Karl Ove Knausgård: “Träumen”

Der Traum vom Schreiben

Karl Ove Knausgård: “Träumen” (Roman)

Traeumen von Karl Ove KnausgardEin Jahrhundertwerk ist Karl Ove Knausgård mit seinem autobiographischen Projekt gelungen. Die Bücher des Norwegers zu lesen, braucht Zeit. Zeit, die sich auf jeden Fall lohnt. In “Träumen” begleiten wir Knausgård auf dem steinigen Weg, Schriftsteller zu werden.

Von Luzia Zollinger.

Der junge Norweger Karl Ove Knausgård hat es geschafft. Er hat einen der begehrten Plätze an der Akademie für Schreibkunst in Bergen erhalten. Ein Traum geht in Erfüllung, lange hat er dafür gekämpft. Doch die Realität ist brutal. Knausgård muss lernen, Kritik einzustecken. Sie ist besonders schmerzhaft, denn er dachte, er sei besser. Er profitiert jedoch von der langjährigen Erfahrung der bekannten norwegischen Schriftsteller Jon Fosse und Ragnar Hovland. “Schreiben ist Leben”, sagte Knausgård im Interview mit dem Zeit-Literaturmagazin. Und so nimmt Schreiben denn auch viel Platz in “Träumen” ein. Nebst den Sequenzen des Trinkens – Knausgård trinkt viel – und den unzähligen Besuchen in Buchhandlungen und Plattenläden.

Die Jahre zwischen 1988 und 2002, die Knausgård in Bergen an der norwegischen Westküste verbringt, sind Jahre der Selbstfindung. Das Schreiben hilft dem Norweger, seinen eigenen Weg in der Gesellschaft zu finden. Die lehrreiche Zeit endet damit, dass er sich mit der Bahn auf den Weg nach Stockholm macht.

Bitte nicht aufhören!

Dass Knausgård eine solch präzise und detaillierte Sprache auszeichnet, liegt einerseits an der Begabung. Aber bestimmt auch an den Jahren des Literaturstudiums in Bergen. So detailliert wie er schreibt, hat er damals nämlich auch Texte gelesen, analysiert und darüber reflektiert. Die grandiose Beobachtungsgabe widerspiegelt sich in all seinen Büchern. Schonungslos. Die Sogwirkung, die seine Bücher ausstrahlen, ist immens. Wer einmal damit begonnen hat, kann nicht mehr aufhören. Auf hunderten von Seiten taucht man in das faszinierende Leben des Norwegers ein und geniesst das Lesen, auch wenn manchmal die Sätze atemlos lange sind. Doch der Inhalt ist so packend, dass dies einen überhaupt nicht stört. Im Gegenteil. Nicht aufhören soll die Geschichte, so sehr gibt man sich hinein.

Das Leben und die erlebten Ereignisse prägen jeden Menschen und machen ihn zu dem, was er ist. Knausgårds Gesicht erzählt sein Leben. Wenn er die Stirn in Runzeln legt und nachdenklich schaut, sieht man sein ganzes autobiografisches Werk. Lächelt er, kommt seine Zerbrechlichkeit genauso zum Vorschein als auch Wärme und Geborgenheit. Sein Gesicht ist so ausdrucksstark wie sein Schreiben. Knausgård legt seine Worte nicht nur beim Schreiben auf die Waage sondern er überlegt auch genau und reflektiert zuerst, ehe er mit dem Sprechen beginnt. Wie man in seinen Büchern stundenlang lesen kann, kann man ihm auch stundenlang zuhören. Knausgårds Sprache ist einfach eine Wucht! Und so hätte die Lesung in Zürich gerne auch noch viel länger dauern können.

 

Titel: Träumen
Autor: Karl Ove Knausgård
Übersetzer: Paul Berf
Verlag: Luchterhand
Seiten: 576
Richtpreis: CHF 32.90

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.