Mafia III

GTA Light

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Mit Mafia III geht die Serie des organisierten Verbrechens in die dritte Runde, weicht erstmals aber vom Italo-Klischee ab. Es stellte sich vorab dabei nicht nur die Frage, ob Hauptfigur Lincoln Clay sein eigenes Imperium aufbauen können würde, sondern auch, ob Hangar 13 endlich eine interessante, offene Welt schaffen könnte. NORMAN VOLKMANN machte seinen „Geschäftspartnern“ reihenweise Angebote, die sie nicht ablehnen konnten… oder schoss sie über den Haufen, sollten sie es doch wagen.

Wenn Bands ihr drittes Album herausbringen, entscheidet das oft über ihren langfristigen Erfolg oder Misserfolg, sagt man. Make it or break it. Bei Spielen ist es ähnlich: Fulminanter Abschluss einer Trilogie oder überflüssiger Geldmacher, der sich wegen eines großes Namens noch mal ganz gut verkauft, die Fanschar aber eher ernüchtert zurücklässt? Als Mafia III angekündigt wurde, war fast sicher: Nach den vielgelobten ersten beiden Teilen konnte ein dritter Teil kaum mehr enttäuschen. Und: Ein Spiel mit Open World aus dem Hause 2K – da kann ja nichts mehr schiefgehen. Immerhin sollte die Welt auch viel größer sein als beim Vorgänger – und wir Spieler wissen, das ist immer gut. Immer! Wirklich!

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Mafia III beginnt fulminant: SpielerInnen bekommen Zwischensequenzen im Doku-Stil präsentiert, bei denen unterschiedliche Beteiligte vor Gericht oder im Verhör über Lincoln Clay und seinen Aufstieg sprechen. Eine der ersten Geschichten handelt dabei von einem Banküberfall, den Clay mit Komplizen nach seinem Vietnam-Einsatz durchzog. Danach kommt es, wie kommen muss: Verrat, Mord, riesige Narbe am Kopf. Und, wie es sich für einen vernünftigen Videospiel-Helden gehört: Rachelust.

So fulminant der Einstieg, so uninteressant ist die spielerische Fortsetzung der Geschichte. Die Zwischensequenzen bleiben interessant, allerdings findet man sich schnell in einem Strudel repetitiver und fader Missionen wieder. Mehrere Stadtteile sollen also eingenommen werden, damit man den Mafia-Oberboss dort trifft, wo es ihm am meisten weh tut: im Portemonnaie. Die Stadteile werden von Unterbossen geleitet, die man entweder umbringen oder für sich rekrutieren kann. Also ab ins Auto und hin zu einem der, zugegeben, zahlreichen, hübschen Set-Pieces. Wie jüngst Batman oder der Witcher hat auch Lincoln eine Art Detektivsicht, während der die Gegner rot hervorgehoben werden. Diese werden entweder nach und nach still ausgeschaltet oder es wird mächtig Rabatz mit automatischen Waffen gemacht. Der Ablauf der Missionen ist im Grunde immer derselbe und trotz einigermaßen fordernder Schusswechsel macht Mafia III weder etwas neu, noch besser als viele der zahlreichen Third-Person-Shooter, die es aktuell gibt.

New Bordeaux fehlt an viele Ecken und Enden der letzte Schliff. Nicht nur die Gegner-KI, die oftmals blinder als Hans Maulwurf scheint, sondern auch in der offenen Welt an sich. Die Schatten der Fahrzeuge sind krisselig, ständig ploppen Bäume, Fahrzeuge oder Gebäude ins Bild, die Wasseroberflächen gleichen Spiegeln und die Helligkeit reguliert sich je nach Blickwinkel unangenehm selbst. Dabei ist New Bordeaux schön. Die gesamte Spielwelt von Mafia III kann sich sehen lassen: Sumpfgebiete, überflutete Freizeitparks, oder die Szenerie nach Sonnenaufgang, wenn die Sonne den Nebel durchschneidet – all das sorgt für einige visuelle Highlights. Daneben vermittelt auch der vielgelobte Soundtrack und die witzige Radiowerbung (Hallo, GTA) eine Welt, auf die man sich einlassen kann. Schlussendlich ist das aber alles egal, denn die offene Welt in Mafia III ist lediglich Mittel zum Zweck (Hallo, Mafia II). Ein Feature, damit man sagen kann, dass New Bordeaux eben viel größer ist als die Welt aus Mafia II. Und, wie oben schon erwähnt: größer wird auch bei Videospielen noch zu oft mit besser gleichgesetzt, weil… nun, Videospiele.

Was sich allerdings im Vergleich zum Vorgänger in der offenen Welt wirklich getan hat: Es gibt mehr Gegenstände, die eingesammelt werden können. Playboyheftchen, kleine Bilder von (halb-)nackten 1960er-Jahre-Pinups und Plattencover, damit es eben nicht nur nackte Frauen gibt. Damit ist die Open World von Hangar 13 zwar die Antithese zu Ubisofts offenen Welt für Zwangsneurotiker, aber besser ist es am Ende auch nicht. Immerhin erspart es mir das nervöse Zucken, dass ich sonst aufgrund der 70 verschieden blinkenden Icons bekomme.

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Am Ende bleibt Mafia III eine herbe Enttäuschung. Selbst wenn man großzügig über die zahlreichen technischen Mängel hinwegsehen möchte, bleibt die leere Spielwelt, die zwar riesig und an vielen Stellen auch schön anzusehen, schlussendlich aber zu blass bleibt und hinter der Fassade nichts zu bieten hat. Rassenkonflikte respektvoll aber dennoch authentisch in einem Videospiel darzustellen, ist mit Sicherheit keine leichte Aufgabe und auch wenn Hangar 13 keineswegs plump vorgeht, hat die Thematik weniger Einfluss auf die Handlung oder die Spielwelt, als ich es erwartet habe. Lincoln bleibt als Charakter oberflächlich und hat außer Rachelust wenig zu bieten. Wenn auf seine Posttraumatische Belastungsstörung eingegangen wird, die ihn nach seinem Einsatz in Vietnam an einigen Stellen übermannt, kratzt auch das nur an der Oberfläche. Die psychische Erkrankung ist da und das war es dann. Aber guck mal, der Berg dort hinten! Bis dahin kannst du fahren. Cool.

Veröffentlichungsdatum: Bereits erschienen
Originaltitel: Mafia III
Plattformen: PC, PlayStation 4, Xbox One
Genre: Action
Entwickler: Hangar 13
Veröffentlicht von: 2K

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