Anne Blum: “Hasen feiern kein Weihnachten”

Sonnenbrand ist angenehmer

Anne Blum: Hasen feiern kein Weihnachten (Roman)

Tessa und Ole reisen seit ein paar Jahren über Weihnachten nach Thailand. Diesmal kommt aber alles anders und die Protagonistin tauscht Strandcocktails gegen singende Gartenzwerge ein.

Von Angela Stella Hoppmann.

Tessa hat einen ziemlich langweiligen Job. Sie kontrolliert die Synchronstimmen von Hasenfiguren in einer konservativen Kinderserie. Und auch sonst scheint in ihrem Leben nicht viel zu passieren, denn die Protagonistin hat keine grösseren Probleme, als dass sie seit ein paar Jahren die Feiertage mit Weihnachtshasser und Lebenspartner Ole in Thailand verbringen muss, wobei sie der Wärme und den Strandcocktails nicht ganz abgeneigt zu sein scheint.

Die Handlung ist voraussehbar: Tessa wird betrogen und sagt die Reise ab. Stattdessen reist sie zu ihrer Familie nach Kappeln. Hier wird Weihnachten noch so richtig kitschig gefeiert. Der Leser wird dabei nicht mit Beschreibungen verschont. Die Autorin hätte lieber in die Beschreibung ihrer oberflächlichen Figuren investieren sollen.

Des Weiteren ist voraussehbar, dass Tessa hier auf den ehemaligen Klassenkameraden Sven trifft, der früher ein hässliches Entlein war und nun zu einem stattlichen Schwan geworden ist. Kaum, dass sie mit ihm geschlafen hat, steht aber schon Ex-Freund Ole in einem Hasenkostüm unter ihrem Fenster und macht ihr einen Heiratsantrag. Der Stress ist vorprogrammiert und auch nicht besonders überraschend.

 

Figuren, die verboten werden sollten

Tessa macht auf den Leser einen ziemlich oberflächlichen Eindruck. Ihre Sichtweise auf die Welt, ihre Erkenntnisse sind so trivial, dass sie schmerzen. Aber auch die von der Autorin gewählte Sprache ist banal. Der Leser soll mit der Protagonistin Mitleid haben, weil sie seit wenigen Tagen wieder Single ist – und das auch noch kurz vor Weihnachten. Die Autorin lässt mehrere Figuren im Dialog mit Tessa immer wieder fragen, ob sie denn schon verheiratet sei und Kinder habe, um sie noch mehr in die Opferrolle der armen Verlassenen zu drängen. Stattdessen macht sich Tessa beim Leser genau deshalb unsympathisch. Es gibt nichts unattraktiveres als eine Frau, die keine Eierstöcke in der Hose hat und sich und ihr Glück von irgendwelchen Typen abhängig macht. Sympathiepunkte erhält Tessa auch deshalb nicht, weil sie immer wieder betonen muss, wie attraktiv der ehemalige Klassenkamerad Sven ist, obwohl er als Junge eher dick war. Als ob nur schlanke Männer ihrer würdig wären und als ob Dicksein an sich etwas Schlimmes sei. Überhaupt scheint Tessa ein sehr unreflektierter Mensch zu sein. So lässt sie sich von ihrer besten Freundin vorschreiben, wie sie sich ihrem Ex gegenüber zu verhalten hat, ohne selbst zu überlegen, was sie wirklich will, und gibt ihrer eigenen Schwester Susanne, die sie beim Fremdknutschen erwischt, Ratschläge, die mehr wie Moralpredigten wirken, ohne auch nur einen Augenblick lang zu überlegen, ob sie sich nicht in fremde Angelegenheiten einmischt.

 

Kein gelungener Debütroman

Autorin Anne Blum hat Theaterwissenschaften und Literatur studiert, arbeitete erst als Radiojournalistin und schreibt nun Drehbücher für ARD und ZDF. Vielleicht ist ihr Debütroman deshalb so enttäuschend. Der Leser erwartet hier mehr als eine kitschig-oberflächliche Geschichte, in der sich zwei Typen beinahe um eine Frau prügeln und jede Handlung so voraussehbar ist, dass einem der Spass am Weiterblättern vergeht. Blum ist zu wünschen, dass sie in Zukunft von solch veralteten Rollenbildern ablässt und stattdessen wirklich interessante Figuren und moderne Plots entwickelt. Die zahlreichen Fehler im Text auf inhaltlicher und sprachlicher Ebene tragen dazu bei, dieses Buch im nächsten Jahr beim Schrottwichteln anbieten zu wollen.

 

Titel: Hasen feiern kein Weihnachten
Autor: Anne Blum
Verlag: Berlin Verlag Taschenbuch
Seiten: 240
Richtpreis: CHF 13.50

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