Interview mit Regisseur Marcel Gisler über seinen neuen Film “Mario”

“Ein Outing wird umso schwieriger,
je grösser und globaler das Produkt ist,
das vermarktet werden soll”

Regisseur Marcel Gisler (Mitte) mit seinen beiden Hauptdarstellern Max Hubacher (links) und Aaron Altaras (rechts) bei der Präsentation von “Mario” an den 53. Solothurner Filmtagen.
Bild: © Solothurner Filmtage/moduleplus.ch

Nach der umjubelten Uraufführung an den Solothurner Filmtagen kommt „Mario“, ein aufwühlendes Liebes-Drama über das Tabuthema „Homosexualität im Fussball“, nun ins Kino. Max Hubacher und Aaron Altaras spielen darin die angehenden Profifussballer Mario und Leon, die nicht nur im Sturm leidenschaftlich und perfekt harmonieren. Durch das intensive und zugleich nuancierte Spiel der jungen Darsteller wird erfahrbar, wie jemand leidet, der einen wichtigen Teil seiner Persönlichkeit von sich abspalten und verleugnen muss. Nahaufnahmen.ch traf in Solothurn Marcel Gisler, den für seine vorhergehenden Werke (unter anderem „Rosie“ und „Electroboy“) vielfach preisgekrönten Regisseur des Films, zum Interview: Ein Gespräch über den Widerspruch zwischen Sein und Schein im Übersystem Fussball, Kritik von Fördergremien, dominante Musikteppiche und Momente am Set, die ihn zu Tränen rühren.

Von Christoph Aebi

Nahaufnahmen.ch: Marcel Gisler, es ist erstaunlich, dass es zwar schon eine Komödie („Männer wie wir“ von Sherry Hormann) sowie einen Tatort-Krimi („Mord in der ersten Liga“) über schwule Fussballer gibt, Ihr Film „Mario“ aber das erste Liebes-Drama zum Thema ist. Wieso haben sich bisher keine anderen Regisseure an die grosse Fussballer-Lovestory gewagt?

Marcel Gisler: Ursprünglich wollten mein Co-Autor Thomas Hess und ich das Projekt in Deutschland ansiedeln. Der Film hätte in der Bundesliga spielen sollen. Als wir dafür in Deutschland einen Produzenten suchten, sagte man uns, es seien bereits mehrere Projekte zum Thema in der Drehbuchentwicklung. Deshalb haben wir die Geschichte in die Schweiz verlegt. Dies sollte das Alleinstellungsmerkmal unseres Films sein. Von den anderen Projekten habe ich jedoch nie mehr etwas gehört.

Was könnten die Gründe dafür sein?

Darüber kann ich nur spekulieren: Vielleicht gab es Schwierigkeiten mit der Finanzierung. Zudem hat man bei einem Film über zwei Fussballer, die sich ineinander verlieben, nicht so viele Freiheiten, unerwartete Wendepunkte zu erzählen. Es ist eine Herausforderung beim Schreiben des Drehbuchs, die Erwartungshaltung zu erfüllen und die Geschichte doch auf eine Art und Weise zu erzählen, dass man nicht gleich jeden Schlenker im voraus weiss. Das war auch in unserem Fall eine Gratwanderung. Es ist klar, dass das Paar Schwierigkeiten durchzustehen hat und gemobbt wird. Der moderne Aspekt in unserem Film liegt im Fokus auf den Widerspruch zwischen Sein und Schein, der sich durch die ganze Geschichte zieht. Da ist einerseits das Versteckspiel der Protagonisten, zu dem sie vom Klub und den Beratern gedrängt werden, um den Schein nach aussen zu wahren. Da ist aber auch das Versteckspiel der Homophobie, die sich in unserer Gesellschaft auch nicht mehr offen und laut äussern kann. So wie die Protagonisten nicht zu ihrem Schwulsein stehen dürfen, steht fast niemand im Film zu seiner Homophobie. Man reisst die beiden Spieler nicht einfach auseinander oder schickt sie in die Wüste, nur weil sie schwul sind. Schliesslich geht es um das Image des Klubs, das gewahrt werden soll.

Der aktuelle Tabellenführer der Super League, BSC Young Boys, hat Sie bereits während der Drehbuchentwicklung bei Recherchen unterstützt und für die Dreharbeiten die Infrastruktur, Materialien sowie den Namen zur Verfügung gestellt. Wieviel Überzeugungskraft brauchte es dafür?

Es war erstaunlich einfach. Wir gingen davon aus, dass es schwierig sein würde, weil wir dachten, dass die Klubs mit dem Thema vielleicht doch Berührungsängste haben. Das war aber überhaupt nicht der Fall. Der Präsident des Schweizerischen Fussballverbandes hatte uns zuvor geraten, die urbanen Klubs in Basel, Zürich und Bern anzufragen – die hätten auch schwule Fanclubs und würden uns eher unterstützen. Für Bern haben wir uns aus produktions- und finanztechnischen Gründen entschieden und weil Max Hubacher, der als Hauptdarsteller früh gesetzt war, Berndeutsch spricht. Ihn wollte ich im Film unbedingt dabeihaben. Beim ersten Meeting mit YB waren wir sehr überrascht, wie offen wir empfangen wurden. Sie waren geradezu begeistert von der Idee, dass endlich einmal ein Film zu diesem Thema gedreht wird. Der damalige Sportchef Fredy Bickel öffnete uns alle Türen. Ich konnte zehn Tage lang hinter den Kulissen recherchieren und überall dabei sein – bei den Spielen, beim Training sowie bei Besprechungen. Da ich zuvor kein grosser Fussballkenner gewesen war, war es mir wichtig, hinter die Fassade zu schauen, um das Milieu möglichst authentisch darstellen zu können. Fredy Bickel hat sogar eine frühe Fassung des Drehbuchs gelesen und Anmerkungen gemacht, wenn er das Gefühl hatte, Details zu sportlichen oder technischen Abläufen seien nicht ganz stimmig.

Max Hubacher und Aaron Altaras bei den Dreharbeiten im Stade de Suisse des BSC YB in Bern.
Bild: © Frenetic Films

Sind Sie beim zweiten Klub, der im Film vorkommt, dem Hamburger FC St. Pauli, ebenfalls sofort auf offene Ohren gestossen?

Dieser Klub ist bekannt dafür, dass er Minderheiten schützt und ist wahrscheinlich derjenige, bei dem sich ein schwuler Spieler am ehesten outen könnte. Ich glaube, er hätte dort jede Unterstützung, sowohl intern als auch von den Fans. Wir waren bei einem richtigen Match dabei und haben dort für die Schlussszenen von „Mario“ das Publikum gefilmt. Die Fankultur beim FC St. Pauli ist überraschend. Die Fans singen nie gegen die Gegner an oder machen diese runter, sondern unterstützen nur die eigene Mannschaft. Und überall sieht man Regenbogenfahnen und Sprüche gegen sexuelle Diskriminierung, gegen Homophobie und gegen Faschismus. Als sie unsere Anfrage erhielten, sagten sie: „Bei uns seid ihr genau richtig. Das Anliegen steht bei uns im Klub sozusagen auf der Fahne.“

Hatte der Klub nicht sogar einmal einen schwulen Präsidenten?

Ja, das war Corny Littmann, eigentlich ein Theatermacher. Darüber, wie er zum Präsidenten wurde, gibt es eine witzige Geschichte: Er war schon immer fussballbegeistert und St. Pauli-Fan. Man kannte ihn in der Szene, er war ein stadtbekannter Schwuler. Als der Klub ihn in den Vorstand berufen wollte, stellte sich jedoch heraus, dass Littmann noch nicht Klubmitglied war. Man sagte ihm, eine fünfjährige Mitgliedschaft sei für einen Sitz im Vorstand Bedingung – für das Amt des Präsidenten hingegen genüge es, seit mindestens einem Tag Mitglied zu sein. So wurde Littmann spontan Mitglied und anschliessend Präsident des FC St.Pauli.

Sie haben angesprochen, dass Max Hubacher für die Titelrolle früh gesetzt war, weil er Berner ist…

Also nicht nur, denn er ist ein hervorragender Schauspieler, einer der besten jungen Darsteller in der Schweiz. Das sollte schon auch erwähnt werden.

Er spielt seine Rolle grandios. Die Wahl hat mich dennoch erstaunt, da Sie anlässlich Ihres letzten Spielfilms „Rosie“ sagten, dass Sie besonders gerne mit Schauspielern zusammenarbeiten würden, die man noch nicht oft in Filmen gesehen habe, weil man sie nicht bereits mit einer bestimmten Rolle assoziiere. Nun wird Max Hubacher immer noch stark mit dem „Verdingbub“ in Verbindung gebracht. Eine Boulevardzeitung titelte gar: „Verdingbub spielt schwulen Fussballer“.

Bei „Rosie“ war für die Hauptrolle die Auswahl von Schauspielerinnen altersmässig relativ begrenzt. Die meisten, die in Frage kamen, waren bereits in den „Herbstzeitlosen“ zu sehen und wurden danach für viele weitere Fernseh- und Kinofilme besetzt. Deshalb verspürte ich zu jenem Zeitpunkt den Wunsch nach einer Schauspielerin, die man in Schweizer Filmen noch nicht oft gesehen hatte und somit bekam die grossartige, im Film bis dahin noch weniger bekannte Sibylle Brunner die Hauptrolle. Ansonsten bin ich eigentlich relativ offen. In „F. est un salaud“ habe ich Martin Schenkel eine Rolle gegeben, der schweizweit für „Fascht e Familie“ bekannt war. Das war mir egal. Der Typ muss zur Rolle passen, das ist wichtig.

Wieso passte Max Hubacher perfekt zur Rolle des Mario?

Seine Ausstrahlung überzeugte mich. Ich wollte einen jungen Burschen, der ein bisschen kernig wirkt und bei dem man nicht gleich von Anfang an denkt: „Ui, der und Fussballer, passt das wirklich?“ Ich überlegte mir, dass ein junger Fussballer, der eigentlich schwul ist und seine Sexualität verdrängt, trotzdem über all die Jahre hinweg in dieser Männergesellschaft des Fussballklubs sozialisiert worden ist. Die sind immer zusammen und ein Schwuler würde sich wahrscheinlich ebenfalls die stereotypen männlichen Attitüden aneignen, weil er gar nichts anderes kennt. Ich fand, dass Max das sehr gut ausstrahlt. Übrigens auch Aaron Altaras, der im Film den Leon Saldo spielt. Aaron ist zwar körperlich der kräftigere, aber letzten Endes der sensiblere und introvertiertere der beiden.

Nur im Film oder auch hinter den Kulissen?

Im Film, aber vielleicht auch ein bisschen im realen Leben. Max ist ja echt ein Sonnenschein, sehr offen und für alles zu haben.

Max Hubacher und Marcel Gisler an den Solothurner Filmtagen.
Bild: © Solothurner Filmtage / moduleplus.ch

Max gelingt in seiner Rolle der Spagat zwischen Härte und Verletzlichkeit sehr gut.

Ja, das finde ich ebenfalls. In den Fussballszenen ist er der harte Kerl, der Kämpfer, der drauflos rennt. Und dann sieht man ihn zuhause wie einen kleinen Jungen auf dem Bett liegen. Es gibt eine Einstellung, in der Mario und Leon zusammen im Bett liegen und Mario im Schlaf immer wieder zusammenzuckt, weil er schlecht träumt. Max bringt diese Verletzlichkeit grossartig rüber.

Aaron Altaras hat man in der Schweiz noch nicht so oft auf der Leinwand gesehen. Man kennt eher seine Mutter Adriana Altaras, als Schauspielerin sowie als Buchautorin („Titos Brille“). Wie sind Sie auf Aaron Altaras gestossen, der in „Mario“ neben Max Hubacher ebenfalls durch seine Leinwandpräsenz besticht?

Ich stiess durch eine deutsche Casting-Agentur auf ihn. Wir hielten für die Rolle des Leon Saldo nach einem deutschen Schauspieler Ausschau, weil im Drehbuch vorgesehen war, dass ein deutscher Spieler zur Mannschaft stösst. Dadurch wird in der Geschichte die Bedrohung für die anderen Spieler der U21-Mannschaft etwas grösser. Sie fragen sich: „Warum holt der Klub einen deutschen Spieler, der ist sicher schon für die Erste Mannschaft gesetzt und nimmt uns den Platz weg.“ Ich wollte damit unterstreichen, dass in der U21 der Konkurrenzkampf besonders gross ist. Dort entscheidet sich, ob man Fussballprofi werden kann oder einen anderen Beruf ausüben muss. Darum kommt es im Film zum Mobbing innerhalb des Teams, weil alle einen Vertrag für die Erste Mannschaft haben möchten. Der Casting-Agentur sagten wir zudem, dass wir einen Darsteller benötigen, der Fussball spielen kann. Das war ein wichtiger Aspekt. Ein Typ ohne Ballgefühl kann keinen Fussballspieler simulieren. So lud ich unter anderem Aaron zu einem Casting ein, Max kam als Anspielpartner hinzu. Ich sah, dass zwischen den beiden die Chemie funktionierte. Ihre Gegensätzlichkeit, nicht nur äusserlich, sondern auch vom Charakter her, fand ich sehr spannend. Aarons Mutter sprach übrigens vor mehr als zwanzig Jahren ebenfalls einmal für ein Casting bei mir vor, aber ich besetzte sie damals nicht. Als ich Aaron erzählte, seine Mami sei auch schon für ein Casting bei mir in der Küche gesessen, mussten wir beide schallend lachen.

Ihr Film ist wie eine klassische Tragödie aufgebaut. Es ist den beiden Fussballspielern nicht vergönnt, über längere Zeit ihre Liebe zu geniessen. Die Peripetie, also der Höhepunkt, erfolgt genau in der Mitte des Films in den Szenen, in denen Mario und Leon unbeachtet von der Aussenwelt am Fluss sitzen. Diese Szenen strahlen bereits von der Bildgestaltung her etwas Märchenhaftes aus.

Ja genau, und dieses Märchenhafte wird noch zusätzlich unterstützt durch die Unterwassermusik, die in der Szene ertönt. Es war das Ziel, dass diese Szene etwas Magisches hat.

Bild: © Frenetic Films

Die darauffolgende Szene ist ein heftiger Bruch.

Ich habe nie eine Drehbuchschule besucht, aber dafür in meinem Leben schon viele Filme gesehen. Ich glaube, dass man dabei die Erzähl-Dramaturgien der Filme internalisiert. Somit ist „Mario“ dramaturgisch so aufgebaut, dass auf den Höhepunkt – die Entspannung und das Glück – unweigerlich der Bruch kommt.

Das grosse Verdienst des Films ist es, dass er den Leidensdruck der Protagonisten, die einen wichtigen Teil ihrer Persönlichkeit verleugnen müssen, für die Zuschauer richtiggehend physisch erfahrbar macht. Die Schlussszene lässt einen das Blut in den Adern gefrieren.

Wir haben viel über das Ende des Films diskutiert. Jemand schlug ein Happy End vor. Ich lehnte das jedoch ab, weil wir dann nicht in der Realität, sondern in einem Märchen angekommen wären. Ich wollte zeigen, was es für einen Fussballspieler bedeutet, wenn er einen Teil von sich abspalten und verleugnen muss. Mario schiesst ein Tor, wird bejubelt von 30’000 Zuschauern und ist in diesem Moment des grössten Triumphs gleichzeitig todunglücklich. Einige Leute sagten zu mir: „Aber jetzt hat er doch seinen Erfolg, die Leute interpretieren das sicher als Happy End.“ Ich war jedoch überzeugt davon, dass die Szene funktioniert und die Zuschauer das, was vorher geschehen ist, sein privates Scheitern, mit auf den Platz nehmen. Das scheint sich nun zu bestätigen.

Die Kameraeinstellungen unterstützen diese Interpretation. Man sieht Mario zuerst mit den anderen Spielern auf dem Platz, dann geht die Kamera näher an ihn heran, bis er allein im Bild ist. Dabei ist seine grosse Einsamkeit spürbar.

Wir haben bei dieser Szene zudem mit dem Ton nachgeholfen, der langsam verschwindet. Mario ist unter einer Art Glocke. Um dies zu unterstreichen, hört man am Schluss seine Atemgeräusche. Max hat diese gegensätzlichen Gefühle des Triumphs und der Einsamkeit, in solch kurzer Abfolge, wunderbar dargestellt.

Im Film sagt der Spielerberater zu Mario, wenn er Probleme habe, gebe es eine Psychologin, mit der er sprechen könne. Diese berate auch schwule Spieler. Haben Sie für Ihre Recherche solche Sportpsychologen oder Sportpsychologinnen beigezogen?

Nein, aber ich kenne den Namen einer Sportpsychologin, die schwule Spieler betreut. Sie hat für das Buch „Homosexualität im deutschen Profifussball“ von Christoph Rohlwing das Vorwort geschrieben. Es ist so, dass es diese schwulen Spieler gibt, die psychologisch speziell betreut werden, damit sie ein Ventil für ihren Druck haben. Viele Klubs managen die schwulen Spieler sehr professionell. Der deutsche Spiegel-Verlag berichtet in seinem „Football Leaks“-Buch von einem südamerikanischen Nationalspieler, der von einem Champions-League-Klub an einen anderen Topverein verliehen wurde. Der Profi ist schwul und in den Vertragsdetails besteht sein Agent ganz selbstverständlich, dass der Verein dem Spieler und „seinem Partner“ den Sprachkurs und die Hotelrechnung bezahlt. Das ist hochinteressant. Allerdings habe ich während meiner Recherchen nie einen konkreten Namen genannt bekommen. Jeder befolgt die ungeschriebene Regel, dass man nicht über Namen spricht. Man ist diesbezüglich sehr vorsichtig.

Nicht nur im Profifussballer-Milieu ist es schwierig, sich zu outen. Es gibt auch kaum bekannte Schauspieler, die geoutet sind.

Das deckt sich mit meiner Theorie, dass ein Outing umso schwieriger wird, je grösser und globaler das Produkt ist, das vermarktet werden soll. Weil alle Fussball lieben, wird der Sport auch in Länder verkauft, in denen Homophobie in der Gesellschaft sehr verbreitet ist. Wenn die WM in Katar veranstaltet wird – einem Land notabene, in dem Homosexualität mit 5 Jahren Haft oder 90 Peitschenhieben bestraft wird –, ist das für die FIFA ein Riesengeschäft. Das will man sich natürlich durch unangenehme Fragen und Themen nicht verderben lassen.

Im Abspann des Films danken Sie Marcus Urban, jenem ehemaligen deutschen Fussballspieler, der durch die Veröffentlichung seiner Biographie „Versteckspieler“ bekannt wurde. Er spielte zwar noch nicht in der Bundesliga, war jedoch auf dem Sprung zum Profifussballer – bis der Druck, seine Sexualität in der Fussballwelt verstecken zu müssen, zu gross wurde. War Marcus Urban das Vorbild für die Figur des Leon Saldo in Ihrem Film?

Es fällt mir erst jetzt, wo der Film fertig ist, auf, dass man die beiden Lebensgeschichten durchaus vergleichen kann. Es gibt Fussballer, die diesen Druck nicht durchstehen, andere scheinbar schon. Deshalb sagt Leon gegen Ende des Films zu Mario: „Du packst es ja. Du spielst einfach und schiesst Tore, Augen zu und durch!“ Alles abseits des Spiels ausblenden zu können, das ist es wahrscheinlich, was man braucht, um ein guter Fussballer zu sein – auch wenn man nicht schwul ist. Man darf sich von der Medienkritik nicht beeinflussen lassen, um gegen Anfeindungen innerhalb der Mannschaft und aus der Gesellschaft gewappnet zu sein. Sportliche Leistungen haben so viel mit Psychologie zu tun. Es gibt zum Beispiel Fussballer, die im Training hervorragend spielen, vor Zuschauern aber ihre Leistung nicht bringen können. Darum ist ein Outing so schwer: Ein Profi, der sich outet und weiterspielen will, seine Karriere weiterverfolgen will, muss eine sehr gefestigte Persönlichkeit und ein sehr intaktes Umfeld – sowohl im Klub als auch privat – haben, um diesen Gang durch die Medien zu bestreiten und gleichzeitig im Stadion zu bestehen.

Bild: © Frenetic Films

Einer, der sich erst nach seiner Karriere geoutet hat, war der ehemalige Bundesligaspieler Thomas Hitzlsperger. Knapp vier Jahre danach sagte er in einem Interview mit der ZEIT über sein Outing: „Als Fussballprofi ist man seit frühester Jugend umgeben von Beratern, und natürlich fragt man die häufig, bevor man etwas macht. Dabei verliert man das Vertrauen in die eigene Entscheidungsfähigkeit. Deshalb war es wichtig zu beschliessen: Ich mache das trotzdem. Dieses Vertrauen in die eigene Entscheidungsfähigkeit war für mich ein Gewinn.“

Das ist ein ganz wichtiger Aspekt, den ich bei meinen Recherchen zum Film ebenfalls bemerkte und den mir viele Leute bestätigten. Fussballer sind sozusagen von klein auf rundum gepampert. Das wollte ich auch im Film darstellen. Alle wichtigen Wendepunkte werden für Mario entschieden. Er entscheidet nicht selber, von zuhause auszuziehen. Der Klub sagt, er möchte ihn zusammen mit Leon in eine Spielerwohnung stecken. Es wird alles für ihn organisiert. Die Spielerwohnung ist bezahlt und eingerichtet, die beiden müssen nur noch ihre Klamotten mitnehmen. Auch der Transfer nach Hamburg wird von aussen bestimmt. Natürlich wird der Spieler gefragt, was er möchte. Aber es sind immer Berater um ihn herum, die ihm sagen: „Ich glaube, dieses und jenes ist das Beste für dich.“ Zuvor hat bei Mario der Vater diese Funktion gehabt, was der Film ebenfalls erzählt. Sein Vater schleppte ihn auf den Fussballplatz, trainierte ihn und hat nun Abnabelungsprobleme.

Er steht immer noch mit dem I-Pad am Spielfeldrand, filmt seinen Sohn und analysiert das Spiel.

Ja, weil ihm eine Aufgabe in seinem Leben fehlt, wenn andere die Betreuerfunktion übernehmen. Das ist alles unterschwellig miterzählt. Ich wollte es nie gross aufpumpen und den Pädagogen spielen, damit es jeder kapiert, aber all diese Dinge schwingen mit. Teilweise erhielten wir von Fördergremien die Kritik, die Figur des Mario sei zu passiv. Ich entgegnete jeweils, dass die Figur relativ passiv sei, weil es unglaublich schwer für sie ist, eigene Entscheidungen zu treffen, da alles für sie bestimmt wird. Wir haben uns im Drehbuch allerdings Mühe gegeben, dass Mario trotzdem eine Art von Emanzipation durchmacht, zumindest privat seinem Vater gegenüber, und langsam erwachsen wird. Aber gegen das Übersystem Fussball kann er sich schliesslich nicht wehren. Ich wollte darstellen, dass dieses System stärker ist und Mario sich irgendwann anpasst, da er seinen grossen Traum verwirklichen und Fussballprofi werden möchte. Das ist ein ganz wichtiger Aspekt, den man nicht vergessen darf. Mario kann nicht einfach mit Fussball aufhören, weil sein ganzes Selbstwertgefühl auf seiner Leistung auf dem Platz aufbaut. Woanders kann er diese Anerkennung nicht kriegen und ich glaube, wenn er aufhören würde, würde er sich relativ wertlos vorkommen. Er müsste für sich selber eine neue Identität erschaffen und finden.

Sie haben die Kritik der Fördergremien angesprochen. Ich habe gelesen, dass das Bundesamt für Kultur das Drehbuch mehrmals hatte abblitzen lassen.

Das hat mit BAK-internen Änderungen zu tun. Früher bestand die Kommission, die über die Fördergelder entscheidet, über längere Zeit aus den gleichen Personen. Irgendwann hatte man Angst, dass sich dadurch eine Vetterliwirtschaft entwickeln könnte. Deshalb hat man eingeführt, dass die Kommission permanent rotiert und immer wieder aus neuen Leuten besteht. Wir hatten bei der zweiten Eingabe eine halbe Zusage, das Buch gefiel ihnen, wir konnten sie von unserem Projekt überzeugen, aber es war zu jenem Zeitpunkt zu wenig Geld vorhanden. Als wir zum dritten Mal eine Eingabe machten, sass in der Kommission nur noch eine Person, die bereits zuvor dabei gewesen war. Diese konnte uns nicht genügend verteidigen. Die neu zusammengesetzte Kommission fand das Drehbuch langweilig.

Inwiefern?

Die Figur des Mario sei zu passiv, sie habe sich seit der letzten Drehbuchfassung zu wenig entwickelt, obwohl man uns zuvor signalisiert hatte, wir müssten am Drehbuch eigentlich nichts ändern. Die fehlende Kontinuität in der Kommission kann somit zum Problem werden, weil man immer wieder andere Ansprechpartner hat. Eine Kommission findet genau das gut, was die andere schlecht findet – und umgekehrt. Ich bin nicht der erste Filmemacher, dem das passiert. Aber das Bundesamt für Kultur ist eine wichtige Förderstelle und das fehlende Geld hat uns natürlich Probleme verursacht.

Wie konnten Sie diese Probleme lösen?

Das Projekt kam nur zustande, weil mein Produzent Rudolf Santschi von der Triluna Film die Idee hatte, Theres Scherrer von der Berner Carac Film als Koproduzentin ins Boot zu holen. So erhielten wir zusätzlich Geld von der kantonalen Berner Filmförderung und konnten das Loch in der Kasse stopfen. Das Bundesamt für Kultur ist aber mit der neuen Film-Standortförderung dabei. Darüber bestimmt keine Kommission, sondern das ist eine automatische Förderung, die man beantragen kann, wenn man einige Bestimmungen wie ein bestimmtes Mindest-Budget erfüllt. Das war zwar nicht der Betrag, den wir sonst erhalten hätten, aber dank der Berner Förderung konnten wir die klaffende Lücke schliessen.

Zum Glück konnte der Film realisiert werden. „Mario“ besticht nicht nur durch die Schauspielerführung und die grossartigen Schauspielerleistungen, sondern auch durch die Bildgestaltung Ihrer Kamerafrau Sophie Maintigneux, die hier wie auch schon für Ihre letzten Spielfilme „F. est un salaud“ sowie „Rosie“ Bilder von grosser Intimität kreiert. Wie muss man sich Ihre Zusammenarbeit mit Sophie vorstellen?

Man sagt, ein Filmteam sei nur so gut wie der Kopf eines Fisches. Dieser Kopf besteht unter anderem aus dem Regisseur und dem Kameramann – oder in unserem Fall der Kamerafrau. Wir schaffen es scheinbar, eine in jeder Form familiäre und entspannte Stimmung für die Schauspieler zu kreieren. Sophie ist grossartig, sowohl hinter der Kamera als auch in ihrer Arbeit mit den Schauspielern. Die Schauspieler lassen sich echt gerne von ihr filmen, weil eine gute Chemie herrscht und Sophie ein so gutes Auge für die Schauspieler hat. Ein Schauspieler muss Vertrauen haben und sich wohlfühlen. Dann kann er sich öffnen und gut spielen. Man muss den Schauspielern zudem viel Raum lassen. Vor allem junge Regisseure meinen oft, sie müssten den Schauspielern alles vorgeben, jede kleinste Geste, und lassen ihnen deshalb kaum Raum für eigene Interpretationen. Diese sind jedoch das grösste Geschenk, das man von Schauspielern bekommt. Den Schauspielern Raum zu geben und Vertrauen zu schenken ist bei der Arbeit als Regisseur das Allerwichtigste.

Anlässlich unseres letzten Gesprächs sagten Sie, dass Sie sich trotz eines fixierten Drehbuches immer freuen würden, wenn am Set unerwartete Dinge geschähen.

Die Dialoge sind im Normalfall vorgegeben, jedoch nicht die Art und Weise, wie ein Schauspieler diese umsetzt. Vielleicht sagt er einen Satz ganz anders, als ich mir das vorgestellt habe, er macht eine andere Geste, geht anders durch den Raum oder wünscht, in einer Szene lieber zu liegen als zu sitzen. Aber auch für Dialogänderungen bin ich immer offen. Wenn mir ein Schauspieler sagt, die Sätze lägen ihm nicht gut im Mund, er stolpere immer wieder und er hat einen besseren Vorschlag, bin ich gerne bereit, darauf einzugehen. Es gibt im Film einen langen Monolog von Jenny, der besten Freundin Marios (verkörpert durch Jessy Moravec), als sie zusammen mit Mario in der gemeinsamen Wohnung in Hamburg auf dem Sofa sitzt. Sie fragte mich, ob sie einige Änderungen anbringen dürfe. Ich sagte ihr, sie könne das gerne tun, wenn sie sich dabei wohler fühle und es inhaltlich auf dasselbe herauskomme. Die besagte Szene ist eine Plansequenz, das heisst, sie kann nicht unterschnitten werden. Oft hilft man sich bei schauspielerischen Unsicherheiten durch Schuss-Gegenschuss-Einstellungen, die man schneiden kann. In einer Plansequenz muss jedoch jedes Wort stimmen. Max und Jessy haben in dieser Szene eine absolute Höchstleistung vollbracht.

Mario (Max Hubacher) und seine beste Freundin Jenny (Jessy Moravec) spielen in Hamburg für die Fotografin eines Schweizer Familienmagazins ein glückliches Paar.
Bild: © Frenetic Films

Kürzlich erzählten Sie in einem Interview, es gehöre zu den beglückendsten Momenten als Regisseur, wenn Ihnen die Performance der Schauspieler die Tränen in die Augen treibe. Wie oft geschah das bei „Mario“?

Permanent, am Set bin ich eine absolute Heulsuse (lacht). Wenn ich wässrige Augen bekomme, wissen die Schauspieler sofort, dass sie gut gespielt haben.

In welchen Szenen war dies der Fall?

Beispielsweise in der Szene, in welcher sich Mario zuhause bei seinen Eltern outet. Die hat mich sehr berührt. Oder die bereits erwähnte Szene auf dem Sofa, weil sie so schön gespielt und stimmig ist. Eigentlich immer dann, wenn die Emotionen echt sind und deshalb gut rüberkommen.

Emotionen werden in Filmen oft auch durch die Musik ausgelöst. In „Mario“ gibt es sehr wenig Musik, diese wird jedoch umso effektvoller eingesetzt. „Landscape Escape“, ein Song der Schweizer Band Odd Beholder, kommt in mehreren Szenen sowie im Abspann vor und entpuppt sich als Ohrwurm, der sich in den Gehörgängen einnistet. Wie sind Sie auf dieses Lied gestossen?

Die Musik ist immer eine Budgetfrage. Für die Party bei BSC YB hätte ich am liebsten „Staying Alive“ der Bee Gees verwendet, aber das ist schlicht nicht bezahlbar. Es gibt Agenten, die Vorschläge für Musik machen, wenn ich mich in bestimmten Musikrichtungen nicht so gut auskenne. So bin ich auf das Lied von Odd Beholder gestossen. Am Anfang dachte ich: „Fussball und eine Frauenstimme, das ist möglicherweise ein bisschen zu zärtlich“. Aber das Lied ist schlichtweg grossartig.

Der Text von „Landscape Escape“, in dem es heisst, „It’s just a simple chemical reaction“, passt perfekt zur Liebesgeschichte von Mario und Leon.

Ja, damit wird früh auf die aufkeimenden Gefühle hingewiesen. Mir war bei „Mario“ der Musikschnitt ebenfalls sehr wichtig. Zuhause hören sie das Lied von Odd Beholder, dann gibt es einen Schnitt, und wenn sie mit der Mannschaft in der Umkleidekabine des Stadions sind, ertönt wieder Hip-Hop, also eher eine Harte-Jungs-Musik. Damit wollte ich einen Kontrast kreieren. Die Musik, die man im Film hört, ertönt zudem fast immer aus einer bestimmten Quelle. Leon hört das Lied zuhause wahrscheinlich auf seinem Computer, an den er kleine Boxen angeschlossen hat und in der Kabine wird ebenfalls eine Box rumstehen, welche die auf den I-Phones der Jungs gespeicherte Musik wiedergibt. Es gibt im Film wenig Originalkompositionen, weil ich diesbezüglich sehr vorsichtig bin. Wenn eine Szene emotional gut genug ist, muss ich nicht noch Geigenklänge darunter legen. Ich habe oft das Gefühl, viele Regisseure benutzen Musik, wenn sie einer Szene nicht vertrauen. Obwohl es schöne Beispiele gibt, bei denen geniale Filmkomponisten mit grossartigen Symphonien oder Kompositionen einen ganzen Film musikalisch begleiten. Solche Filme schaue ich auch gerne. Aber schon bei „Rosie“ habe ich die Musik sehr sparsam als Zwischenintermezzi eingesetzt.

Vor allem während der Autofahrten…

Genau, damit der Zuschauer das Geschehen des letzten Aktes nochmals reflektieren kann. Bei „Rosie“ ertönte vor allem klassische Musik, die ich selber ausgewählt habe, weil ich mich auf diesem Gebiet gut auskenne. Ich wusste genau, welche Interpreten und welche Sonaten ich verwenden wollte. Ich mache mir generell sehr viele Gedanken über den Einsatz von Musik in meinen Filmen. Es gibt nichts Schlimmeres in einem Kinofilm als ein zu dominanter Musikteppich.

Der kann einen ganzen Film zerstören.

Ich finde, wenn das jemand nicht hört, fehlt ihm schlicht die Sensibilität dafür.

Alle Ihre Filme sind preisgekrönt, angefangen bei „Tagediebe“, der 1985 in Locarno den Silbernen Leoparden erhalten hat, bis zu Ihrem Dokumentarfilm „Electroboy“, der sowohl mit dem Zürcher als auch dem Schweizer Filmpreis ausgezeichnet wurde. Wieviel Druck lastet auf Ihnen, wenn Sie einen neuen Film lancieren?

Einen gewissen Druck verspüre ich schon, auch eine Erwartungshaltung an mich selber. Der Druck wirkt sich jedoch nicht auf die Art, wie ich meine Filme inszeniere, aus. Ich realisiere meine Filme trotzdem so, wie ich es für richtig halte. Ich gehöre nicht zu jenen Filmemachern, die sagen: „Wir machen einen Film, der in Cannes laufen muss. Welche Zutaten braucht es dafür? Was ist momentan gerade angesagt? Oder wie kommen wir nach Hollywood?“

In der Schweiz dauert es von der ersten Idee bis zum fertigen Film oft relativ lange. Viele Filmemacher arbeiten deshalb an mehreren Projekten gleichzeitig. Haben Sie bereits Ideen für weitere Filme?

Ich habe ein paar Ideen im Kopf, aber diese sind noch nicht konkret in Exposé-Form notiert. Ich lasse mich nun inspirieren, welches das nächste Projekt sein könnte. Die Entwicklung der Filme „Rosie“, „Electroboy“ und „Mario“ lief sozusagen parallel. Ich wollte einmal auf mehrere Pferde setzen und mit verschiedenen Autoren arbeiten. Ehrlich gesagt, hätte ich nicht gedacht, dass ich drei von vier Projekten realisieren kann. Nur eines kam nicht zustande, das liegt noch immer in der Schublade. Es wäre ein Film über ein Verdingkind gewesen, da mein Vater ein Verdingbub war. Dann wurde jedoch „Der Verdingbub“ von Markus Imboden mit Max Hubacher in der Hautprolle gedreht und somit wurde es obsolet, am dem Projekt weiterzuarbeiten.

Wäre dieses Projekt ebenfalls ein Spielfilm gewesen?

Ja, allerdings mit einem anderen Konzept. Es ging um einen ehemaligen Verdingbub, der heute ein alter Mann ist. Der Schluss des Films „Der Verdingbub“ wäre unsere Ausgangslage gewesen: Wie lebt so jemand in unserer Gesellschaft? Wie sehr ist er integriert? Welche Probleme hat er? Es wäre auf eine gewisse Art und Weise ein Porträt meines Vaters geworden, so wie „Rosie“ ein Porträt meiner Mutter war.

 

 

“Mario” läuft ab 22. Februar 2018 in den Kinos der Deutschschweiz.

In Basel, Bern und Zürich finden an folgenden Daten zusätzlich Spezialvorstellungen mit anschliessenden Podiumsdiskussionen statt:

Basel: Sonntag, 25. Februar 2018, um 11.00 Uhr im kult.kino Camera
Gäste: Marcel Gisler, Josef Zindel (ehemaliger Mediensprecher FC Basel), Pascal Erlachner (Schiedsrichter Swiss Football League)

Bern: Donnerstag, 1. März 2018, um 19.30 Uhr im Movie 1
Gäste: Marcel Gisler, Roland Rothenbühler (ehemaliger Spieler und Trainer FC Breitenrain), Wanja Greuel (CEO BSC Young Boys), Pascal Erlachner (Schiedsrichter Swiss Football League)

Zürich: Dienstag, 6. März 2018, um 19.00 Uhr im Kosmos 6
Gäste: Marcel Gisler, Ancillo Canepa (Präsident FC Zürich), Pascal Erlachner (Schiedsrichter Swiss Football League)

Facebook-Page mit den aktuellsten News zum Film:
https://www.facebook.com/MarioFilm/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.