Homefront: The Revolution

Revolution ohne Biss

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Nach der Pleite von THQ und dem Ausverkauf einiger Franchises, wurde mit Homefront: The Revolution eine Serie fortgesetzt, die unter anderen Umständen vermutlich leise gestorben wäre. Doch die Geschichte vom besetzten Nordamerika ist noch nicht zu Ende erzählt – ein Aufstand, ach was, eine Revolution steht an! NORMAN VOLKMANN war stummer Teil dieser Revolution, erfuhr einiges über verschenktes Potential, fehlenden Schliff, stolze USA-Rufe und war klassenbester Molotov-Cocktail-Bauer.

Eigentlich ist die Prämisse von Homefront: The Revolution interessant: In einer Dystopie hat Nordkorea die USA 2029 mithilfe eines übermächtigen Tech-Unternehmens namens APEX übernommen und unterjocht. Doch in der Stadt der brüderlichen Liebe brodelt der Widerstand. Philadelphia ist der zentrale Handlungsschauplatz vom zweiten Homefront und ein bedeutender Ort für die US-amerikanische Bevölkerung, wurde doch hier die Unabhängigkeitserklärung in der Independence Hall unterzeichnet. Wenn es eine Revolution geben soll, wie sie es der Titel des Spiels verspricht, dann wohl hier. Aber eigentlich hätte es einen zweiten Teil von Homefront gar nicht geben sollen. Nicht nur, dass das Seriendebüt in der Rückschau kaum positive Erinnerungen hervorruft, auch die Entwicklung des Nachfolgers war ziemlich chaotisch. Das Frankfurter Entwicklerstudio Crytek kündigte die Entwicklung des Titels bereits 2011 zusammen mit THQ an, verkaufte die Rechte an der Marke allerdings 2014 an Koch Media. Crytek selbst hatte die Markenrechte nach der Insolvenz von THQ gekauft. Unter neuer Führung und mit neuem Namen, entwickelte das Crytek-Studio aus Großbritannien den Titel für Deep Silver weiter.

Im Fokus von Homefront: The Revolution steht der stumme Soldat und Newbie-Freiheitskämpfer Ethan Brady. So zahlreich und bekannt wortlose Helden in der Vergangenheit bei Klassikern wie Half-Life auch waren, bei Homefront scheint es nur eine Front für Einfallslosigkeit zu sein. Es wirkt einfach befremdlich, dass Brady nie was sagt – vor allem, weil die NPCs in seiner Nähe nicht umhin kommen, ihm ständig Fragen zu stellen. Würde Brady alleine in der ersten halben Stunde auch nur drei Worte sagen, würde er sich eine Menge Schwierigkeiten und Schmerzen ersparen. Dadurch vergeht mir schon bald das Interesse an dieser Revolution der Anderen. Mein Herz ist einfach nicht dabei. Ich bin und bleibe der stumme Typ für die Drecksarbeit, ein paar Muskeln mit Mordlust. Statt wichtige, strategische Entscheidungen zu treffen oder überhaupt an den Überlegungen teilhaben zu dürfen, komme ich immer zum Ende von Gesprächen und töte einfach. Erst letzten Sommer spielte ich Wolfenstein: The New Order — in den dortigen Zwischensequenzen beriet sich das gesamte Team und erschuf so den Eindruck, dass alle an einem Strang zogen. Wenn B.J. das kann, warum nicht Brady? Bei Homefront sitze ich nicht nur ständig am gemachten Tisch, mir wird das Essen auch von drei paar Händen in den Mund gestopft.

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Auf den Straßen von Philadelphia ist es in einigen Spielsequenzen meine Aufgabe, die Moral der Leute zu erhöhen und ihnen den Glauben an eine Revolution zu geben. Das mache ich vor allem, in dem ich Chaos stifte und den Bodycount an Koreanern in die Höhe treibe. Stecke ich den Norks, wie sie im Spiel abfällig genannt werden, auf offener Straße ein Messer wahlweise in Auge oder Kehle, freut das die Zivilisten rund um mich und ermutigt sie, auch mal einen Stein in den Hand zu nehmen. Einer der drei Anführer der Revolution, der Moralapostel, lässt es sich dennoch nicht nehmen, hin und wieder durch den Funk oder per SMS zu fragen: „War es das wert?“. Eine Antwort kann ich ihm nicht geben. Und eine Wahl habe ich im Endeffekt auch nicht. Ein weiterer Anführer, der Kompromisslose, lässt mich wissen: „Being gentle won’t shake the world.“ Also entzünde ich meinen Molotov-Cocktail.

Das Philadelphia in Homefront hat mit dem heutigen Philly nichts zu tun und ist zum größten Teil in Schutt und Asche gelegt worden. Als Spieler kann ich mich durch eine teilweise offene Spielwelt bewegen, die in verschiedene Viertel unterteilt ist. Dabei gibt es Stadteile, die einigermaßen belebt sind und Ecken, in denen es nur so von Besetzern und deren Panzerwagen wimmelt. Überall ploppen kleine Stützpunkte auf, die vom Spieler eingenommen werden können und sollten, den letzten Spielen der Far-Cry-Reihe nicht ganz unähnlich. Wer schnell von A nach B kommen will, kann sich auch auf ein Motorrad setzen und damit durch das städtische Kriegsgebiet heizen. Das sorgt aber im Grunde immer dafür, dass man den Alarm auslöst und sich die Aufpasser auf den Hals hetzt. Wird man von einer größeren Gruppe gestellt, kann das tatsächlich schnell zum Problem werden. Besonders viel kann Brady nicht einstecken, auch nicht auf der einfachsten Schwierigkeitsstufe. Das führt schnell zu einer Menge Frust, vor allem, wenn man keine Heilungspäckchen auf eine umfangreichere Mission mitgenommen hat und versucht, mit der relativ ungenauen Waffensteuerung präzise seine Gegner kampfunfähig zu machen.

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Man merkt Homefront: The Revolution seine schwierige Produktion deutlich an. Die fehlende Politur äußert sich immer wieder in grafischen Fehlerchen, über die ich im Grunde allerdings noch hinwegsehen kann. Ein zweisekündiger Spielstillstand nach jedem Auto-Save dagegen schmerzt. Auch das Laden neuer Gebiete oder eines Spielstandes kann auf der Xbox One mitunter so lange dauern, dass man nach dem dritten Spielstart alle aufgeführten Tipps und Hinweise auswendig weiß. Obwohl die Spielwelt des in Ruinen liegenden Philadelphia durchaus morbide-schöne Seiten hat (besonders in der Nacht), bleibt sie insgesamt sehr blass und uninteressant. Zudem beweist der Titel, dass stumme Helden inzwischen wirklich ausgedient haben sollten. Lediglich die Waffenmodifikationen, die schnell und direkt angewendet werden können, geben dem Spiel eine interessante Komponente, lassen sie den Spieler doch so Angriffe besser planen und verschiedene Vorgehensweisen ausprobieren. So wird aus dem Maschinengewehr im Handumdrehen ein Granatenwerfer oder aus der Handfeuerwaffe schnell eine Uzi oder Armbrust. Gerade wenn man versucht, unentdeckt durch die stark bewachten Viertel der Stadt zu gelangen, kann das Vorteile bedeuten. Der hohe Schwierigkeitsgrad, selbst auf niedrigster Stufe, verbunden mit ungenauer Zielmechanik sowie dem insgesamt recht faden Handlungsverlauf raubten den Spielspaß aber zumindest mir wieder ziemlich schnell. Ich wage allerdings zu behaupten, dass der Titel, abgesehen von den technischen Schwächen, einfach zwei Jahre zu spät erschienen ist – die Entwicklung im überrannten Shooter-Genre ist einfach viel weiter.

Veröffentlichungsdatum: Bereits erschienen
Originaltitel: Homefront: The Revolution
Plattformen: PlayStation 4, Xbox One, PC
Genre: First Person Shooter
Entwickler: Dambuster Studios
Veröffentlicht von: Deep Silver

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