Yooka-Laylee

Mit Flattermann und Reptil in die Vergangenheit

Echse und Fledermaus sind ein ebenso ungleiches Paar wie Bär und Vogel vor knapp 20 Jahren. Mit dem grundverschiedenen Duo wollen die Entwickler-Überbleibsel von Rare unter neuem Namen an alte Erfolge anknüpfen. NORMAN VOLKMANN hat beim Spielen von Yooka-Laylee erneut festgestellt, dass Erinnerungen trügen und Nostalgie immer ein zweischneidiges Schwert ist. Außerdem: Er kichert immer noch über jeden Wortwitz, egal, wie schlecht er sein mag.

Entwickler neigen dazu, SpielerInnen genau die Karotte vor die Nase zu halten, die in grauen Vorzeiten mal so lecker war. „Kennste, kennste?“ -„Ja, verdammt! Gib, gib, gib!“ Das war auch das Erfolgsrezept für Playtonic Games – ein Entwicklerstudio, das im Grunde aus den Verstoßenen und Übriggebliebenen von Rare besteht. Damals, als Rare noch etwas hermachte – als man mit Donkey Kong Country auf dem SNES revolutionierte oder ein paar Jahre später mit Banjo-Kazooie einen 3D-Platformer entwickelte, der viel besser war als Super Mario 64 auf Augenhöhe begegnete. Im Grunde war das ja nur die Spitze des Eisbergs. In den 1990ern war Rare ein solche Größe, dass Microsoft das Studio 2002 für knapp 400 Millionen Dollar kaufte. Mit Kameo, Perfect Dark und etwas später Viva Piñata, hatte das Studio auch auf der Xbox noch einige Spielerlieblinge entwickeln können, einen ähnlichen Status wie in den Jahren zuvor erlangte Rare allerdings nicht mehr.

Doch was machen, wenn man als Entwickler weder die Rechte an alten IPs hat, noch den alten Studionamen verwenden darf? Richtig, Kickstarter und dort auf Erinnerungen pochen. Wenn Kickstarter im Zusammenspiel mit Videospielentwicklern eines gezeigt hat, dann dass Nostalgie immer funktioniert. Dessen waren sich auch Playtonic bewusst, als sie „Project Ukulele“ ankündigten und etwas später Yooka-Laylee als finalen Projektnamen enthüllten. Die eklatante Ähnlichkeit des Schriftzugs zu Banjo-Kazooie war dabei gewiss kein Zufall. Full disclosure: Mich hatten sie damit sofort, und ich erzählte jedem, wie großartig dieses Spiel werden würde, von dem ich bis zu diesem Zeitpunkt nur Charakterzeichnungen und erste Screenshots gesehen hatte. Sogar Grant Kirkhope, der damals für den wundervollen Soundtrack von Banjo verantwortlich war, war wieder am Start. Die Kickstarter-Kampagne ging erfolgreich zu Ende und das Spiel kam mit einem knappen halben Jahr Verspätung im Frühling endlich auf den Markt. Es war das erste Spiel, das ich seit Dead Island (fragt nicht) vorbestellte. Wenn es auch nur im Ansatz wäre, wie ich Banjo-Kazooie erinnere, konnte es nur ein absoluter Volltreffer werden. Im Grunde ist es genau das: Banjo-Kazooie mit einem neuen Skin. Ein absoluter Volltreffer allerdings weniger.

Ich habe eine ganze Weile gebraucht, um diesen Text zu schreiben. Ich habe auch eine ganze Weile gebraucht, um mir einzugestehen, dass Yooka-Laylee eben nicht das ist, was ich erwartet hatte. Und ich bin immer noch hin- und hergerissen, das an einem oder mehreren Punkten direkt festzumachen. Wer Banjo-Kazooie mochte, wird direkt in die warme Umarmung der Nostalgie eingeschlossen. Die Auswahlbildschirme der drei Speicherstände sind kurze, witzige Szenen, es gibt keine Sprachausgabe – viel mehr geben die Charaktere nur kurze aneinandergereihte Laute von sich und alle Gegenstände, mit denen man interagieren kann, bekommen immer noch kleine Glubschaugen angeheftet. Der Bösewicht hat einen Handlanger und versucht im ganzen Spiel, nur seine Unfähigkeit zu überspielen, was für einige Schmunzler sorgen soll. Die Hauptaufgabe von Yooka und Laylee, den beiden Hautfiguren des Spiels ist es, Pagies – also Bücherseiten – einzusammeln. Bösewicht Capital B (eine Biene, get it?) will alle Literatur auf der Welt einsaugen und daraus Profit machen. So weit so uninteressant, aber darum geht es ja nicht. Es geht ums “jumpen und runnen”. Und das können Yooka und Laylee. Allerdings hatte ich schnell das Gefühl, dass 3D-Platformer im Jahr 2017 hart gelitten haben, denn die schwammige Steuerung und die teils wirklich fürchterliche Kamera war selbst auf dem Nintendo 64 schon nicht mehr akzeptabel. Besonders während kleiner Wettrennen oder in einer finsteren Höhle, die präzise Steuerung voraussetzte, war ich drauf und dran, den Controller in Höchstgeschwindigkeit mit meiner Wand bekannt zu machen. Abseits von Hauptbösewicht und den beiden Helden sind die Charaktere knallig und bunt, allerdings wenig divers oder interessant. Trowzer, eine… nun, Hosenschlange lehrt in jedem Level neue Moves und Tricks. In jeder neuen Welt gibt es weitere Charaktere, die mit Aufgaben aufwarten und an vergange Heldentaten von Rare erinnern sollen. So können sich Echse und Fledermaus in andere Formen verwandeln lassen und machen als Blume oder Segelboot die Gegend unsicher. Im Gegensatz zu Banjo-Kazooie, die zwischenzeitlich auch als Waschmaschine unterwegs waren, fühlt sich diese Idee deutlich aufgesetzter an.

Die größte Kritik an Yooka-Laylee ist, dass es sich zu sehr auf die Vergangenheit verlässt. Es ist bei Weitem keine Weiterentwicklung von dem, was die Entwickler damals mit Banjo-Kazooie geschaffen haben. Es ist viel einfacher: Nur eine Kopie von dem, was Fans früher so an dem 3D-Plattfomer schätzten. Yooka-Laylee zeigt eindrucksvoll, wie schwer es Nostalgie Spielen machen kann. Hier ist so vieles gleichgeblieben, das einfach nicht mehr zeitgemäß ist. Das ständige Gesammel von zahlreichen unterschiedlichen Einheiten ist zwar etwas, das sich auch heutzutage durch viele Spiele zielt, aber war gleichzeitig eine Kritik, die Rare sich schon bei Banjo-Tooie anhören musste. Gleiches gilt für die viel zu großen Spielwelten, denen es auch den kleinen Versionen (jede Welt lässt sich durch den Einsatz von Pagies vergrößern) an ikonischen Ecken und Kanten fehlt. Ist man ganz ehrlich mit sich selbst, ist dieser Verlass auf das Gewesene aber nicht nur die Schuld der Entwickler. Denn gerade Projekte bei Kickstarter verlassen sich nicht nur finanziell auf den Kunden. Mich hat die Vorstellung einer 1:1-Kopie von Banjo mit neuen Charakteren gereizt, und ich war mir sicher, dass es genau das ist, was ich wollte. Und dass es zahlreichen anderen Menschen genauso ging, zeigt auch der außerordentliche Erfolg des Projekts, das mehr als 3 Millionen Pfund einsammeln konnte. Obwohl Yooka-Laylee kein schlechtes Spiel ist, es wird auf Ewigkeiten im Schatten seines spirituellen Vorgängers stehen. Zu mehr reicht es eben selbst bei gut gefälschten Kopien nicht.

Veröffentlichungsdatum: Bereits erschienen
Originaltitel: Yooka-Laylee
Plattformen: PC, PlayStation 4, Xbox One, Nintendo Switch
Genre: 3D-Platfomer
Entwickler: Playtonics Games
Veröffentlicht von: Team17

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