Zwanzig Jahre Müllteppich im Meer

Plastik, soweit das Auge reicht

PlastikXOuagadougou
Plastikabfälle in einem Kanal bei Ougadougou, Bild: Roman Bonnefoy

Plastik steckt in beinahe jedem Gegenstand. Diesen Siegeszug, den es in den 1940er Jahren antrat, hat Plastik unter anderem seinen vielfältigen Einsatzmöglichkeiten und seinem günstigen Preis zu verdanken. Die Kehrseite der schönen Plastikwelt: Abfälle an beinahe jedem Ort des Planeten – auch und vor allem draussen auf hoher See.

Überall liegt Plastik. An den Stränden dieser Welt, in Hinterhöfen und an Strassenrändern ist dieser Anblick keineswegs aussergewöhnlich. Denn Plastik ist ein Wegwerfprodukt. Von den über 300 Millionen Tonnen Kunststoffe, die jährlich hergestellt werden, wird nur ein kleiner Teil verbrannt oder wiederverwertet.

Müll fürs Meer
Der restliche Plastikmüll landet auf Abfalldeponien, sogar in Europa werden über dreissig Prozent der Kunststoffabfälle auf Müllkippen abgelagert. Von dort kann der Müll – wenn nicht zugedeckt – mit dem Wind weggetragen werden und er landet da, wo die achtlos weggeworfenen Plastikabfälle bereits liegen: zum Beispiel irgendwo in einem Strassengraben.

Beim folgenden Regen trägt das Wasser die Plastikabfälle in den nächsten Bach und früher oder später ins Meer. Während Jahrzehnten machte sich kaum jemand Sorgen, denn der Abfall  verschwand ja  – irgendwo im Meer. Aus den Augen, aus dem Sinn. Bis 1997 der Meereskundler Charles Moore den ersten Müllteppich im Pazifik entdeckte.

In den seither vergangenen zwanzig Jahren hat sich noch mehr Müll im Ozean angesammelt. In allen Weltmeeren finden sich heute Müllteppiche. Die Ozeane sind zu wahren Abfalldeponien geworden.

Wo ist all der Plastik?
Milliarden von Tonnen Kunststoffe müssten dort inzwischen schwimmen. Doch Im Jahr 2014 stellten verschiedene Wissenschaftler nach ihren Untersuchungen fest: Es sind bloss etwas über 250’000 Tonnen, die auf den Meeren treiben.

Also nur ein Bruchteil dessen, was dort vermutet wurde. Der Rest wird wohl von Fischen, Walen und Vögeln gefressen. Oder sinkt auf den Meeresgrund. Noch ist unklar, was dort damit geschieht. Vielleicht liegt ein grosser Teil einfach nur da. Vielleicht fressen die Bewohner der Tiefsee in grossen Mengen Plastik und verenden daran.

Die alte Geschichte
Welche Probleme der verschwundene Plastik dereinst verursachen wird, weiss noch niemand. Dennoch geschieht wenig gegen die Vermüllung der Meere. Die alte Geschichte: Keiner fühlt sich verantwortlich und das Problem ist (noch) weit weg. Am ehesten werden noch Strände vom Müll befreit – dort sieht er ja wirklich nicht besonders gut aus.

Anlass zur Hoffnung gibt es in Zukunft vielleicht dank technologischer Fortschritte. Einerseits wurden inzwischen Kunststoffe entwickelt, die sich nach einer bestimmten Zeit selbst zersetzten. Einzelne Produkte sind seit einigen Jahren auf dem Markt. Unter anderem in der Landwirtschaft, wo sehr viel Plastik eingesetzt wird, wären sie von Vorteil.

Mulchfolie aus Polymilchsäure, Bild: F. Kesselring, FKuR Willich
Mulchfolie aus Polymilchsäure, Bild: F. Kesselring, FKuR Willich

Anderseits entdecken Forscher Pilze oder Bakterien, die bestimmte Plastiksorten wie Polyurethan oder PET zersetzen können. Vielleicht werden solcherlei Mikroorganismen dereinst auf Mülldeponien aufräumen oder sogar auf See ausgesetzt, um dem Plastik Herr zu werden. Das ist allerdings erst Wunschdenken und bis es soweit ist, werden noch viele Millionen Tonnen Plastikmüll in den Weltmeeren „verschwinden“.

Mehr Infos zum Thema bietet unser Artikel Endstation Ozean von 2010.

Unsere Infografik zum Thema Plastik.

 

Links:

Website der Vereinigung europäischer Kunststoffhersteller

Artikel zum Mann der den Müllstrudel im Meer entdeckte (NZZ-Folio)

Einschätzung zur Menge der Plastikabfälle im Meer (PLOS One)

Plastik auch in Seen – aus Kosmetikprodukten (Der Spiegel)

Pilz, der Polyurethan frisst (Applied and Environmental Microbiology)

Bakterium, das PET abbaut (Science)

Neu in den USA: Bier-Sechserpack-Ringe, die keine Schildkröten mehr erwürgen (Discover)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.