We Happy Few (Early Access)

Die Sicht durch die rosa Pille

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In We Happy Few ist alles super. Die Welt ist bunt, in den Zeitungen stehen nur gute Nachrichten und jeder ist glücklich. Damit sich das nie ändert, werfen sich die Bewohner der pseudo-historischen, britischen Stadt Wellington Wells einfach regelmäßig eine Pille names Joy ein. Wie im richtigen Leben, bekommt NORMAN VOLKMANN von zu viel Fröhlichkeit schlimmen Ausschlag und hat deswegen den Pillen abgeschworen, mit denen er immer zwei Regenbögen am Horizont sah. Ob die Welt dadurch besser wurde, weiß er selbst nach einigen Stunden mit der Early-Access-Version von We Happy Few nicht.

Auch wenn ich als Berliner vor Weltoffenheit nur so strotze, gibt es durchaus einige Dinge, die mir sauer aufstoßen. Menschen, die mich kennen, mögen jetzt empört oder gar schockiert sein, aber es stimmt: Ich bin nicht immer und nicht in allen Dingen tolerant. Gerade bei Spielen. Wenn es also zwei Dinge gibt, die ich nicht besonders mag, dann sind das Survival-Titel und Early-Access-Versionen. Ersteres nervt mich, weil die Organisation meines realen Überlebens und die tägliche Balance zwischen Ausdauer, Schlaf, Durst und Hunger so schon schwierig genug ist  das will ich nicht noch für eine Spielfigur übernehmen. Zweiteres, weil ich ungern unfertige Spiele spiele. Besonders, wenn sie mit Ansage unfertig sind. Vor gut zwei Jahren habe ich meine Vorurteile für The Forest abgelegt und wurde mit einem unfassbar gruseligen, spannenden und interessanten Survival-Titel überrascht. Trotz vieler großer und kleiner Updates ist der Titel allerdings zwei Jahre später immer noch im Alpha-Stadium. We Happy Few und The Forest könnten stilistisch nicht weiter voneinander entfernt sein, doch es sind beide Survival-Spiele im Alpha-Stadium. Ich habe es also wieder getan und mich an ein unfertiges Spiel aus einem Genre gesetzt, das ich nicht mag. Immerhin kein Horror.

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We Happy Few spielt in einer dystopischen Version von England, in einer Stadt namens Wellington Wells. Die Bewohner dort pfeifen sich regelmäßig die Droge Joy rein, die, wie der Name es bereits vermuten lässt, allen einen steten Glücksdusel beschert. Der Hauptcharakter Arthur, der beruflich Zeitungsartikel zensiert, stolpert plötzlich über einen Text über ihn und seinen verstorbenen Bruder, was schmerzhafte Erinnerungen aufruft. Statt die Trauer mit einer Pille zu verdrängen, können wir ihn die schmerzlichen Rückblende erleben lassen. Seine Umwelt bemerkt allerdings recht schnell, dass er auf Entzug ist – Downer, wie solche Menschen genannt werden, sind in diesem sozialen Umfeld nicht akzeptabel. Obwohl wir von der Polizei fast niedergeknüppelt werden, gelingt die Flucht aus dem gewohnten sozialen Umfeld und wir wachen in einem kleinen Bunker auf. Dort stehen ein Fernseher, ein Bett und in einer Kammer hängt eine tote Oma. Also eigentlich alles wie bei mir zu Hause.

Einmal aus dem Bunker gekrabbelt, wartet der Garden District auf Arthur und mich. Hier leben die heruntergekommenen Wastrels  die Menschen, die in Wellington Wells kein Joy nehmen. Besonders beneidenswert ist aber auch ihr Zustand nicht, denn ständig sieht man sie weinend und niedergeschlagen durch die Gegend irren. Warum sie keine Pillen mehr nehmen, habe ich bisher nicht rausfinden können. Ein Grund dafür könnte sein, dass die Story-Missionen bislang fehlen. Gerade das lässt sich nicht so einfach verschmerzen, weil We Happy Few und die Spielwelt viel Erklärung bedürfen. Woher kommt die Droge, was hat es mit diesen gruseligen, weißen Masken auf sich und warum will ich eigentlich nach Apple Holm flüchten?

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Ist man eine Weile unterwegs, blinken rasch Hunger- und Durst-Anzeige auf. Wasser gibt es relativ häufig an Wasserpumpen oder als Loot in Kisten. Nahrung allerdings ist schwieriger zu finden, gerade im Anfangsgebiet. Dort häufen sich vor allem die verrotteten Lebensmittel, durch die man prompt mit einer Lebensmittelvergiftung konfrontiert wird. Diese wiederrum wird man ohne die richtige Medizin nicht wieder los. Daneben sagt mir die Ausdaueranzeige, wann es Zeit ist, ins Bett zu hüpfen. In einem recht unübersichtlichen Inventar können dann mit den passenden Zutaten Heilungscremes, Waffen oder andere nützliche Hifsmittel gebastelt werden.

Dieses ständige Mikromanagement und Ausschauhalten nach den Bedürfnissen brachte mich um das anständige Erkunden der Umwelt. Ja, das ist alles Teil der Survival-Mechanik, wirklichen Spaß brachte sie mir aber nicht. Mein erster Spieldurchgang endete, als ich mein Safe-House nicht mehr finden konnte, nachdem ich einen Faustkampf verlor und schließlich in einer Gasse verhungerte. Dank Rewind-Funktion wachte ich kurz darauf erneut im sicheren Bunker auf. Wer härter drauf ist, kann die Permadeath-Option aktivieren und direkt wieder von vorne beginnen. Dank prozedural-generierter Spielwelt werden dabei alle Quest-Standorte und interessante Wegpunkte neu ausgewürfelt und angeordnet. Da ich mein Mobiliar und meinen Controller gerne in einem Stück lassen wollte, habe ich diese Option gar nicht erst ausprobiert.

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In seiner unfertigen Alpha-Version gibt We Happy Few zwar einen ersten Einblick in das, was Compulsion Games mit ihrem Survival-Titel zeigen wollen, ganze ohne Story ist die bisherige offene Welt allerdings zu trist und repetitiv, um Spieler lange bei der Stange zu halten. Selbst mit einer Ladung Joy ist We Happy Few bislang nur mit Vorsicht zu genießen. Gerade die Geschichte interessiert mich nach dem vielversprechenden Intro am meisten. Dass ich nun allerdings ohne wirkliches Ziel durch den Garden District irre, hat mich gleich zu Anfang schwer enttäuscht. Ich bin gespannt, wie die Story noch in das bisherige Konzept integriert wird. Bis dahin allerdings werde ich dem Ganzen noch fern bleiben, denn nur mit Nebenmissionen und einem lahmen Kampfsystem stellt sich keine Freude ein. Da schaue ich nach zwei Jahren Pause lieber noch mal in den Kannibalenwald von The Forest rein.

Veröffentlichungsdatum: Bereits erschienen
Originaltitel: We Happy Few
Plattformen: PC, Xbox One
Genre: Survival
Entwickler: Compulsion Games
Veröffentlicht von: Compulsion Games

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