E3 2017 – unser Fazit

The Best, the Worst, and the In-Betweens

Endlich wieder “Light”messe.

Ganz erschöpft von der Sommerhitze trafen sich dieses Jahr lediglich NORMAN VOLKMANN und RUDOLF INDERST, um ein wenig für die Redaktion über die diesjährige E3 in Los Angeles zu sprechen.

Norman (Senior Strategic Business Analyst)

Vorbei sind die Zeiten, an denen die E3 durchweg einen Kracher nach dem anderen bringt. Oder bin ich einfach viel schwerer zu beeindrucken? Man wird ja auch nicht jünger. Auch wenn es insgesamt weniger belanglose Entwickler-Vorträge, die mit zitternder Stimme und dem gewohnten Überfluss an Superlativen und Gaming-Buzzwords vom Prompter abgelesen wurden, wirklich beeindruckt hat mich wenig. Es ist sogar so schlimm, dass ich mich über ein Remake am allermeisten freue. Ach, Shadow of the Colossus <3. Ansonsten erinnere ich mich mit schamhafter Gänsehaut an Shigeru Miyamoto und Yves Guillemot, die unangenehm breit grinsend mit kleinen Plastikpistolen auf der Bühne herumschwingen und dabei ein Mario-Häschen-Spiel vorstellen. Uff.

Der E3 und vielen vorgestellten Spielen fehlt es an Charakter. Assassin’s Creed, Teil 57, der nächste Online-Shooter, der nur als Konzept cool ist  (Hi, Destiny) und schon wieder unzählige Titel mit Zombies. Hilfe.  Jaja, Anthem von EA sieht wirklich schön aus, aber man steuert schon wieder irgendwelche gesichtslosen Blödel-Exosuits (damit es wirklich austauschbar aussieht – aber guckt mal, das Auge leuchtet so stylisch) durch viel zu große Open-World-Gehege. Das interessiert mich nicht. Ich will wissen, warum mir das Spaß macht? Weil ich da nach 400 Stunden immer noch nicht alles gesehen haben? Ich wiederhole ich: Das interessiert mich nicht. Und ja, ich werde Wolfenstein II spielen. Der Vorgänger war knackig, bot eine interessante Geschichte und war wunderbar abgedreht. Aber es bleibt ein stinknormaler Shooter. Bei Sony gibt es zwar neue IPs, aber: Days Gone sieht aus wie The Last of Us mit Bikern. God of War sieht aus wie Horizon. Detroit: Becoming Human sieht steriler aus als ein Krankenhaus. Uncharted, naja – ist eben Uncharted. Lediglich Nintendo zeigte mit Mario Odyssey, dass sich eine Franchise doch zu einem gewissen Maß neu erfinden kann. Aber lohnt sich dafür der Kauf der Nintendo Switch? Immerhin kommen ja auch neue Kirby- und Yoshi-Titel. Und Pokémon. Irgendwann.

Und Microsoft? Die kündigen eine 4K-Konsole an, schmeißen erneut mit den berüchtigten sechs Teraflops um sich und bieten genau keinen Grund an, die Xbox One X nun kaufen soll. Forza 7? Sea of Thieves? Crackdown? Bitte. Es ist langsam unheimlich, wie uninteressant die Exklusivtitel von Microsoft sind. Hier und da ein Indietitel wie The Last Night oder Cuphead – klasse. Aber dann ist 4K nichts weiter als Gimmick. Die ganze Hypemaschine schlägt bei mir inzwischen nur noch selten an. Ich habe einfach keine Geduld mehr, mich aufgrund von vagen Trailern langfristig auf Spiele zu freuen. Schlimmer als das ist eigentlich nur die Berichterstattung, die mehrminütige Trailer durch wilde Interpretationen und Mutmaßungen noch weiter aufbläht und am Ende einfach nur etwaige Potentiale feiert.

Rudolf (Head of Digital Transformation Unit GSA)

Schaffen wir kurz einmal den Elefanten aus dem Raum. Ja, ich arbeite bei Koch Media und damit auch Deep Silver. Ja, da war dieses Metro Exodus. Ja, ich finde es ziemlich packend. Okay? Okay…dann hört jetzt aber auch ein Gesicht zu ziehen wie PS-Vita-BesitzerInnen nach der Sony Pressekonferenz. Hihi. Das war witzig. FAST so witzig: US-Presse-Outlets, die über eine “übervolle E3” klagen und noch in Köln dabei waren. Ihr Würstchen, Ihr armen, armen Würstchen. Worüber ich nichts sagen kann: Alles, was mit Xbox One X und – schon älter – PS4 Pro zu tun hat. Schließlich lasse ich mich ohne 4K-TV doch nicht vorführen und demütigen!

Was bleibt dann noch? Vielleicht…Trailer? Also, nicht diese 20-minütigen-Gameplay-Gigantoiden. Ernsthaft – schaut die jemand von Euch an? Schreibt uns doch in die Kommentare, warum Ihr das….just kiddin’ – Kommentare hat uns doch auch noch nie jemand unter die Artikel gesetzt. Ihr undankbaren, unpolitischen Gaming-Kobolde. LeserInnen beschimpfen – das kann er, der eingebildete Gockel. Macht mal lieber das Licht aus und seht Euch den The Crew 2 Cinematic Trailer auf einem großen TV an. Nicht mein Genre, nicht mein Spiel, aber Inception auf 21:9 geht immer. Oder lieber “etwas” “tiefenpsychologisch”? Dann hereinspaziert bei THE EVIL WITHIN 2. Soviel Schuld. Soviel Sühne. Fehlt nur noch ein karger Baumstumpf, der im Grunde der verletzten Seele die Angst vor Kastration darstellen soll.

Bank, sichere: Wolfenstein. Und vielleicht bekomme ich jetzt bei Anthem, was mir The Division oder Destiny nicht geben wollten? Und sonst? Freilich: Ph’nglui mglw’nafh Cthulhu R’lyeh wgah’nagl fhtagn! Cthulhu oder die Hoffnung auf eine Adaption stürbt zuletzt! Ach, und endlich gibt es auch einen Trailer, den ich gerne meinen Eltern zeige, um zu erklären, in welcher Branche ich arbeite: AGONY Floating Forest Gameplay.

 

(Bild: offizielle E3-Website)

Rudolf Inderst

*1978 in München. Studierte Poltikwissenschaften in München und Kopenhagen. Arbeitet aktuell an seiner zweiten Dissertation. Übernimmt Verantwortung als Ressortleiter für digitale Spiele hier bei nahaufnahmen.ch. Holt sich blaue Flecken im Krav Maga. Liebt Stanislaw Lem, Hörspiele und Podcasts. Spielt Videospiele seit etwa 35 Jahren. Trägt gerne Bart.

Ein Gedanke zu „E3 2017 – unser Fazit

  • 25.06.2017 um 10:17
    Permalink

    Selber Kobold, du Helles im Wunderland!

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