Game Studies Audiofied – mein Podcast-Zwischenfazit nach zehn Folgen

Ein Interview-Format sie alle zu knechten

Die vorerst (!) letzte Klappe ist gefallen, das Ende von Season 1 ist da: Nach zehn Folgen Game Studies Audiofied , einem Interview-Podcast mit und über deutschsprachige SpieleforscherInnen, ist es für RUDOLF INDERST Zeit, seine Zwischenbilanz zu ziehen.

Die Idee trieb mich schon länger herum: Warum haben die Game Studies im deutschsprachigen Raum eigentlich „kaum Gesicht“? Warum sieht und zitiert man im Grunde immer dieselben Gestalten der ludologischen Forschung? Das geht ja zu wie … hmm … vielleicht wie bei Talk Shows, in denen immer Wolfgang Bosbach auftaucht (um später zu früh zu gehen).

Science PR oder: Leinen los, Lobby!

Um diesem, wie ich finde Malus, zu begegnen, musste Lobbyarbeit, musste im besten Sinne, Wissenschaftskommunikation, die (auch) menscheln darf, geleistet werden! Also nahm ich mir vor, deutschsprachige SpieleforscherInnen, junge Hasen wie alte Profis alike, in einem Interviewformat zu Wort kommen zu lassen. Dass ich dies in Podcast-Form geschehen lassen wollte, lag daran, dass ich eine sehr große Liebe zu diesem Medium hege und täglich etwa ein bis zwei Stunden hörend, ich gebe zu, nicht immer konkret ZUhörend, damit verbringe.

Game Studies Audiofied – it’s alive!

Der Name war schnell gefunden: Game Studies Audiofied und, um das Format, so wie ich es mir vorstellte, einem ersten Test zu unterziehen, stellte ich meine Pläne auf dem researching games BarCamp in Berlin Anfang des Jahres vor. Um ein süddeutscheres Meinungsbild einzufangen, wiederholte ich diese Präsentation dann noch einmal auf dem GameCamp in München. Von skeptischen bis euphorischen Gesichtern und Wortmeldungen war im Grunde alles dabei – und genau dies machte mir mehr Hoffnung als gedacht. Denn vermeintlich streitbare Themen, das weiß der Kommunikationshengst, lassen sich besser vermarkten, haben langfristig mehr Biss und sind klar im Vorteil gegenüber Feldern, die „kalt“ und indifferent zurücklassen. Im nächsten Schritt besorgte ich mir dann die nötige Technik, überlegte, auf welche Plattform das Format zuhause sein sollte, gab ein Logo für die Show in Auftrag (das sich nach drei Folgen dann nochmal ändern sollte) und holte mir das fetteste Audio-Intro der Welt. Das bedeutet gleichsam neben der Arbeit also zunächst nichts anderes als eine Reihe von Anschaffungskosten.

Insgesamt konnte ich sechs Vorträge hören, unter anderem von Dr. Rudolf Inderst, der mit dem Thema “Game Studies Audiofied” über die Notwendigkeit sprach, Game Studies populärer zu machen, und auch mit konkreten Ideen aufwarten konnte. (Jakob Gustavs)

Die unangenehme Kostenfrage war es auch, die mich zu meinem nächsten Thema führte. Da ich unbedingt die Interviews unbedingt vis-a-vis führen wollte, da ich typischen diesen Podcast-Skype-Konversationen – auch als Hörender weit weniger abgewinnen kann – musste ich einen scharfen Blick auf mögliche Reisekosten richten. Dazu war es notwendig, zunächst einmal die Metropolregion München und ihre Forschenden anzuzapfen, was nicht sonderlich schwierig war. Dass ich mich auch einmal nach Augsburg wagte, kann da schon als exotischer Reisetourismus gewertet werden. Die andere Möglichkeit war es, auf Konferenzen, auf denen man sich sowieso herumtrieb, einen Gast abzugreifen oder darauf zu hoffen, dass es SpieleforscherInnen gab, die sich eben zufällig gerade in München und Umgebung aufhielten und bereit waren, ein wenig Zeit zu opfern – denn ein Honorar war nicht drin. Ja, ich weiß, ich weiß, Geistes-, Sozial- und KulturwissenschaftlerInnen wäre das sowieso suspekt gewesen…“Wie jetzt? Ich werde für Leistung bezahlt? Da steckt doch ein Trick dahinter! NICHT MIT MIR!!!“ Um das Format etwas zu strecken, begann ich, zwischen den Interviewfolgen auch Episoden einzubauen, deren Inhalt eigene Texte waren, die ich bereits in einer Publikation untergebracht hatte und die eine theoretischere Schlagseite (als reine Produkttests) aufwiesen. Dergestalt entstanden innerhalb eines halben Jahres zehn „echte Folgen“ und einiges an Zwischenmaterial.

Zufrieden? Ein klares JEIN!

Was kann nun im Rückblick festhalten: Zunächst möchte ich mich noch einmal bei allen Gästen bedanken, die nicht nur ihre Zeit opferten, sondern mich oftmals auch kulinarisch umsorgten – mal gab es Kekse und ein Wässerchen, mal ein ganzes Wochenende in einer europäischen Metropole! Zweitens möchte ich nicht darauf verzichtet haben, die Interviews von Angesicht zu Angesicht zu führen. Es ist freilich nur ein Bauchgefühl, aber das gemeinsame Essen davor oder danach, das Schlendern, das abseits vom Thema und Interview zu Besprechende – all das haben die Atmosphäre verändert, oder vielmehr aufgelockert und sie dergestalt verbessert.

Andererseits komme ich nicht umhin festzustellen, wie arg die Begrenzung auf „München plus“ zu schaffen macht. Man darf schließlich nicht vergessen, dass es zwar jede Menge SpieleforscherInnen hier gibt, aber längst nicht alle auch Lust haben, vor ein Mikrofon gezerrt zu werden. Auch muss ich konstatieren, dass ich es offensichtlich – trotz aller Bemühungen – nicht geschafft habe, die Game-Studies-Community stärker zu inspirieren. Dies verstehe ich in dem Sinne, als dass diese das leicht teilbare Podcast aufgreifen, hören, darüber sprechen und weiterempfehlen. Leider bleibt daher die Erkenntnis, dass an einer sehr einfach durchführbaren Lobbyarbeit für das eigene Fach den SpieleforscherInnen nicht sonderlich gelegen sein kann – eine bittere Pille.

Was heißt das für 2018?

Dennoch ist kein Grund aufzugeben und das Format einzustellen – aber meine Begeisterung hat einen leichten Knick erlitten, obgleich ich mit dem Ergebnis rechnen konnte. Es ist grundsätzlich einfacher, sich über die Nichtbeachtung in der akademischen und generellen Öffentlichkeit zu beschweren als aktiv dagegen etwas zu unternehmen. Und bitte, Freunde, erzählt gerade MIR bitte nicht, Ihr hättet zu viel zu tun. Wir hören uns!

Rudolf Inderst

*1978 in München. Studierte Poltikwissenschaften in München und Kopenhagen. Arbeitet aktuell an seiner zweiten Dissertation. Übernimmt Verantwortung als Ressortleiter für digitale Spiele hier bei nahaufnahmen.ch. Holt sich blaue Flecken im Krav Maga. Liebt Stanislaw Lem, Hörspiele und Podcasts. Spielt Videospiele seit etwa 35 Jahren. Trägt gerne Bart.

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