NBA 2K17

Ball don’t lie

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Ende Oktober beginnt die neue Saison in der NBA und die immer noch frischen Champions aus Cleveland machen sich bereit, ihren Titel zu verteidigen. Bevor es auf dem echten Parkett weiter geht, können Fans und SpielerInnen in NBA 2K17 auf Korbjagd gehen und die neuen Teams ausprobieren. Viel hat sich geändert: Mit Kevin Durant spielt ein ehemaliger MVP bei den Golden State Warriors und mit NORMAN VOLKMANN spielt ein womöglich zukünftiger MVP bei den Toronto Raptors. Letzterer versuchte außerdem herauszufinden, ob NBA 2K17 erneut das beste Sportspiel des Jahres ist oder ob man sich bei 2K auf den Lorbeeren der vergangenen Jahre ausgeruht hat.

Manchmal braucht man Abstand – auch von den Dingen, die man mag. Mir geht das mit der NBA und Basketball so. Die NBA-Saison, die in der Regel immer Ende Oktober/Anfang November beginnt und erst mit den Finals im Juli endet, nimmt viel Platz in meiner Freizeit ein. Spätestens nach dem Draft und den spannenden ersten Tagen der Free Agency bin ich dem Sport allerdings überdrüssig. Ich habe in meinem Kopf keinen Platz mehr für Analysen, Statistiken oder Entwicklungspotentiale. Ich will mit Basketball erst mal nichts mehr zu tun haben. In diesem Sommer war es allerdings gar nicht so einfach, dem ganzen Zirkus zu entgehen. Da waren zum einen die Olympischen Spiele, bei denen auch NBA-Fans auf ihre Kosten kamen – waren doch zahlreiche internationale Teams mit Profis der US-Liga gespickt. Doch viel größer war die Aufregung um Kevin Durant. Der MVP von 2014 und vermutlich einer der Top-5-Spieler der Liga wechselte von den Oklahoma City Thunder zu einem der größten Rivalen und den Vize-Champions, den Golden State Warriors. Ja, die historisch guten Golden State Warriors, die im vergangenen Jahr den Saison-Rekord der Chicago Bulls brachen und 73 Siege in einer Saison einfuhren. Die Medien überschlugen sich, das Internet kotzte in gewohnten Manier vor allem Hass aus und irgendwie ging die Welt doch noch nicht unter. Genau deswegen brauche ich meine Auszeit. Die Auswirkungen des Wechsels von Durant werden wir erst im nächsten Jahr richtig beurteilen können.

NBA 2K17: The Prelude

So richtig Lust auf Basketball bekomme ich in den letzten Jahren eigentlich immer dann, wenn NBA 2K rauskommt. Ein paar Wochen vor dem offiziellen Tip-Off hat man dann nämlich die Möglichkeit, die nahezu kompletten Teams zum ersten Mal so richtig auszuprobieren und die Entwicklungen der letzten Saison auch im Spiel zu spüren. Wie wird sich Steph Curry spielen? Der zweifache MVP, der jüngst seinen eigenen Dreier-Rekord in der Pfeife rauchte, ist inzwischen schon brandgefährlich, sobald er die Mittellinie übertritt. Mit dem Start der neuen Saison heißt es allerdings auch Abschied nehmen. Neben Kobe Bryant, der im letzten Jahr unter großem Tamtam seine letzten Spiele absolvierte, sind auch zwei weitere Legenden ab diesem Jahr nicht mehr dabei. Da wäre zum einem Tim Duncan von den San Antonio Spurs, der heimlich, still und leise im Sommer seinen Abschied bekannt gab. Wie Kobe verbrachte er seine komplette Karriere bei nur einem Team, feierte fünf Meisterschaften und wird als einer der besten Power Forwards in die Geschichte der Liga eingehen. Als Dritter im Bunde verabschiedete sich auch Kevin Garnett nach 21 Jahren aus der NBA. Ich liebte Garnett, er war der Spieler, wegen dem ich überhaupt NBA-Fan wurde (und Dennis Rodman, aber das zuzugeben gibt Abzüge in der Coolness-Wertung). Garnett war nicht nur einer der besten Spieler auf seiner Position, sondern zeichnete sich vor allem durch seine grenzenlose Energie, seine defensive Stärke und vor allem sein loses Mundwerk aus. Seine Mitspieler liebten ihn und seine Gegenspieler hassten ihn abgrundtief.

Eingeleitet wurde NBA 2K17 in diesem Jahr schon eine Woche vor dem offiziellen Release-Termin. Mit „The Prelude“ konnte man nun die College-Karriere des eigenen Spielers vorab spielen und sich dabei für eine möglichst hohe Draftposition empfehlen. Welcher Pick man schlußendlich wurde, war nicht klar und der Cliffhanger der umfangreichen Demo. Außerdem konnte man seinem Spieler schon in diesem Teil des Spiels gestalten. Der Face-Scan, der bei 2K15 erstmals integriert wurde, ist auch in diesem Jahr wieder zurück und wurde auf die mobile App des Spiels ausgelagert. Das macht es zum einen zwar überflüssig, dass man Kinect oder eine PlayStation-Kamera benötigt, wirklich tadellos klappt die Technologie aber auch weiterhin nicht. Meine ersten Versuche schwankten zwischen Horror-Gestalten und Versionen, die mir zwar etwas ähnlich sahen, aber immer auch mit schaurigen Elementen ausgestattet waren: Mal waren die Lippen unnatürlich und gespalten, mal die Augen so weit aufgerissen, dass der Spieler zum einen nicht richtig blinzeln konnte und zum anderen immer aussah, als wäre er wahlweise sehr überrascht oder einfach nur ein riesiger Creep.

Die College-Karriere und damit der Einstieg in MyPlayer ist in diesem Jahr aber sehr gut gelungen. Gerade nach dem furchtbaren Feature-Film, den Spike Lee im Vorjahr auf das Spiel zwang, war ich froh, dass dieses Mal alles etwas normaler und weniger kitschig und dramatisch rüberkam. Ja, Kitsch bleibt auch weiterhin Teil der Story, allerdings trieft sie nicht vor Klischees und lässt den Fremdschäm-Faktor fast gänzlich außen vor. In diesem Jahr holte man erneut Prominenz ins Boot. Schauspieler Michael B. Jordan und Drehbuchautor Aaron Covington (Creed) machen aber eine deutlich bessere Figur als Lee. Jordan spielt den Teamkameraden Justice Young und gibt dem Spieler zum ersten Mal eine Vertrauensperson, jemanden mit dem man auf dem Feld tatsächlich eine Chemie aufbauen kann. Außerhalb von Spielen trainiert man mit seinem Kumpel, der mit deutlich weniger Hype als man selbst in die Liga kam. Er ist ein harter Arbeiter und das ist auch die Erwartung, die 2K vom MyPlayer hat. Training und Spielpraxis neben dem eigentlichen Spiel stehen im Fokus. Kein Wunder also, dass der Modus von Kobe Bryant eingeleitet wird. Bryant war für seinen eisernen Arbeitswillen berühmt und berüchtigt, stellte alles in seinem Leben hinter den Sport, getrieben von dem Streben, immer besser zu werden. Im Spiel allerdings wird der Fokus darauf recht schnell nervig. Nimmt man auch die optionalen Sessions mit, kann man rasch drei Trainingseinheiten am Tag absolvieren. Diese sind anfangs recht abwechslungsreich, auf Dauer aber dennoch dröge. Das Absolvieren optionaler Trainingseinheiten stellt nicht nur sicher, dass man als Spieler besser wird, sondern auch, dass die Beziehung zu Justice tiefer wird. Verpasst man offizielle Teamtrainings, kann der Trainer schnell mal die Einsatzminuten auf dem Feld kürzen.

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Bestimmte Eckpfeiler in der Geschichte des eigenen Spielers stehen fest und werden beispielsweise von den Kommentatoren während eines Spiels immer mal wieder thematisiert. Das birgt allerdings auch wieder etwas Fremdschäm-Charakter. So hat mein Spieler, der den Spitznamen “Pres” (President of Basketball) trägt, mit 14 seinen Vater bei einem Autounfall verloren. Tragisch, definitiv. Wenn ich allerdings an viele Existenzen in der NBA denke, die sich durch harte Jugendjahre kämpfen mussten und deren einzige Rettung der Sport war, entbehrt es nicht einer gewissen Komik, dass dieses Thema bei meinem Spieler immer wieder mit Druck auf die Tränendrüse thematisiert wird.

Viel interessanter ist dabei die Freundschaft und Rivalität mit Justice Young. 2K hat sich dabei von berühmten Duos inspirieren lassen. (Jüngst waren es etwa die Splash Brothers Klay Thompson und Steph Curry der Golden State Warriors, die gegnerische Teams von der Dreierlinie aus das Fürchten lehrten.) Sind beide Spieler eines sogenannten Dynamic Duos auf dem Feld, profitieren sie von einem Attributsboost und rufen bessere Leistungen ab. Im Laufe des Spiels kann man erstmalig zwei Spieler steuern und zwischen Justice und seinem eigenen Athleten wechseln, was anfangs nicht ganz so einfach, später aber durchaus durch einige Highlight-Plays belohnt werden kann. Insgesamt ist die Karriere deutlich geradliniger, aber durch die vielen Trainingseinheiten auch viel grindiger als sie sein müsste. Im Vergleich zum letzten Jahr hat man die erzählerische Komponente stark verbessert, nun leidet allerdings der Spaß am tatsächlichen Ausleben der Karriere etwas.

Der Sammelkartenmodus MyTeam hat eine komplette optische Überarbeitung erhalten. Die Spielmodi dagegen sind im Grunde gleich. Generell wirkt NBA 2K17 deutlich aufgeräumter als die Vorgängertitel. Die Menüs sind nicht mehr so überladen, alles ist ein bisschen hübscher und besser organisiert. In Domination bleibt alles wie gewohnt und man spielt sich mit seiner Fantasy-Mannschaft durch die 30 NBA-Teams mitsamt All-Star Ost und West sowie einem All-NBA-Team. Das macht man im Anschluss mit den von 2K ausgewählten Historic-Teams und darf dabei dann in Erinnerungen schwelgen. Oder sich, wenn man noch etwas jünger ist, fragen, wer zur Hölle alle diese Spieler sind und warum das Gewinnen gegen diese Teams so schwer ist.

Dazu gibt es inzwischen wöchentliche Challenges, durch deren Abschluss man einen sogenannten Token erhält. Erhält man genug dieser Token, wird man mit einer besonderen Spielerkarte belohnt. Das sollte man direkt zu Anfang nutzen, damit man schnell eine halbwegs fähige Truppe aufs Parkett bringen kann. Allerdings sind auch die Spielerkarten in diesem Jahr (noch) nicht unmenschlich teuer. So sind sogar Spieler wie LeBron James und Steph Curry in ihrer aktuellen Version erschwinglich. Unverschämt teuer sind dagegen weiterhin die vorgefertigten Packs mit zufallsgenerierten Karten, die man sich kaufen kann und für die es jede Woche neue, exklusive Spieler zu einem bestimmten Thema gibt. Dabei wurde inzwischen aber auch die Anzahl und Wertigkeit der jeweiligen Packs reduziert – in der Regel gibt es nur noch zwei oder drei unterschiedliche Packs. Knallharte Sammler müssen zum Echtgeld greifen, um eine Chance auf die speziellen Karten zu haben. Das Zusammenstellen absoluter Traummannschaften mit einem Mix aus historischen und aktuellen Stars hat noch lange nicht seinen Reiz verloren.

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Sportspiele müssen sich in jedem Jahr den Vorwurf gefallen lassen, nur wenige lohnenswerte Neuerungen zu bieten. Gerade die Mechanik bleibt ja im Grunde immer gleich. Genau das macht aber NBA 2K mit jedem Jahr besser. Visual Concepts haben sich über Jahre ein Portfolio an Mechaniken, Animationen und Techniken zusammengestellt, die das Basketballerlebnis auf dem digitalen Feld mit jeder Neuauflage noch besser und realistischer werden lassen. Im letzten Jahr wurde ein größeres Augenmerk auf das Pick & Roll gelegt, in diesem Jahr haben die Macher das Gefühl und die Möglichkeiten in der Verteidigung gestärkt. Blocks, Steals und Team-Defensive fühlen sich nicht nur deutlich realistischer an, es macht auch viel mehr Spaß, angreifende Teams zu stören oder Korbleger-Versuche gegen das Brett zu blocken. Nur bei der Verteidigung des Pick & Rolls kann schon mal die komplette Defense zusammenbrechen, wenn der KI-Mitspieler nicht versteht, ob man unter dem Block mitgeht oder den Switch nimmt. Das ist besonders ärgerlich, weil genau dieser Spielzug aktuell von jedem Team in der Liga in irgendeiner Form gelaufen wird. Man merkt schnell: Bei NBA 2K17 kommt es vor allem auf die Nuancen an. Allerdings kann man den Entwicklern auch nicht zur Last legen, dass sie bereits in den vergangenen Jahren jeweils das beste Sportspiel überhaupt geschaffen haben und es jedes Jahr schrittweise verbessern. Denn auch in diesem Jahr ist NBA 2K17 wieder das Sportspiel, das Spielgefühl, Präsentation, Realismus und diverse Arcarde-Modi perfekt zu einem großen Ganzem zusammenbringt. Die Liebe zum Detail ist in jedem Jahr erneut verblüffend – ebenso wie die eingefangene Atmosphäre bei jedem Spiel. Sei es beim 3-vs-3 auf dem Freiplatz oder vor tausenden (digitalen) Fans in den zahlreichen Arenen der US-Teams. Die Krone wird man so schnell nicht hergeben – zum Glück.

Veröffentlichungsdatum: Bereits erschienen
Originaltitel: NBA 2K17
Plattformen: PC, PlayStation 4, Xbox One
Genre: Sport
Entwickler: Visual Concepts
Veröffentlicht von: 2K Sports

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