Dead by Daylight

Ding dong, you’re dead

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In Dead by Daylight kämpfen vier Menschen gegen einen übermächtigen Killer und haben das Ziel, ihrem persönlichen Albtraum zu entkommen. Lässt sich die beliebte Slasher-Formel aus den 1980er- und 1990er-Jahren auch in ein asymmetrisches Multiplayer-Spiel übertragen? NORMAN VOLKMANN trieb Freunde und wildfremde Menschen mit Glockentönen in den Wahnsinn, jagte überlebenden Teenagern hygienisch-bedenkliche, blutige Macheten ins Kreuz und flüchtete selbst in Todesangst vor rasselnden Kettensägen.

Während ich mit Jake, einem der vier Überlebenden, im hohen Gras und hinter einem dicken Baum hocke, vernehme ich den Sound, den ich bereits nach kurzer Zeit fürchten lernte, aber während einer Partie Dead by Daylight ständig höre. Das eindringliche Pochen eines Herzes, das mir ankündigt, dass sich ein Killer in meiner direkten Umgebung befindet. Mir selbst schlägt mein eigenes Herz bis zum Hals, während ich nervös die Kamera herumschwenke und hoffe, am Ende doch nichts zu sehen. Das Pochen aus dem Spiel wird immer intensiver und eine fürchterlich bedrohliche Musik setzt ein. Spätestens wenn ich den roten Schein des Killers erblicke, ist es eigentlich schon zu spät. Doch dieses Mal habe ich Glück und der Hühne mit Machete in der einen und Bärenfalle in der anderen Hand geht schnurstracks an mir vorbei.

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Dead by Daylight ist ein ständiges Katz-und-Maus-Spiel, bei dem vier Überlebende versuchen, diverse Generatoren zu reparieren, um Tore öffnen zu können und aus der jeweiligen Spielarena zu entkommen. Auf der Gegenseite muss einer von drei Killern versuchen, seine vier Opfer zu finden, sie niederzustrecken und am Ende von einem Fleischerhaken baumeln zu lassen. Dann erst werden sie dem Entitus geopfert, einem übernatürlichen Wesen. Die drei Killer sollten zumindest Horror-Fans bekannt vorkommen: Der Hillbilly ist ein Leatherface-Verschnitt mit Kettensäge, der Trapper ein entfernter Cousin von Jason Vorhees – mit Machete und Bärenfallen. Lediglich der Wraith weicht ein wenig von einem konkreten Vorbild ab und ist eine eigenständige Version eines Poltergeists. Er kann zwischen unsichtbar und sichtbar wechseln und seine Opfer mit einer Waffe verfolgen, die aus Schädelknochen und Wirbelsäule besteht. Basteln kann er also.

Auf insgesamt zwölf Maps, die teilweise prozedural generiert werden, werden die vier Überlebenden ausgesetzt: Darunter die sportliche Meg, der Teamplayer Dwight, Pflanzen-Nerd Claudette und Aussteiger Jake. Die Hintergrundgeschichten sind fast genauso klischeebehaftet und kitschig wie die der Killer, aber das tritt im Spiel sowieso in den Hintergrund. Teamplay ist wichtig, vor allem, weil in öffentlichen Matches selten eine Möglichkeit besteht, mit seinen Mitspielern zu kommunizieren. Hängt ein Kumpane am Haken, kann er immer noch von seinen Mitspielern gerettet werden. Das gibt nicht nur Punkte, sondern auch ein reines Gewissen. Außerdem ist es im Team einfacher, die notwendigen Generatoren zu aktivieren. Jeder Überlebende hat ein eigenes Set an Perks, das die herkömmlichen Boni, die man sich beim Spielen freischalten kann, weiter ausbaut.

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Als Killer gilt es vor allem, die Augen aufzuhalten und genau nach verräterischen Geräuschen zu horchen. Aus der Egoperspektive ist das Sichtfeld des jeweiligen Mörders viel eingeschränkter als das der Teenager, die man aus der Third-Person-Sicht steuert. Allerdings sieht man Spuren, wenn die potentiellen Opfer sprinten oder einen der Quick-Time-Events an den Generatoren versemmeln. Je nach Fähigkeiten der Überlebenden kann ein Killer aber auch mächtig an der Nase herumgeführt werden. Clevere Überlebende lenken ihre Peiniger ab, laufen im Zickzack durch Maisfelder, rutschen über Paletten oder verschwinden ungesehen in einem Schrank. Sind sie allerdings verletzt, können sie durch ihr schmerzvolles Gestöhne leichter enttarnt werden und verlieren Blut. Wer bereits einmal am Haken hing, dem bleibt beim zweiten Mal ein viel kleineres Zeitfenster zur Rettung. Der letzte Überlebende hat zudem die Chance, durch eine Fluchtluke zu entkommen – muss diese aber erst einmal finden, da sie nicht immer an einem festgelegten Ort erscheint.

Auch wenn sich Dead by Daylight an einigen Stellen noch anfühlt wie ein Early-Access-Titel, hatte ich bislang selten mehr Spaß mit einem Multiplayer-Titel. Zum einen liegt das daran, dass man als Überlebender schnell mit anderen Spielern Bündnisse schließen kann. Wer mich vom Haken rettete, den konnte ich später nicht zurücklassen, selbst wenn die Tür des Ausgangs bereits geöffnet war. Als Killer hingegen ist es befriedigend, wenn man das Vorhaben der Gegenspieler durchschaut oder sie gar komplett überrascht. Auf der anderen Seite gibt es dann den Modus: „Kill your Friends“. Spielt man gegen seine Freunde und kann sich während des Spiels per Skype oder Teamspeak mit allen unterhalten, entstehen so kleine Meta-Spiele, in denen man versucht, den Killer aus der Ruhe zu bringen oder als Verfolger direkt verbal Angst und Schrecken zu verbreiten und dafür zu sorgen, dass die Gegenspieler unvorsichtig werden. Entwickler Behavior Digital hat zudem einen großen Fokus auf das Sounddesign gelegt. Das Ächzen eines Verletzten kann genauso verräterisch sein wie das Öffnen einer Schranktür, sofern der Killer in der Nähe ist. Im Gegenzug erzeugt der eindringende Herzschlag direkt Panik. Speziell der Wraith ist dabei hervorzuheben. In seiner unsichtbaren Form hört der Spieler kein Herzklopfen, sondern erst, wenn sich die Gestalt mit gruseligen Glockensounds wieder sichtbar macht. Steht er dabei in unmittelbarer Nähe eines Überlebenden, ist die Jagd so gut wie entschieden.

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Der Titel erschien im Juni offiziell über Steam, doch das Entwickler-Team arbeitet bereits an neuen Metzelmeistern und lebensfrohen Überlebenden, die den Killern entkommen wollen. Inzwischen ist es zum Beispiel möglich, in „Survive with Friends“ mit Freunden in öffentichen Lobbies zu spielen. Mit dem Hochleveln der verschieden Figuren und Mörder ist man bis zum Erscheinen neuer Inhalte allerdings gut beschäftigt. Gerade weil jedes Match so unterschiedlich laufen kann, lohnt sich auch das Austesten der Perks sowie Ausrüstungsgegenstände. Das Matchmaking funktioniert – bis auf den Survive-with-Friends-Modus – ziemlich flott. Kleinere Bugs stören den insgesamt guten Eindruck des Multiplayer-Horror-Titels zwar, werden allerdings mit fast wöchentlichen Patches immer weiter ausgemerzt. Ebenfalls positiv: Weitere Killer und Maps sollen nicht als Bezahl-DLC, sondern als kostenfreie Updates nachgeliefert werden. Zwar sind auch kostenpflichtige Mikrotransaktionen geplant, laut Entwickler umfassen diese allerdings ausschließlich optische Veränderungen wie neue Kostüme.

Veröffentlichungsdatum: Bereits erschienen

Originaltitel: Dead by Daylight

Plattformen: PC

Genre: Horror

Entwickler: Behavior Digital

Veröffentlicht von: Starbreeze Studios

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