The Vanishing of Ethan Carter

Ganz schön schönes Laub

The Vanishing of Ethan Carter ist kein neues Spiel mehr, durch ein Update auf der Xbox One X hat es aber nun “ordentlich 4K”. Das sind in jedem Fall ein paar K mehr als vorher – wow! NORMAN VOLKMANN hat zwar von der Technik weniger Ahnung als ihm lieb ist, dafür weiß er jetzt, was mit Ethan Carter passiert ist.

Wenn man sich dazu genötigt fühlt, viel Geld für eine verbesserte Version einer Konsole auszugeben, die man ja sowieso schon hatte, braucht man hin und wieder auch die Bestätigung, dass sich der Kauf gelohnt hat. Super Lucky’s Tale lieferte die nicht und auch wenn Halo 5 und Gears 4 wirklich wunderschön anzusehen sind, die öde Stumpfheit beider Titel fesselt mich in der Regel nur kurz dem Fernseher – trotz 4K-Bildgewalt. In letzter Zeit sind es vor allem interessante Geschichten, die meine Aufmerksamkeit bekommen und The Vanishing of Ethan Carter ist dabei keine Ausnahme.

Schon bevor das explorative Abenteuer noch einmal eine 4K-Neuauflage erhalten hat, machte es Schlagzeilen dafür, dass es so wunderschön aussieht. In einem Blogpost von 2014 erklären die Macher dabei genau, wie echte Fotografie dabei half, die hyper-realistischen Spielelemente zu formen. Oftmals ist es zwar die wabernde Sonne, die zwischen Baumwipfeln hing und mich dazu verleitete, Screenshots zu erstellen. Aber auch die rostigen Geländer, das matschige Laub oder die heruntergebrannten Gebäude sind in The Vanishing of Ethan Carter jeden (langen) Blick wert.

Als Polizist ist man auf der Suche nach Spuren. Ethan Carter, ein kleiner Junge ist verschwunden – doch das verschlafene Örtchen, das an einen mächtigen Staudamm gelegen ist, bietet noch mehr Tragödie als das. Im Laufe des Spiels erkundet man nicht nur Wälder, Häuser und eine Miene, man rekonstruiert mehrere Todesfälle und erfährt so, was mit Ethan passiert ist. Hier erkennt man auch sehr deutlich, dass es deutlich schwieriger ist, menschliche Charaktermodelle so realistisch darzustellen, wie die Borke eines Baumes. Da VideospielerInnen komisch-aussehende Figuren nun aber bereits Jahrzehnte gewohnt sind, fällt das kaum ins Gesicht, äh Gewicht. Wirklich kniffelig sind die zu lösenden Fälle nicht – die Mechanik trägt aber dennoch dazu bei, dass sich der Titel nicht nur als bloßer Walking-Simulator beschimpfen lassen muss. Immerhin hilft das Lösen der Fälle dabei, Ethan und seine Familie besser kennenzulernen. Die übersinnlichen und fantastischen Elemente des Spiels bauen dazu spannende Szenarien auf und brechen mit der anfangs so schnöden Normalität. Hin und wieder erinnerten mich diese Elemente an What Remains of Edith Finch – allerdings waren die Szenarien dort deutlich homogener, auch weil sie keinen solchen Kriminalfall als Rahmen hatten.

“This game is a narrative experience that does not hold your hand” heißt es zu Beginn und im Nachhinein muss ich schon schmunzeln. Die Entwickler von The Astronauts setzen damit bei SpielerInnen eine Erwartungshaltung, die am Ende kaum einzuhalten ist – es aber auch gar nicht muss. Wirklich knifflig oder gar frustrierend ist es zu keinem Zeitpunkt des circa dreistündigen Abenteuers. Am Ende ist auch The Vanishing of Ethan Carter eben ein Walking-Simulator mit Detektiv-Mechanik. Das reicht aber auch vollkommen, denn im Genre gehört der Titel immer noch zum Besten, was es aktuell auf dem Markt gibt. Dazu kommt die grafische Potenz und die spannende Geschichte, die mich zwar nicht so mitriss wie bei Firewatch oder mich melancholisch werden ließ wie bei What Remains of Edith Finch, die aber dennoch spannend war und vor allem dann punktete, wenn es abseits des festen Wegs ins Übernatürliche abdriftete.

 

Veröffentlichungsdatum: bereits erschienen

Originaltitel: The Vanishing of Ethan Carter

Plattform: PC, PS4, Xbox One

Genre: Adventure/Walking Simulator

Entwickler: The Astronauts

Veröffentlicht von: The Astronauts

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