Lucy Hounsom: “Naris”

Erfrischend anders

Lucy Hounsom: Naris. Das Schicksal der Sterne (Fantasy)

Die junge Kyndra – eine Sternengeborene – reist mit einigen Magiern ins unbekannte Nachbarland Acre, um den Frieden für ihre Heimat zu sichern. Doch in Acre regt sich Widerstand gegen das eigene imperiale Regime. Verschiedene Gruppierungen versuchen an die Macht zu gelangen und Kyndras Hoffnung auf ein Bündnis schwindet je länger desto mehr.

 

Durch den Tod des letzten Sternengeborenen kehrte das seit 500 Jahren verschollene Nachbarland Acre zurück an Rairams Grenzen. Nun macht sich Kyndra, die neue Sternengeborene, zusammen mit einigen Mond- und Sonnenwirkern auf den Weg nach Acre, um ein Bündnis zu schliessen. Die einst übermächtige imperiale Streitkraft Acres wird gefürchtet, Frieden wird angestrebt.

Im Nachbarland erleben Kyndra und ihre Gefährten diverse Überraschungen. Sie werden als „Abnormitäten“ gefangengenommen, da sie Magie wirken können. Rebellen befreien sie, wollen sie jedoch zu ihren eigenen Zwecken nutzen. In der Wüste begegnen sie schliesslich Char, einem Verletzten mit schwarzem Blut und gelben Augen, den sie retten. Und dann sind da auch noch die Khronostianer – ein Volk, das die Zeit manipulieren kann. Und die sind auf der Suche nach Char, da er die Reinkarnation ihres früheren Anführers sein soll.

 

Magie

Die Magier in „Naris“ – Wirker genannt – sind abhängig von der Kraft der Sonne beziehungsweise des Mondes. Steht das entsprechende Gestirn nicht am Himmel, sind sie einfache Menschen ohne magische Kräfte.

Kyndra wirkt derweil keine Magie. Sie ist eine Sternengeborene, d.h. ein Avatar für die Sterne. Da sie jedoch nicht bereit ist, sich selbst, ihre Menschlichkeit und ihre Erinnerungen aufzugeben, kann sie die Macht der Sterne nur sehr begrenzt für sich nutzen. Die Sterne ergreifen vielmehr Besitz von ihr und sie hat Mühe, die Kontrolle zu behalten.

 

Ungewohnt – gewohnt

Auch in „Naris“ gibt es die übliche Fantasy-Konstellation: Ein junger Aussenseiter erhält eine (fast) unlösbare Aufgabe, von der die Existenz der ganzen Welt abhängt. Dabei unterstützen ihn Verbündete; Feinde erschweren die Prüfungen. Es gibt diverse Kämpfe, die Probleme und Prüfungen werden immer grösser. Im richtigen Moment bekommt der Held jedoch immer Hilfe. Allerdings wird dieses altbekannte Schema durch neue Ideen und eine bestechende Geschichte aufgewertet.

Speziell ist die Art, wie die magischen Kräfte wirken, wie sie eingesetzt werden. Auch ist Kyndra kein naiver, unbedachter Held, der sich weigert, seine Aufgabe anzunehmen. Vielmehr ist sie eine kluge, junge Frau, die den Wunsch hegt, sie selber bleiben zu können. Nicht nur Kyndra, sondern auch die anderen Figuren werden von Lucy Hounsom sehr überzeugend geschildert. Jede wichtigere Figur weist charakterliche Tiefe auf, hat eine Vorgeschichte. Keine ist einfach nur gut oder nur böse.

„Naris“ überzeugt durch erzählerische Dichte, durch einen gut durchdachten Weltentwurf und Details, die überall zu entdecken sind und das Lesen zum Erlebnis machen.

 

Titel: Naris. Das Schicksal der Sterne (2. Band)
Autorin: Lucy Hounsom
Übersetzerin: Barbara Röhl
Verlag: Piper
Seiten: 528
Richtpreis: CHF 23.90

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