Wolfgang Herrndorf “Bilder deiner grossen Liebe“ | Theater Neumarkt, Zürich

When the theatre rocks

Foto|Copyright: Niklaus Stauss
Foto|Copyright: Niklaus Stauss

Romane als Stofflieferanten fürs Theater sind über die Jahre immer populärer geworden. So auch am Neumarkt Theater: «Bilder deiner grossen Liebe» (2014) heisst die dramatische Umsetzung des gleichnamigen Romans von Wolfgang Herrndorf. Erzählt wird aus der Perspektive der Isa, die im früheren erfolgreichen Jugendroman «Tschick» (2010) von Herrndorf eine Nebenrolle inne hatte. Gespielt wird die Isa von Sandra Hüller.

Von Jolanda Heller.

Die Hauptfigur in «Bilder deiner grossen Liebe» – Isa – kommt schon in «Tschick» vor und ist die Fortsetzung des Romans aus deren Sicht. Wie der Vorgänger ist auch dieser Roman im Stil des Road Movie gehalten, woran sich auch die Dramaturgie des Theater Neumarkt hält. Sandra Hüller ist Isa und sie spielt die Rolle der jungen Göre perfekt. Auch als Rockstar besitzt sie mit ihrer Band (Sandro Tjouri, Moritz Bossmann) grosse Qualitäten, die Stimme rockt, die Musik fetzt. Beide Musiker sind im Weiss der Krankenpfleger aus der psychiatrischen Klinik gekleidet, aus der Isa enthuscht ist.  Abwechslungsweise wähnt man sich nun in einem Rockkonzert mit Ansagen von Hüller und den Erzählungen der jungen Isa, die diese auf ihrer Road Tour erlebt und/oder sich zusammenträumt und -reimt. Was dabei real und was davon gespielt ist, ist oft unklar. Dass Sandra Hüller/Isa an diesem Spiel ihren Spass hat, sieht man.

Das Stück selbst ist so fragmentarisch, wie postmodernes Theater nur sein kann und ist bestimmt auch der Vorlage geschuldet. Den roten Faden macht man hier auf der Bühne deshalb nicht anhand inhaltlicher Elemente aus, sondern vielmehr im Formalen: Es gibt einen Anfang und es gibt ein Ende. Eine Interpretation bleibt das Stück uns schuldig (klar), aber auch Denkanstösse bleiben aus (gibt das Buch die nicht her?). Das Psychedelische des ganzen Ambientes (Bühne und Kostüm von Michael Graessner) mit abwechselndem Stroboskopeinsatz, hellstem Bühnenlicht und Konzertdüsterheit in Purple Rain Optik könnten auf eine verzerrte Wahrnehmung Isas schliessen lassen, die hier abgebildet wird. Das Lächeln Isas könnte man dann als sadistisches bezeichnen, die die Zuschauenden an ihren innern und äusseren Erlebnissen körperlich teilhaben lassen will. Doch man bleibt etwas ratlos zurück als Zuschauerin ob dieser zerstückelten Welt, hatte aber einen unterhaltsamen Theaterabend. Dass im Publikum nicht die Generationen Y und Z, sondern vielmehr X und Baby Boomer sassen, mutet dann ja schon fast antizyklisch an.

 

Besprechung der Schweizer Erstaufführung/Premiere vom 28. April 2016.

Regie: Tom Schneider
Bühne und Kostüme: Michael Graessner
Dramaturgie: Inga Schonlau
Musik: Moritz Bossmann, Sandro Tajouri, Sandra Hüller
Bühnenfassung von Robert Koall

Mit: Sandra Hüller, Sandro Tajouri, Moritz Bossmann

Premiere: Do 28. April, 20.00 Uhr, Saal

Dauer: ca. 1 1/4 Stunden

 

Im Netz

www.theaterneumarkt.ch

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