NBA 2K18

Der neue Look

Heute startet die neue Saison der US-Basketballliga NBA und damit auch ein neuer Abschnitt von NBA 2K. Eigentlich ist alles neu in der NBA. Nike ist zum Beispiel neuer Ausstatter, zahlreiche Teams haben neue Gesichter in ihren Reihen –nur die Warriors sind unverändert heißester Kandidat auf den Titel. In der vermutlich letzten Saison mit Dirk Nowitzki mimt NORMAN VOLKMANN erneut den nahaufnahmen-Ballexperten und kann die Finger immer noch nicht von NBA 2K18 lassen.

Mit dem Erscheinen von NBA 2K bewegt sich jedes Jahr die Vorfreude auf den wirklichen Start der nächsten NBA-Saison. In der Regel haben sich die Gemüter beruhigt, die aktuellen Champions werden langsam wieder hungrig, die Verfolger haben sich verstärkt. Doch was in diesem Sommer passiert ist, ist für Basketball-Verhältnisse nahezu wahnsinnig. Nicht nur, dass namhafte Free Agents Mittelklasse-Teams zu echten Contendern gemacht haben (Willkommen bei den Celtics, Gordon Hayward!), zahlreiche Star-Spieler wechselten den Verein per Trade, um neue Superteams zu gründen. Allen voran Oklahoma City, die für Spielermaterial von NBA-Mittelmaß und der -Resterampe nicht nur Paul George aus Indiana holten, sondern auch Carmelo Anthony von den Knicks erlösten. Ähnlich abgedreht (sorry, der Nerdtalk am Anfang muss mir gestattet sein): Vizemeister Cleveland tradet Star-Point-Guard Kyrie Irving für das Herz der Boston Celtics aus dem letzten Jahr, Isaiah Thomas. Dass zwei Spitzenteams Starspieler tauschen, ist dabei noch seltener als ein getroffener Freiwurf von Cover-Star Shaq. All das sorgte nicht nur für die spannendste Off-Season der letzen Jahre, sondern erzeugte eine Menge Fragezeichen: Sind die Warriors immer noch unangefochtener Titelfavorit? Können die Oklahoma City Thunder mit nur einem Ball auf dem Feld auskommen? Bringt Chris Paul James Harden bei den Houston Rockets innerhalb der ersten zehn Spiele zum Weinen? Und all diese Punkte können erst beantwortet werden, wenn die Saison ein paar Wochen alt ist. Bis dahin bleibt nur eins: Testspielen bei NBA 2K18.

Es hat schon fast Tradition, dass das Erste, was NBA 2K jedes Jahr für mich bereit hält, das Scannen meiner Fratze ist. In jedem Jahr versuche ich, in meiner Wohnung den perfekten Platz zu finden, der mit natürlichem Licht hell genug ist, um nicht auszusehen, als wäre man ein Kind der Truppe aus The Hills Have Eyes. Danach startet die neue Karriere: In diesem Jahr geht man nicht den klassischen Weg durch das College, sondern wird als NBA-Prospect in einem Streetball-Turnier entdeckt — kennt man ja. Wie bereits in den letzten Jahren hat man einen festen Spitznamen (DJ, wegen Musik. Nun.) und eine Persönlichkeit, die man immer noch nicht annähernd beeinflussen kann. Dafür gibt es eine riesige Innenstadt, in der sich Klamottenläden, Trainingshallen, Tattoo-Studios, ein Friseur und auch der eigene Agent befinden. Im Grunde eine nette Idee, allerdings ist das Letzte, was ich in einem Sportspiel benötige, ein Open-World-Hub, in dem ich weite Wege zurücklegen muss, statt im Menü die neue Frise meines Charakters festzulegen. Vor jedem Spiel macht man Späße mit den Mitspielern, den Security-Kräften oder einem fiktiven Spieler, der eben da ist, damit ein weiterer Spieler eine größere Sprechrolle hat. Das bringt etwas mehr Leben in die Karriere, bislang hatten diese Kleinigkeiten aber keine signifikante Auswirkung auf meine Karriere. Mag sein, dass ich dafür noch nicht weit genug bin, für die Zukunft würde ich mir aber wünschen, dass man auch Gespräche mit Trainer oder GM führt, die einem wirkliche Schwachstellen im Spiel aufzeigen oder den Trainingsalltag mehr in den NBA-Alltag bringen. So ist das alles mehr eine Art Lifestyle-Simulator, um den auch NBA-Spiele gestrickt sind. Wirklich toll allerdings: Im Training können nun mit bestimmten Trainingseinheiten konkrete Schwerpunkte gesetzt werden. Wer ein besserer Schütze werden will, kann darauf einen Fokus setzen und auf lange Sicht zu einem besseren Spieler reifen, selbst wenn die Fähigkeiten-Updates noch etwas zu teuer sind.
Apropos: NBA 2K18 ist nicht der erste Teil der Reihe, der einen harten Fokus auf Mikrotransaktionen und die eigene Spielwährung legt. In den letzten Jahren wurde nahezu alles hinter der VC (Virtual Currency) versteckt. Accessoires wie Schweißbänder müssen genauso gekauft werden, wie Frisuren, Tattoos oder Shirts. Dadurch, dass für VC auch spielerische Upgrades gekauft werden können, ist es gerade anfangs sehr schwierig, eine Balance zu finden — zwischen dem Lifestyle-Element und den notwendigen Verbesserungen, damit der eigene Spieler am Ende kein größerer Flop ist als Kwame Brown. Dann läuft er eben auf Ewigkeiten in grauen Jogginghosen, No-Name-Sneakern und braunem Shirt rum. Naja, in Berlin geht man so auf eine Hochzeit.

Seit Jahren mein liebster Modus: myTeam: Darin können die besten Teams — komplett unabhängig von Zeit und Raum — zusammengestellt werden, die sonst nur in Fieberträumen von NBA-Nerds vorkämen. Eine Starting-Five aus Stephen Curry, Michael Jordan, Larry Bird, Kevin Garnett und Bill Russell? Warum nicht? Wenn einem nicht die virtuelle Währung einen Strich durch die Rechnung macht. Gerade Legenden sind teuer und um das ganze System noch verwirrender zu machen, gibt es für den Modus eine eigene Währung, die mehr wert ist, als die VC. Heißt: Wer sich ein Zufallskartenpaket an Spielerkarten im günstigsten Paket kaufen will, zahlt 3.500 myTeam-Taler oder 5.625 VC (etwas mehr als zwei reale Euro). In welcher der beiden ausgedachten Währungen man zahlt, darf man sich aussuchen. Im Auktionshaus, in dem man nach konkreten Karten suchen und auf sie bieten kann, darf nur in myTeam-Währung gezahlt werden. Durch das Absolvieren der vielseitigen Modi erspielt man sich zwar schnell mal 10.000 myTeam-Taler, sucht man aber nach Legenden im Auktionshaus und wird mit Preisen von mehreren 100.000 konfrontiert, vergeht der Spaß schnell. Kein Wunder, dass es inzwischen ganze Websites gibt, die sich darauf spezialisieren (illegal) myTeam-Währungen zu farmen und diese für gutes Geld an Spieler zu verkaufen. Denn das Auktionshaus und der An- und Verkauf von Karten ist inzwischen ein eigenes Spiel geworden. Auf YouTube gibt es zahlreiche Tutorials, die Anweisungen geben, welche Karten zu welchem Zeitpunkt wie viel Wert haben und was man am ehesten tun sollte, um myTeam-Millionär zu werden. Da mir dazu Zeit und Muße fehlt, begnüge ich mich mit meinem Team, das mit Shaq, Kyrie Irving und Draymond Green auch Hochkaräter vorweist. Mit Disziplin und Spielverständnis kann man auch absolute Überteams haushoch besiegen: Ich kenne meine Spieler und deren Stärken und Schwächen — auch das ist ein Faktor, der bei 2K18 immer wichtiger wurde.

In diesem Jahr wurde noch mehr Wert auf reale Spielzüge der einzelnen Teams gelegt. Die Golden State Warriors spielen auch bei NBA 2K knüppelharte Defense und streuen am offensiven Ende Dreier und Distanzwürfe ein, als würde sie lediglich zwei Meter vor dem Korb stehen. Die San Antonio Spurs passen ihre Gegner schwindelig, spielen uneigennützig und lassen im Zweifel Kawhi Leonard auf die bemitleidenswerten Gegner los. Die Chicago Bulls… na gut, die können auch bei 2K nichts. Taktik-Nerds kommen durchaus auf ihre Kosten, wenn die virtuellen Teams Spielzüge absolvieren, die man auch in der Realität sehen würde. Die Trainer haben ebenfalls klar Vor- und Nachteile. Im Umkehrzug heißt das für Spieler: Durchrennen und draufhalten funktioniert einfach nicht mehr. Wer seinen Point Guard Spielzüge ansagen lässt, kann nicht nur online seine ahnungslosen Gegner in Grund und Boden stampfen, sondern lernt auch noch was über das Spiel und seine Lieblingsteams.

Jährlich erscheinende Spiele-Franchises wie Call of Duty oder Assassin’s Creed können mir eigentlich gestohlen bleiben und spätestens nach einem dritten Teil langweilen mich sonstige Serien. NBA 2K begeistert mich aber nunmehr seit neun Jahren immer wieder und schafft es Jahr um Jahr, mich über Monate zu fesseln. Gerade für Basketballfans, die tief in der Materie stecken, ist es vollgepackt mit Modi, Goodies und Inhalten, die Langeweile gar nicht zulassen. Allein die Textnachrichten, die mir LaVar Ball in myCareer geschickt hat, beweisen nicht nur Humor der Entwickler, sondern ein Verständnis für das Spiel und alles drumherum. All das wäre allerdings wertlos, wenn der Titel nicht auch spielerisch so gut wäre. Inzwischen ist es nicht mal mehr ein Running Gag, dass NBA 2K18 nicht mal in den gleichen Sphären wie NBA Live 18 existiert. 2K Sports macht seit mehr als zehn Jahren kontinuierlich einen großartigen Job und zieht die Stellschrauben in jedem Jahr an den richtigen Stellen an. Einzig der über die Jahre immer härtere Fokus auf Mikrotransaktionen hinterlässt einen faden Beigeschmack. Wer nicht wochenlang grinden will, kommt fast nicht um zusätzliche Investitionen von Echtgeld gegen VC herum. Sicher, in der Theorie kann alles erspielt werden, doch über die letzten Jahren wurden stetig weitere Spielelemente hinter virtueller Währung verschachtelt. Das ist eine Entwicklung, die sich nicht nur bei NBA 2K18 beobachten lässt, allerdings macht es das auch nicht besser. Unterm Strich bleibt NBA 2K18 allerdings die beste Sportsimulation, die es aktuell system- und Sportarten-übergreifend zu kaufen gibt. Ich ziehe meinen Hut, wieder mal.

Veröffentlichungsdatum: Bereits erschienen
Originaltitel: NBA 2K18
Plattformen: PC, PlayStation 4, Xbox One, Nintendo Switch
Genre: Sport-Simulation
Entwickler: Visual Concepts
Veröffentlicht von: 2K Sports

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