Flatout 4: Total Insanity

Schrott, Schrott, Hooray

Flatout ist zurück! Nach einem dritten Teil zum Vergessen dauerte es sechs Jahre, bis jemand erneut wagte, der Serie wieder Leben einzuhauchen. Mit abermals neuem Entwickler-Team und Publisher soll zu alter Stärke zurückgefunden werden. Ein ohnehin schwieriges Unterfangen, immerhin erschien das letzte relevante Spiel vor elf Jahren. Wenn sich NORMAN VOLKMANN hinters Steuer klemmt, knallt, zischt und krawallt es gewaltig. Immerhin: Dieses Mal blieb er den realen Straßen fern und bei Fl4tout: Total Insanity wird das ja belohnt.

Als die Meldung kam, dass Flatout einen vierten Teil bekommen würde, wurde ich automatisch skeptisch. Nicht nur, weil der Titel nun “Fl4tout” geschrieben wurde (Zahlen als Buchstaben finden die N3rds ja total gut!), sondern weil der ursprüngliche Entwickler Bugbear Entertainment schon seit Jahren nichts mehr mit der Serie zu tun hat. Diesen Job hat nun Kylotonn übernommen, ein bislang recht unbekanntes, kleines Entwicklerstudio aus Frankreich. Zeitgleich kämpft Bugbear nach einer gescheiterten Kickstarter-Kampagne mit dem geistigen Nachfolger Wreckfest auf Steam um Relevanz. Irgendwie tragisch, aber so läuft es eben manchmal. Flatout 2 auf dem PC und Flatout Ultimate, die erweiterte Xbox-360-Version des Spiels waren seinerzeit meine liebsten Auto-Rennspiele. Selbst Burnout war nicht so bekloppt – wenn auch technisch ausgereifter. Allerdings konnte man dort nicht mit aus den Autos geschleuderten Fahrern Darts oder Bowling spielen. Good Times!

Tatsächlich gibt es bei Flatout 4 auch die Modi, die es vor elf Jahren gab. Und das Spiel spielt sich auch sehr wie Flatout 2, womit das Hauptproblem definiert wäre. Fand man ein Spiel toll und weiß, dass es einen weiteren Teil geben wird, projiziert man Hoffnungen und Erwartungen darauf. Zum einen soll da die Prise Innovation drin sein, ein neuer Twist, zeitgleich darf aber auch der Kern des Spiels nicht verändert werden. Im Grunde ist es für einen Entwickler einfacher, so richtig daneben zu liegen als die goldene Mitte zu finden. Speziell bei einem Publikum, das sowieso dazu neigt, schnell zu mit Superlativen um sich zu schmeißen. Flatout 4 hingegen versinkt in erbarmungsloser Mittelmäßigkeit, die sich verzweifelt an Nostalgie klammert. Dabei wäre der Zeitpunkt für einen Titel wie Flatout perfekt.

Erinnerungen trügen, schon klar. Wenn ich Flatout 4 auf der Xbox One starte, bin ich davon überzeugt, dass sich an der Grafik seit dem zweiten Teil nichts getan hat. Das ist Quatsch, da spielen mir die Erinnerungen einen Streich. Das macht das Spiel aber auch nicht hübscher. Immerhin: Die zerstörbare Umgebung sorgt für diebische Freude, wenn man mit Höchstgeschwindigkeit durch Hindernisse ballert und um das Fahrzeug herum alles durch die Gegend fliegt. Auch der Flatout-Modus ist zurück. Hierbei gibt es wieder Minispiele, deren Ziel es ist, den Fahrer mit größtmöglicher Wucht aus der Windschutzscheibe des Autos zu katapultieren. Dabei feuert man den armen Tölpel entweder in überdimensionierte Pappbecher oder zerstört gebäudeähnliche Objekte. Auf einer Was-unbedingt-in-Flatout-reinmuss-Liste absolut unumgänglich. So richtig zünden will aber auch das nicht.

Im Karriere-Modus rast man um den ersten Platz in mehreren Rennen, um einen Gesamtsieg zu erreichen. Dafür gibt es Bares, damit der Fuhrpark ausgebaut oder Fahrzeuge aufgewertet werden können. Dabei fährt man durch sonnige Waldgebiete, staubige Wüsten oder graue Industriegrundstücke. Von den einzelnen Strecken gibt es immer wieder unterschiedliche Varianten. Auch hier bleibt vor allem die Ähnlichkeit zu Flatout 2 im Hinterkopf.  Die Fahrzeuge, die zu Beginn zur Auswahl sehen, können je nach Spielvorliebe gewählt werden. Leichte Fahrzeuge, die schnell beschleunigen, aber deren Höchstgeschwindigkeit eher mittelmäßig ist, schwere Karossen, die langsamer beschleunigen, aber besser auf der Strecke liegen und die Konkurrenz mit beherzten Rammmanövern von der Strecke pusten können. Besonders geärgert hat mich dabei die Steuerung der leichten Varianten: Fahre ich mit meinem kleinen Jeep mit Höchstgeschwindigkeit auf einer geraden Strecke über Schienen, hebt das Teil auf einmal ab und überschlägt sich wild in der Luft.

Flatout 4 ist kein schlechtes Spiel, das Problem ist eher, dass es selbst vor drei Jahren in dieser Form kein gutes Spiel gewesen wäre. Alles, was es gut macht, sind Reste der Serienvorgänger. Es fehlt die Eigenständigkeit, die eigenen Ideen. Es ist das, was inzwischen dabei rauskommt, wenn alte Lizenzen übernommen und moderne Kopien von dem entwickelt werden, was mal angesagt war. Nostalgie bei Spielen ist oft nicht mehr als auf Nummer sicher zu gehen. Nicht anecken, Erwartungen erfüllen – Flatout 4 ist ein Best-of davon. Gut genug, um nicht schlecht zu sein, aber zu uneigenständig für echte Relevanz.

Veröffentlichungsdatum: Bereits erschienen

Originaltitel: Flatout 4: Total Insanity

Plattformen: PlayStation 4, Xbox One

Genre: Rennspiel

Entwickler: Kylotonn

Veröffentlicht von: Bigben Interactive

2 Gedanken zu „Flatout 4: Total Insanity

  • 03.05.2017 um 12:11
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    Ganz gut getroffen. Was im Detail stark zur Mittelmäßigkeit beiträgt, ist die mittelmäßige Physikberechnung.
    Es gibt mehr das Gefühl, von zornigen Bleiklötzen auf seifigem Untergrund gezogen zu werden, als tatsächlich mit schweren V8 Motoren durch den Matsch zu fahren.

  • 03.05.2017 um 12:21
    Permalink

    Absolut. Gerade wenn du mit den leichten Fahrzeugen fährst, wird das schmerzhaft bemerkbar, wenn die ohne offensichtliche Einwirkung quer durch die Luft geschleudert werden.

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