UFC 2

Dem Mann oder der Frau aufs Maul

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Mein Käfig, der hat acht Ecken… Mit UFC 2 hat EA Sports zwar zwei (nur) ehemalige Champions auf dem Cover, erhofft sich aber nachhaltigen Erfolg mit dem neuesten Kampfspiel. NORMAN VOLKMANN ergötzte sich nicht nur an blutigen Muß-Gesichtern, sondern schlug selbst oft zu – und bekam als Belohnung am Ende sogar einen golden-glänzenden Gürtel geschenkt, der aber zu keiner seiner Hosen passte.

Knapp sechs Jahre ist es nun schon her, dass ich UFC 2010 – damals noch von THQ – nach nur wenigen Stunden aus der Konsole holte und zu einer Ewigkeit Regaldasein verdonnerte. UFC-Noobs und Freunde übersichtlicher Steuerungskonzepte sollten offenbar draußen bleiben. Die Bedienung der Kontrahenten war mir zu komplex, zu kompliziert und zu schlecht nachvollziehbar. Sechs Jahre später ist genau das der zentrale Punkt, um die Brücke zu UFC 2 zu schlagen. Mixed Martial Arts ist, wenn auch auf den ersten Blick nicht immer erkennbar, ein verdammt komplexer und schwieriger Kampfsport.

Gerade wenn es in den Bodenkampf geht, gibt es zwei Sichtweisen: Als Laie sieht man zwei schwitzende, unkoordiniert rangelnde Kontrahenten. Als Kenner sieht man zwei schwitzende Kontrahenten, die technisch beeindruckende Aufgabegriffe anzusetzen und zu verhindern versuchen. Sprich: Eine komplexe Steuerung scheint bei einem solchen Titel geradezu obligatorisch. Und doch hat es EA geschafft, dass zwar jeder Kampf für mich eine Herausforderung, aber keine unlösbare Gleichung darstellt. Die unbequemen Halbdrehungen der Sticks wurden gestrichen und auch die Schlag- und Trittkombinationen können leichter angesetzt und verteidigt werden. Statt verzweifelt zu versuchen, nur eine weitere Runde zu überleben, ist vor allem die Balance zwischen Angriffen und Zwangspausen eine Herausforderung: Wer ohne Bedacht und pausenlos auf seinen Gegner eindrischt, stößt schnell an die Ausdauergrenze seines Kämpfers und macht sich damit angreifbar. Ein gezielter Tritt auf die Brust oder überraschender Haken dagegen läuten oft den Anfang vom Ende ein. Die Kombination aus besserer Steuerung sowie Fokus auf die Ausdauer des Kämpfers erfordern es, dass der Spieler mit einer entsprechenden Strategie an den Kampf herangeht – je nachdem wo die eigenen Stärken und Schwächen und die des Gegners liegen.

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Da ich alljährlich den Karriere-Modus der NBA 2K-Serie spiele und auch dort die stetigen Weiterentwicklungen beobachte, fällt es mir schwer, das Werk des Teams von 2K Sports auszublenden und es nicht als Maßstab an UFC 2 anzusetzen (Disclaimer: Mit „Werk“ meine ich alles, was nicht mit Spike Lee zu tun hat!). Denn auch wenn die Sportarten unterschiedlicher nicht sein könnten – der Karrieremodus der Basketballreihe bietet seit Jahren eindeutig mehr Inhalt als die gesamte Sport-Konkurrenz. UFC 2 ist dabei keine Ausnahme.

Mein Kämpfer startet seine Karriere in wenigen Tryout-Kämpfen der UFC-Show The Ultimate Fighter und kämpft sich danach durch die Undercard (Eröffnungskämpfe) der UFC Fight Nights, die jeden Monat stattfinden. So sehr man Aussehen und Moveset des Kämpfers dabei beeinflussen kann, so wenig Interaktionsmöglichkeiten gibt das Spiel einem an die Hand, einen eigenen Charakter mit Persönlichkeit zu erstellen. Das stört mich nicht nur bei meinem eigenen Kämpfer, sondern auch bei den Gegnern, die generischer und uninteressanter nicht sein könnten.

Dabei müßte es definitiv nicht so sein: Rivalitäten gibt es auch in der UFC. Kämpfer wie Conor McGregor erlangten ihren Status nicht nur wegen erfolgreicher Kämpfe, sondern wegen ihrer großen Klappe. All das fehlt meinem stummen Muskelberg, wenn er sich einfach immer nur dem nächsten Gegner stellt. Hier verschenkt EA viel Potential: Statt einfach nur den Aufstieg in den Ranglisten als Ziel zu suggerieren, sollte viel eher versucht werden, eine interessante Geschichte zu erzählen. Warum nicht einen beständigen Rivalen schaffen, der den Weg des eigenen Kämpfers immer wieder kreuzt? Warum gibt man der Auswahl der nächsten Gegner nicht mehr Gewicht und verbindet sie mit speziellen Erfolgen oder Rückschlägen, die (kleine oder größere) Auswirkungen auf die Karriere haben? So fehlen die Verbindungen zu den Gegnern aber auch zur eigenen Entourage, die während der ganzen Zeit namenlos und unbedeutend bleiben.

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Der Kern von UFC 2, der Kampf, fühlt sich dagegen sehr authentisch an. Das beginnt mit der Präsentation des Spektakels mitsamt der Kommentatoren Joe Rogan und Mike Goldberg und endet mit der Genugtunung jedes gelandeten Treffers. Das abrupte Fliegen von Schweiß, das Klatschen bei Tritten und die, nun ja… buchstäbliche Zerstörung der Gesichter — all das erschafft den tatsächlichen Eindruck einer UFC-Großveranstaltung. Zu Beginn waren es vor allem Box-Elemente, die ich nutzte, um meine Gegner zu schwächen. Mit der Zeit setzte ich den Trainingsfokus meines Kämpfers allerdings auf den Bodenkampf. Das fordert mehr Können und Timing des Spielers, erhöht gleichzeitig aber die Genugtuung über die eigenen Leistungen, wenn der Gegner per Aufgabe den Kampf abgibt. Im Gegensatz zum Vorgänger blieben zudem die (durchaus witzigen) Bugs aus und selbst wenn einige Bewegungen immer noch unnatürlich wirken: UFC 2 schafft es zum ersten Mal, dass man bei einem flüchtigen Blick auf den Bildschirm durchaus annehmen kann, dass es sich um ein echtes Match handelt.

Veröffentlichungsdatum: Bereits erschienen
Originaltitel: UFC 2
Plattformen: Xbox One, PS4
Genre: Kampfsport
Entwickler: EA Sports
Veröffentlicht von: Electronic Arts

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