Rime

Ständig auf der Suche

Videospiele, die abseits von Bombast und knackigen Dubstep-Trailern ihre Stärken wissen, finden immer häufiger ihren Weg in den Mainstream und auf die Heimkonsolen. Mit Rime schickt sich ein weiterer Titel an, das Herz von Spielern zu erobern – komplett ohne Kämpfe, dafür mit Puzzle- und Plattformer-Elementen sowie einer gehörigen Portion Melancholie. NORMAN VOLKMANN war vom Grafikstil und dem kleinen Fuchs aus dem Trailer so angetan, dass er bei dem Indietitel unbedingt RIMEschauen musste.

Ein Junge liegt am Strand einer malerischen Insel. Die Wellen krachen, die Möwen kreischen und die Sonne steht hoch am Himmel. Wie der Junge dort am Strand gelandet ist, weiß ich zu diesem Zeitpunkt nicht. Ich bin anfangs aber auch einfach so mitgenommen – von der Schönheit der Insel und der blauen Farbe des Meeres. Ich schaue mich um, finde eine kleine Höhle und merke, dass der namenlose Junge klettern kann. Per Knopfdruck summt er auch leise vor sich hin. Es dauert nicht lange, und ich finde eine Vase mit leuchtenden Emblem. Ich versuche, wieder zu summen, doch der Junge schreit auf einmal – die Vase zerbricht. Wem die Vase wohl gehört und ob das Zerbrechen ebenjener später vielleicht zu einem Problem wird, ist ungewiss. Also schnell weg!

Nachdem ich etwas tiefer in die Insel vorgedrungen bin, entdecke ich, dass das Schreien des Jungen mir beim Vorankommen auf der Insel eine große Hilfe ist. Leuchtende Statuen reagieren auf meine Laute und öffnen Türen, Malereien an Wänden erleuchten beim Gesang und zeigen mehr als auf den ersten Blick erkennbar ist. Vor allem visuell ist Rime in seiner Simplizität wunderschön. Die mächtigen, weißen Türme der mysteriösen Schlossstrukturen beeindrucken von Beginn an. Die Inszenierung von bestimmten Blickpunkten gelingt Rime immer wieder eindrucksvoll, seien es die massiven Bauwerke und Kleinigkeiten in der Ferne, die man beim flüchtigen Streifen des Blickes beinahe übersieht. Gerade anfangs wiegt mich die verträumte und bunte Spielwelt in Sicherheit. Als ich zum ersten Mal die Figur im roten Mantel sehe, läuft mir dann aber doch ein kalter Schauer über den Rücken.

Die größten Einflüsse von Rime sind leicht auszumachen: Etwas Journey hier, ein bisschen The Last Guardian da und vor allem grafisch etwas Breath of the Wild. Speziell die ersten beiden Titel legen die Latte extrem hoch. Und auch wenn Rime die Exzellenz beider nicht erreichen kann, ist die Reise auf der Insel und durch Tempel durchaus bewegend. Mir fehlt vor allem die emotionale Bindung zum Fuchs. Dieser ist niedlich, doch er erfüllt lediglich den Zweck eines Wegweisers. Er bellt und leitet den namenlosen Jungen in die richtige Richtung – die meiste Zeit sehe ich ihn allerdings nur aus der Ferne. Trico dagegen war der Dreh- und Angelpunkt bei The Last Guardian. Er war mehr als nur ein knuffiges Tierchen, sondern der zweite Charakter, mit Stärken, Schwächen und eigener Personalität. All das fehlt dem Füchschen. Gleiches gilt für die Gebäude und Mechaniken. So schön sie anzusehen sind, es fühlt sich nicht so an als wäre hier viel passiert, als würden die Gemäuer Geschichten erzählen können. Die zuvor genannten Titel schafften das mit einer Leichtigkeit, die Rime nicht so einfach für sich beanspruchen kann.

Auch wenn Rime für mich nicht an die Klasse von Last Guardian, Firewatch oder Journey herankommt, so war es für mich – speziell nach dem Spielen von Prey – die perfekte Ablenkung. Selbst im zweiten großen Abschnitt und mit der ständigen Gefahr aus der Luft war die Reise mit dem namenlosen Junge eine entspannte. Kein Aufleveln von Fähigkeiten, keine erzwungenen Verbessern von Equipment und vor allem kein Kampf gegen gesichtslose Gegner. Rime begleitet SpielerInnen mit einem unaufdringlichen Soundtrack und lässt die Schwere seine Geschichte lange nicht ins Spiel vordringen. Der Fokus lag vielmehr auf der Reise des Jungen und die Verbindung, die man mit ihm und seiner Geschichte aufbaut. An einigen Stellen hätte ich mir allerdings während des Spiels weniger Symbolik und mehr Klarheit gewünscht. Bis zu den letzten Szenen ist die Motivation des Jungen nicht klar, wird dann aber mit dem emotionalen Vorschlaghammer aufgelöst. Dennoch bleibt der Titel im Kern ein bewegendes Abenteuer, dessen Interpretation ganz dem Spieler überlassen wird. Ich bin mir sicher, dass bei einem zweiten Durchlauf und mit dem Wissen vieler Dinge auch mehr Klarheit in die einige Abläufe kommt.

Veröffentlichungsdatum: Bereits erschienen
Originaltitel: Rime
Plattformen: PC, PlayStation 4, Xbox One, Nintendo Switch
Genre: Adventure/Puzzle
Entwickler: Tequila Works
Veröffentlicht von: Grey Box / Six Foot

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.