South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe

Mehr als ein gelungener Furz-Witz.

Mit South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe erscheint nach drei Jahren die Rollenspiel-Fortsetzung von South Park: Stab der Wahrheit. Beide Titel basieren – naheliegend – auf der amerikanischen Erwachsenen-Serie South Park und wurden wie auch die Serie von Trey Parker und Matt Stone geschrieben. STEFANIE MARX besucht das beschauliche Örtchen.

South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe schließt unmittelbar an die Handlung des Vorgängers an. Die Schulkinder und Serienhelden Cartman, Kyle, Stan und Kenny stürzen sich in ein neues Abenteuer. Nicht irgendwie, sondern als Superhelden! Cartmans Franchise-Pläne (inklusive einer Vermarktung und ordentlich Merchandise) führt letztendlich zur Zerschlagung der Superhelden in zwei rivalisierende Gruppen „Coon and Friends“ und „Freedom Pals“ – selbstredend mit jeweils eigenen Franchise-Plänen. Die anfängliche Auseinandersetzung erwächst schließlich zum Krieg zwischen beiden Seiten.

Als Spieler steigt man in die Geschichte als zugezogenes Kind ein. Als Neuer, der herumgeschubst wird und sich behaupten muss. Rollenspiel-typisch wird mittels Charakter-Editor eine Figur ganz nach Belieben zusammengestellt. Von diesem ersten Moment zeigt sich der Charme und deftige Humor des Spiels. Bei der Wahl der Hautfarbe poppt der Hinweis zum Schwierigkeitsgrad auf „Keine Sorge, das wirkt sich nicht auf den Kampf aus, nur auf Dein gesamtes, restliches Leben“. Ich schmunzle.

Zur optischen Wahl kommen im Verlauf des Spiels weitere Charakter-Merkmale, die auf dem Charakter-Bogen festgehalten werden, ganz im Pen-&Paper-Style. Ich, als Superheld, bin ein „Blaster“ und „Cyborg“, mein Kryptonit ist „Alte Leute“, und ich bin „CIS-weiblich“. Letztere Wahl hat zur Konfrontation mit sogenannten „Hinterwäldner“ geführt. Da ich im Vorgänger-Teil noch männlich war, nun aber weiblich, musste ich mich den „Hinterwäldner“ im Anschluss an das Gespräch mit dem Schulpsychologen stellen. Kämpfe laufen rundenbasiert ab und folgen dem Muster eines Final Fantasy Tactics oder Mario + Rabbids Kingdom Battle als aktuelles Beispiel aus dem Hause Ubisoft. Auf dem Schlachtfeld bewegt man sich von Feld zu Feld, bevor man in den Angriff übergeht. Strategische Überlegungen zur Wahl des Platzes (Entfernung, Position zum Gegner) und der Angriffe (Nah-/Fern-Attacke) stehen dabei im Fokus.

Jeder Gegner-Typ hat verschiedene Schwächen sowie Arten von Angriffen. Die Vielfalt und der Witz des Spiels zeigen sich neben der hanebüchenen Story insbesondere im Kampf. So greifen Priester mit „Umarmungen“ an. Sie sagen dann gerne „Ich habe niemanden, den ich Gottes Liebe geben kann“ oder laden ihre Angriffe mit den Worten „Gleich bin ich in Stimmung!“ auf. Etwas verstörend? Ja. Makaber? Auch. Aber es trifft den Humor der Serie bestens und nun ja, fast jeder ist Opfer. Homosexuelle, Rentner, Menschen mit Behinderung, der Durchschnitts-Typ. Für einen weißen Polizisten musste ich einmal einen unschuldigen schwarzen Bürger „überführen“. Der Humor ist unverschämt und derb. Mir gefällt es sehr.

So charmant ich den Witz finde, so hinreißend finde ich die Spielwelt des Ortes South Park in den Colorado-Rocky-Mountains. Die Ortschaft kommt, wie auch in der Serie, minimalistisch daher und lässt trotzdem keine Details vermissen. Von Beginn an macht es Spaß, in 2D/3D durch die Gegend zu stapfen, begleitet von dem Gefühl, Teil einer neuen Episode von South Park zu sein. Muss man Fangirl/Fanboy der Serie sein um diesen Spaß zu teilen? Wahrlich nein. Die Serie zu kennen, potenziert den Spaßfaktor, jedoch hat das Spiel auch sonst genug zu bieten. Und die Geschichte vom „Neuen in der Stadt“ macht es Einsteiger leicht, in die eigensinnig-komische Welt einzutauchen.

 

Veröffentlichungsdatum: bereits erschienen

Originaltitel: South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe

Plattformen: Xbox One, PlayStation 4, PC

Genre: Rollenspiel

Entwickler: Ubisoft

Veröffentlicht von: Ubisoft

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