Dead Island Definitive Edition

Einmal Zombie-to-go, bitte!

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Eigentlich ist es ein fürchterlicher Trend, den die Publisher da seit einigen Jahren verfolgen. Auf die neuen System fluten immer wieder Remaster-, Definitive- und sonstige Viel-besser-als-früher-Editionen. Und ich erwische mich selbst oft genug dabei, wie ich denke: „Ach, eigentlich würde ich das auch gern mal wieder spielen.” Die Leichenfledderei totgeglaubter Spiele macht auch vor Dead Island keinen Halt – also sprang NORMAN VOLKMANN wieder in die Badebuxe, spitzte sich einen Besenstiel an und rammte diesen untoten Urlaubern in die Birne.

Vor einigen Jahren verfasste ich schon einmal ein paar Zeilen zu Dead Island. Damals war ich besonders angetan vom Kampfsystem, vom Setting und der ständigen Bedrohung, die die Zombies auf der Insel darstellten. Inzwischen sind aber einige Jahre ins Land gezogen und so richtig in seinen Bann konnte mich die Definitive Edition von Dead Island nicht mehr ziehen. Man merkt dem Titel die Überarbeitung zumindest optisch etwas an. Mit viel mehr Weitsicht ist vor allem der erste Teil des Spiels wirklich aufgewertet worden. Die Insel mitsamt Stränden und dunklen Wolken, die schwer am Horizont hängen, schaffen eine tolle Atmosphäre. Wer sich alle Verbesserungen im Detail ansehen will, der sollte einen Grafikvergleich zu Rate ziehen. Gefühlt sieht alles jedenfalls minimal besser aus. Leicht verstörend sehen inzwischen aber die Charaktermodelle der NPCs aus. Die Wachsmasken mit den scheintoten und weit aufgerissenen Augen sind mir beim ersten Mal nicht so unangenehm aufgefallen.

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Die Definitive Edition trumpft mit Dead Island: Riptide auf, das im Grunde dasselbe Spielerlebnis wie der direkte Vorgänger bietet. Kampfsystem und Umgebung haben sich kaum geändert, dafür kann und muss man nun Basen verteidigen. In dritten Spiel des Packs hat Deep Silver einen 2D-Brawler namens Dead Island: Retro Revenge dazugepackt. In bester Streets-of-Rage-Manier wandert man durch die Straßen und haut Zombies und anderen Gegner die Birne zu Matsch, damit man wieder an seine geliebte Katze kommt.

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Da ich Dead Island schon einmal spielte und beendete, freute ich mich zwar, auf die Insel zurückzukehren, allerdings schaffte der Titel es nicht wieder, mich langfristig zu fesseln. Denn gerade spielerisch gehört die Serie dringend generalüberholt. Ständig nach Teddybären, Orangensaft oder Überlebenden zu suchen, ist inzwischen in Rollenspielen keine eigenständige Nebenmission mehr wert. Im Grunde hat das Dying Light ja auch schon für die aktuelle Konsolengeneration getan und das System von Dead Island perfekt weiterentwickelt. Wer den geistigen Nachfolger bereits gespielt hat und nun auf die Inselzurückkehrt, wird mit den simplen Mechaniken vermutlich schneller frustriert sein als die Erinnerung es vermuten lässt.

Am Ende ist und bleibt mir Dead Island aber dennoch sympathisch. Das beginnt mit dem trashigen Song “Who do you Voodoo, Bitch”, den einer der Hauptcharaktere vor Spielbeginn zum Besten gibt und endet bei den zahlreichen Hieb- und Stichwaffen, mit denen man Köpfe und Gliedmaßen wahlweise verkrüppeln oder fein säuberlich abtrennen kann. Das Kampfsystem gefällt mir immer noch. Durch die begrenzte Ausdauer sind Gegner-Gruppen immer eine Gefahr, der Nahkampf ist auch mit mächtigen Waffen nicht immer eine sichere Nummer. Schade ist indes, dass man keine Anpassungen vorgenommen hat, was die Haltbarkeit der Waffen angeht. Diese werden schon nach wenigen Hieben nutzlos und die Suche nach Werkbänken für die Reparatur bleibt eine nervige Angelegenheit.

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Außerdem spielte ich Dead Island und Riptide beim zweiten Mal komplett anders als beim ersten Mal. Gerade weil die Handlung eher zweitranging und das Gerede der Auftraggeber eher langweilig waren, habe ich die Lautstärke runtergeschraubt und stattdessen einige Podcasts nachgeholt. Währenddessen schwang die Machete von links nach rechts, es poppten Schadenspunkte auf, es wurde gelootet und an den zahlreichen Hieb- und Stichwaffen gebastelt. Dead Island ist wie ein Album der Hardcore-Band Emmure. Simpel und stumpf, liefert am Ende aber doch irgendwie ein zufriedestellendes Erlebnis.

Veröffentlichungsdatum: Bereits erschienen
Originaltitel: Dead Island Definitive Edition
Plattformen: PlayStation 4, Xbox One, PC
Genre: Egoshooter
Entwickler: Techland
Veröffentlicht von: Deep Silver

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