40 Jahre – Junges Theater Basel

40. Jubiläum des Jungen Theater Basel

Zwischen Traum und Revolte

(c) Norah Roth

 

Im Oktober 2017 feierte das Junge Theater Basel sein 40-jähriges Jubiläum. Rund 300 Personen trafen sich auf dem Kasernenareal an der Stadt am Rheinknie, wo es seit 1995 fest beheimatet ist, um dieses weit über die Kantons- und Landes-Grenzen hinaus bekannte Theater von und vor allem für junge Menschen zu feiern und ihm Ehre zu erweisen.

 

Von Christoph Andreas Schmassmann

Doch was macht dieses Theater in seiner Art so besonders? Und was zeichnet die einzelnen Produktionen im Speziellen aus? Das nahaufnahmen.ch hat den Theaterpädagogen Uwe Heinrich, der das Junge Theater seit 2001 leitet und dramaturgisch prägt, zum Gespräch getroffen.

 

Ihr zeichnet euch immer wieder durch Produktionen aus, die eine sehr starke Durchschlagskraft mitbringen. Wie gestaltet sich da die Themenfindung?

Das Thema wird im Vorfeld lange gemeinsam mit den Jugendlichen untersucht: was ist gerade interessant und was wird diskutiert unter Jugendlichen, aber auch was wird gerade in der Welt interessiert diskutiert. Und da suchen wir dann Überschneidungen oder kreieren auch Räume dort, wo wir uns Überschneidungen wünschen würden. Zudem ist es nie so, dass wir einfach sagen: So und so ist es, sondern es gibt nur Vorhaben, wo wir sagen: da sind Widersprüche oder das regt zumindest zum Widerspruch an. Also lasst uns das mal genauer untersuchen – und zwar gemeinsam.

 

Eine Suche nach einer neuen Ästhetik also?

Die Untersuchung ist so gesehen nie nur eine rein ästhetische – man muss letztlich ja immer auch eine Form finden, doch zunächst einmal ist es eine inhaltliche: was ist spannend an der ganzen Geschichte, die wir auf die Bühne bringen wollen? Und wir arbeiten dann gerne auch konfrontativ oder auch mit ästhetischen Herausforderungen für das Publikum. Das heisst, wir geben ihm selten die Gelegenheit, sich zurückzulehnen und einfach mal „Ja“ zu sagen. Denn ich glaube, dass über einen Widerspruch grundsätzlich eine stärkere Aktivierung stattfindet als über eine Bestätigung.

 

Authentizität ist eines der grossen Schlagworte im Zusammenhang mit dem Jungen Theater Basel. Wie erreicht ihr diese?

Das Junge Theater wird tatsächlich gern als authentisch beschrieben, was ein tolles Kompliment ist, wenn man sich nicht klar macht, was authentisch eigentlich heisst: nämlich, die sind ja einfach so, wie sie sind. Mir ist es ganz wichtig auf die grosse Arbeit und Entwicklung hinzuweisen, die im Probenprozess stattfindet. Denn es gehört meiner Meinung nach mit zum Schwierigsten, Frische auf die Bühne zu bekommen. Dabei ist es ganz wichtig an den Punkt zu gelangen, wo man sagt: das berührt ein Gefühl in mir und regt mich zu Gedanken an – und zwar im Hier und Jetzt. Und das heisst auch, dass wir uns jedes mal von neuem fragen müssen: ist diese Art von Theater, die wir jetzt im Hier und Heute machen, die Form, die das Jetzt gerade braucht?

Zum Jubiläum erscheint der Bildband FOREVER YOUNG. Der Untertitel „Junges Theater zwischen Traum und Revolte“ fällt dabei auf. Was muss man sich darunter genau vorstellen?

Dieser Titel beschreibt wahrscheinlich ziemlich genau das, was auf unserer Bühne unter anderem passiert: nämlich wenigstens den Blick auf etwas, das einen in der Welt stört oder auffällt, zu verändern. Und das ist dann natürlich eine Art von Revolte, zumindest gegen ein Bild, das man von etwas hat. Und da drin steckt natürlich der Traum, dass das etwas hilft. Die moralische Unvoreingenommenheit oder Kompromisslosigkeit, die Jugendliche noch haben, ist dabei eine ganz grosse Qualität des Jungen Theaters, da sie auch viel krassere Ansprüche und radikalere Vorstellungen mitbringen – im Sinne von: Das muss man doch ändern können!

 

Ihr versucht also, auf eine unmoralische Art und Weise moralisch zu sein?

Genau. Das finde ich sehr interessant, denn es funktioniert dabei durchaus auch über Provokation. Und das fasst dieser Titel „Zwischen Traum und Revolte“ meiner Meinung nach sehr gut. Es ist auch der Traum von einer Revolte und der gehört zu Jugendlichen und zum Jungen Theater unbedingt mit dazu: wie der Moment im Hier und Jetzt, das Eruptive – das Aufkeimen eines Widerspruchs. Getragen natürlich von der Hoffnung, dass die Dinge nicht einfach so sind, wie sie sind, sondern durchaus auch eine gewisse Beweglichkeit in sich haben: dass man die Welt immer noch verändern kann.

 

Weitere Infos und Spielplan:

www.jungestheaterbasel.ch

 

 

Christoph Schmassmann

Hat Literatur und Philosophie an der Universität Basel und Theater an der Universität in Bern studiert - zur Zeit verfasst er regelmässig Beiträge für verschiedene Magazine und das Radio: Kultur, Architektur und Politik gehören zu seinen Schwerpunkten. Daneben verfolgt er eigene Kunstprojekte und konzipiert installative Performance Abende.

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