Markus Heitz: “Wédōra”

Nicht staubtrocken

Markus Heitz: Wédōra. Staub und Blut. (Fantasy)

Ein edler Dieb, eine herzensgute, einfallsreiche Gesetzeshüterin, ein ungerechter Herrscher und ein Dunkelmagier. Eine unwirtliche Wüste, eine befestigte Stadt voller Verrat und Verbrechen und Wasser, das magische Kräfte verleihen kann. Was braucht es noch mehr für gute Fantasy? Markus Heitz‘ „Wédōra“ überzeugt – nicht zuletzt durch seine atmosphärische Dichte.

Liothan ist ein Holzfäller und Schurke, der die Reichen bestiehlt und den Armen davon abgibt. Er lebt in der Baronie Walfor im Königreich Telonia und plant den Händler Dûrus zu überfallen. Tomeija, die gutherzige Ordnungshüterin, ist seit Kindertagen seine Freundin, warnt ihn davor, doch Liothan lässt sich nicht aufhalten. Als Gesetzeshüterin ist Tomeija gezwungen, gegen ihn vorzugehen. So treffen sie beide bei Dûrus zusammen und ein erster Kampf entsteht. Nein, nicht Halunke gegen Ordnungshüterin. Tomeija und Liothan kämpfen gemeinsam gegen Dûrus, denn dieser ist kein einfacher Händler sondern ein Hexer, der sie töten will. Der Hexer wirkt einen Zauber – und plötzlich ist alles um Liothan herum weg.

Die Wüstenstadt

Getrennt voneinander landen Tomeija und Liothan in der Wüste, finden sich jedoch schnell wieder. Gemeinsam entfliehen sie einem gefährlichen, gerüsteten, skorpionartigen Wesen, das mit heftigen Stürmen reist. Sie treffen auf Krieger aus Sand, die Leute im Schlaf töten und nach einem Amulett suchen, das Tomeija von einer Frau bekommt. Sie finden neue Freunde und einen Weg zur einzigen Stadt, einen Weg zum Wasser, einen Weg nach Wédōra.

Wédōra, die Stadt in der Wüste, ist geschützt durch mehrere Mauern, durch Türme mit Schiessvorrichtungen und durch fliegende Menschen, die jeden möglichen Gegner Wédōras aus der Luft entdecken. Es droht nämlich Krieg mit den Stämmen der Wüste, deren grösstes Heiligtum unter Wédōra liegt: die unerschöpfliche Quelle, die magische Macht verleiht.

Tmoeija und Liothan gelangen mit einem Händler in die Stadt, die hinter ihren Mauern von Intrigen, Verrat und Machtstreben innerlich zerrissen ist. Es dauert nicht lange, bis Liothan im Gefängnis landet und Tomeija unfreiwillig Bekanntschaft mit dem Krankenviertel und dem Vergnügungsviertel macht. Dabei suchen sie nur einen Hexer, der sie wieder nach Hause zaubern könnte.

Bildhafte Sprache

Markus Heitz‘ bildhafte Sprache führt den Leser näher zu den Figuren, lässt ihn an deren Leben teilhaben. Die bildgewaltige Darstellung der Wüstenwelt und der imposanten Millionenstadt Wédōra ruft tausende Bilder wach. Die komplexe vielschichtige Geschichte kommt leicht daher und liest sich – wie bei Heitz üblich – rasch und flüssig.

Orientalisches Flair, pfiffige Händler, Bazare und die in neun Viertel aufgeteilte Stadt bestimmen das Bild von „Wédōra“. Dazu kommen zwei charismatische Hauptprotagonisten, deren Freundschaft auf die Probe gestellt wird. Dabei erinnert die Figur Liothans an Robin Hood, die Landschaft eher an Frank Herberts „Der Wüstenplanet“ oder das darauf aufbauende Computerspiel „Dune“ und die Bazara an „Tausend und eine Nacht“. Alles in allem bietet „Wédōra“ beste Unterhaltung.

Fazit: Eine fesselnde Geschichte über Freundschaft und Abenteuer in einer ungewohnten neuen Welt von Markus Heitz.

 

Titel: Wédōra. Staub und Blut.
Autor: Markus Heitz
Verlag: Knaur
Seiten: 608
Richtpreis: CHF 23.90

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