Persona 5

Der japanische Thron-Anwärter

Ist der Atlus-Titel das beste JRPG aller Zeiten?

Nach nun mehr als sechs Jahren Entwicklungs- und acht langen Jahren Wartezeit stellt sich Persona 5 der Welt als neuer Teil des Franchises vor. Die Latte liegt hoch. Persona 4 Golden, die überarbeitete Version von Teil 4, hat einen metacritic.com Score von 93 von 100 über insgesamt 61 Kritiken weltweit abgesahnt. Damit hat es die besten Wertungen für ein JRPG seit 12 Jahren und Final Fantasy IX bekommen. Am Rande, Final Fantasy IX ist mein am meisten wertgeschätztes Spiel aller Zeiten. Als ich schließlich vor geraumer Zeit mit Persona 4 Golden in Berührung kam, hat mich dessen authentisch-japanische Spielwelt in Verbindung mit einer einfallsreich-wahnsinnigen Parallelwelt begeistert. Inwiefern kann der neue Titel der Persona-Reihe dort anknüpfen und den entsprechend hohen Erwartungen der SpielerInnen gerecht werden, fragt sich STEFANIE MARX.

Kurzum Persona 5 macht (fast) alles richtig. Dazu beigetragen hat sicherlich auch die Entscheidung des Entwicklerstudios Atlus’ auf die geballte Erfahrung und Kompetenz etablierter Produzenten, Charakter-Designer und Komponisten früherer Teile zurückzugreifen. Spieler, die den vergangenen Titel spielten, werden sich schnell zurecht finden mit dem an sich etwas unkonventionellen Gameplay der Serie. Anders verhält es sich mit dem Erzähltempo. Gleichwohl die Story von Beginn an viel Tiefgang vermuten lässt, so entwickelt sie sich nur langsam. Der Spannungsbogen in Persona 5 ist um ein Vielfaches flacher im Vergleich zu dem Vorgänger. Das ist besonders schade, weil die Story das Herzstück des Spielerlebnisses darstellt.

Was macht Persona 5 dann so verdammt gut? Zum einen übertrifft es technisch die Vorgängerversionen. Ganz wie erwartet. Jedoch erfolgt die Einschätzung weniger in Hinsicht allgemeiner Grafik, denn da fällt schwer ins Gewicht, dass man ursprünglich für die PlayStation 3 entwickelt hat und erst später im Entwicklungszyklus auf die neue Konsolengeneration baute. Vielmehr ist es der Grad an Detaillierung und das fantastisch authentisch abgebildete Tokioter Großstadtleben, welches begeistert. Es fühlt sich derart echt an, wenn der Protagonist zum ersten Schultag den Weg durch den Subway-Dschungel zum Schulgebäude irrt. Man fühlt sich mit ihm verloren. Die Lautstärke an den Subway-Stationen, die Enge in den Bahnen, die Suche nach dem richtigen Weg zum Umstieg, die Stationsansagen und -geräusche und schlussendlich die Suche nach dem richtigen Ausgang aus einer Vielzahl von Ausgängen. Ähnlich verhält es sich mit weiteren öffentlichen Plätzen. Es gibt da die abgeschiedenen Seitenstraßen, in der die Großstadt unendlich fern erscheint. Und gegensätzlich dazu Shibuya-Crossing, die geschäftigste Kreuzung der Welt, in der auf magische Weise keine Menschen ineinander laufen, trotzdem diese Kreuzung jede 30 Sekunden bis zu 2.500 Menschen überqueren.

So authentisch das japanische Großstadtleben grafisch aufbereitet ist, so kraftvoll sind die Begegnungen mit anderen Spielcharakteren. Persona 5 lässt sich darum auch als eine Mischung aus charmant verquasselter Freizeit-Novel und Freizeit-Simulator beschreiben. In der knappen Zeit nach der Schule und abends gilt es, die optimale Zeitverteilung zwischen Treffen mit anderen Kids, Teilzeit-Jobs und dem Einreißen entarteter Schattenwelten von Unterdrückern und Kriminellen zu finden. Letztere gestalten sich als Dungeons, in denen man sich mittels rundenbasierten Kämpfen bis zum Endboss durchschlägt. Die Hintergrundgeschichten und deren Ausgestaltungen überschlagen sich in ihrer Skurrilität geradezu. Am Ende besticht das Spiel mit einer trefflichen Balance aus spielerischen Fortschritt und der Freude, die man gewinnt, ins Herz geschlossene Charaktere, mit ihrer mitunter ganz eigenen Geschichte, näher kennen zu lernen.

 

Veröffentlichungsdatum: Bereits erschienen

Originaltitel: Persona 5

Plattformen: PlayStation 4, PlayStation 3

Genre: Japanisches Rollenspiel (JRPG), Social-Simulation

Entwickler: Atlus

Veröffentlicht von: Atlus/Deep Silver

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