war.

MGSV-Ninja

Die Geschichte kommt unter anderem dadurch leider kaum zur Entfaltung. Viele Mission hinterlassen lediglich den Eindruck eines Füllers, ohne zur Geschichte beizutragen. Manch einer mag die ausladenden Zwischensequenzen der Vorgänger kritisiert haben; ich vermisse sie hingegen in MGSV. Es wird wenig erklärt, vieles ist nur für die Spieler verständlich, die die Vorgänger gespielt haben. Kassettenaufnahmen sollen dabei Licht ins Dunkel bringen, aber wer hört sich das alles an?

Im Gegensatz dazu könnte ich mich stundenlang in die kargen Einöden Afghanistans oder die grün-rote Savanne Angolas verlieren. Die Gebiete sind weitläufig und abwechslungsreich. An vielen Kreuzungen sind gegnerische Außenposten zu finden, überall stoße ich auf unzählige Flora und Fauna. Ob nützliche Kräuter, die ich aufsammeln kann oder wilde Tiere, die ich jagen kann – die Welt von The Phantom Pain bietet mehr Tiefgang als die Geschichte um Snakes Rache.

MGSV-DDog

In der Summe ist Metal Gear Solid: The Phantom Pain ein großartiges Spiel. Die Reputation von Mastermind Kojima-San verhilft dem Titel zur verdienten Aufmerksamkeit. Dennoch kann ich nicht behaupten, ein Meisterwerk gespielt zu haben, dazu gibt es zu konkrete Schwächen. Die offene Spielwelt mit den unzähligen Freiheiten geht auf Kosten einer ausgefeilten Geschichte. Die Fülle an Missionen birgt Spielspaß für über 100 Stunden, aber vieles wiederholt sich leider. Bis auf Quiet gibt es kaum interessante Charaktere: Warum in etwa wurde Zero als übergeordneter Bösewicht nicht näher behandelt? So mancher Charakter ist wirklich spannend, kann aber nur als Zitat im Bezug auf frühere Titel betrachtet werden, zu dünn ist ihr eigener Handlungsfaden. Und ganz wichtig: Die Bosskämpfe, so man sie so nennen kann, sind ein Witz — allen voran der “Endboss”, lächerlich im Vergleich zu Metal Gear Rex oder Metal Gear Ray.

Dennoch hatte ich über 120 Stunden eine Menge Spaß. Und das ist doch das Wichtigste, oder? Oder?!

Veröffentlichungsdatum: Bereits erschienen.

Originaltitel: Metal Gear Solid V: The Phantom Pain
Plattformen: PS4, Xbox One, PS3, Xbox 360, PC
Genre: Open World Stealth Action
Entwickler: Kojima Productions
Veröffentlicht von: Konami

2 Gedanken zu „Metal Gear Solid V: The Phantom Pain

  • 12.04.2016 um 12:20
    Permalink

    Ich hätte das Wort für Wort genauso beurteilt.
    Ich vermisse die ewigen Videosequenzen und CodecDialoge unheimlich.
    Auch wenn sie noch so verwirrend waren, wenn man mal kurz nicht aufgepasst hat – sie bargen jede Menge Wow-Momente, Charme, Witz… *seufz*

  • 13.04.2016 um 10:13
    Permalink

    Hi,

    vielen Dank für Deinen Kommentar – wie viele Stunden hast Du denn reingesteckt?

    Viele Grüße,
    Rudolf

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