Uncharted: The Lost Legacy

Kein Drake, kein Problem

Was Nathan Drake kann, können Chloe Frazer und Nadine Ross schon lange. Sie treten in Uncharted: The Lost Legacy das Erbe des nunmehr ikonischen Schatzjägers an und stehen dem Vorgänger in nichts nach. NORMAN VOLKMANN hat sich nicht nur in die offenste aller Uncharted-Welten getraut, sondern er hat sich auch nicht an den 4K-HDR-Desktophintergründen sattgesehen, die auch Lost Legacy wieder in Fülle bietet.

Uncharted: The Lost Legacy ist der erste Teil der Reihe, der zwar ohne Nathan Drake auskommt, aber sich dennoch wie ein Best Of der Reihe spielt. Auf der einen Seite großartig, denn es kann mit Fug und Recht behauptet werden, dass die bisherigen Uncharted-Teile allesamt Highlights der Sony-Konsole waren. Dennoch – wer Uncharted kennt, wird von Lost Legacy zu keinem Zeitpunkt überrascht werden, dafür spielt es sich zu sehr wie die Teile, die vorher kamen.

Neu allerdings ist, dass Chloe Frazer nun die die Hauptrolle übernommen hat und ähnlich viel plappert wie ihre ehemalige Liebschaft. Gerade für das Uncharted-Flair – einer wohl portionierten Mischung aus Kletterpassagen und Schießereien, bei denen der Protagonist obligatorisch zahlreiche Oneliner und Gags raushauen muss – ist das mehr als notwendig. Chloe findet man direkt sympathisch. Klar, sie nietet ganze Menschenmengen um, aber good guys with a gun sind halt dann doch sympathischer als die zahlreichen Moorhuhn-Goons, die ihr entgegengeschleudert werden. Und es geht um einen sagenumwobenen Schatz. Und erwähnte ich bereits, wie unglaublich schön dieses Spiel ist? Witzig ist, dass die bemerkenswerteste Neuerungen genau darauf aufbaut. Der Foto-Modus in Lost Legacy verfügt nun nämlich über das beste Feature überhaupt: Er ermöglicht die Veränderung des Gesichtsausdruckes des Protagonisten. In denklich unpassenden Situationen kann sie nun schielen, mit Duckface posieren oder mit weit aufgerissenen Augen geschockt aussehen. Mit diesem Blödel-Werkzeug entwickelte ich das Spiel im Spiel: Ich versuchte immer wieder unpassende Situationen abzufangen – denn der Modus funktionierte auch während Zwischensequenzen – und Chloe dabei möglichst dämlich dreinschauen zu lassen. Ein wahrer Traum. #metagame

Als Single-Player-DLC, der gar keiner sein will, macht Uncharted: The Lost Legacy im Grunde nichts falsch und zeigt noch einmal alle Zutaten, die schon Uncharted 4 zu einem meiner liebsten Titel auf der PS4 machten. Werden Gespräche zwischen Charakteren unterbrochen, werden diese ganz organisch wieder aufgenommen – was das Abspulen bestimmter festgelegter Phrasen in anderen Spielen direkt noch mechanischer werden lässt. Das dynamische Duo aus Chloe und Nadine ergänzt sich nicht zwar beim Entdecken fremder Umgebungen, unterscheidet sich sonst aber stark. Nadine, die disziplinierte Ex-Söldnerin, die nicht unbedingt für ihren lockeren Humor bekannt ist und Chloe – immer einen kessen Spruch auf den Lippen und nicht ganz durchdacht in ihrer Vorgehensweise. Sonst hat sich nicht viel getan, was die Spielmechaniken angeht: Da ich mich (digital) am Herumklettern in hunderten Metern Höhe kaum satt spielen kann, bin ich auch hier total auf meine Kosten gekommen. Lediglich die Schießerei-Intermezzos, die zwar gefühlt seltener vorkommen, sind immer noch die Schwachstelle des Spiels geblieben. Die größte Stärke eines jeden Uncharted ist dabei die Inszenierung. Hier regiert der Bombast, vermischt mit Kulissen, die in anderen Spielen maximal in Konzeptzeichnungen stattfinden. Ob es in den nächsten Jahren noch ein weiteres Uncharted braucht, darf bezweifelt werden – dafür ist Lost Legacy die beste Zugabe, die der grandiose Teil 4 überhaupt erhalten konnte.

Veröffentlichungsdatum: Bereits erschienen
Originaltitel: Uncharted: The Lost Legacy
Plattformen: PlayStation 4
Genre: Action
Entwickler: Naughty Dog
Veröffentlicht von: Sony Interactive Entertainment

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