Michael Peinkofer: “Tiefer Zorn”

Der Stoff, aus dem (keine) Legenden sind

Michael Peinkofer: Tiefer Zorn. Die Legenden von Astray 2 (Fantasy)

Düstere Ereignisse drohen den ganzen Kontinenten Astray zu vernichten. Die Diebin Bray hat visionäre Träume davon und versucht die Legenden, die Helden von damals, zu finden, damit die Welt gerettet werden kann. Unterhaltsame High Fantasy, bei der jedoch leider zu viel erzählt und zu wenig erlebt wird.

 

Vor 38 Jahren gab es sieben Helden, die sogenannten Legenden, die dem tyrannischen Kaiser die Stirn boten. Heute sind sie nahezu vergessen. Seit das Kaiserreich fiel, ist der Kontinent Astray vom Abyss, einem tiefen Riss, durchzogen. Die Völker sind sich fremd geworden, Könige und fanatische Sektierer ringen um die Macht. Intrigen, Manipulation und Verrat stehen auf der Tagesordnung.

Bray, eine Diebin, hat visionäre Träume und fürchtet, dass ganz Astray im Chaos versinken wird. Nur die Legenden von damals können es schaffen, der aufkommenden Dunkelheit entgegenzutreten. So macht sich Bray mit Jenya, einer der sieben Legenden, auf, um die anderen Helden von damals zu finden. Doch so einfach sind die nicht zu überreden, erneut in den Kampf zu ziehen.

 

Völker und Wesen

Wie in der High Fantasy üblich gibt es auch bei Peinkofers Roman nicht nur Menschen, sondern auch andere Völker. So spielen etwa Elben, Astari genannt, und Zwerge, die hier Dwarge heissen, eine Rolle. Dazu kommen Halblinge, Drachenmenschen und Uroks (Orks).

Neben diesen Volksgruppen gibt es auch noch andere mythische Gestalten wie Wolfsmenschen und Wiederkehrer. Auch Priester, die Magie wirken, und andere Sekten, die jede Form des Übernatürlichen bestreiten und bekämpfen, sind Thema. Leider bleiben all diese unterschiedlichen Wesensarten eher schal, es gibt kaum Charakteristika, die Volksgruppen werden (mit Ausnahme der Drachenmenschen), nicht beschrieben. Schade, denn gerade durch ihre Andersartigkeit entstehen teilweise Konflikte, die so nicht wirklich verstanden werden.

 

Protagonisten

Die Geschichte wird von verschiedenen Protagonisten vorangetrieben: Da ist Bray, die Diebin; ihre Freundin Jenya, eine Astara, die ein Freudenhaus leitet; der Halbling Lorymar Thinkling, der die Prinzessin Nyasha entführt hat; deren Bruder, der ausgestossene Prinz Nawyd; die Tänzerin Inara, die Nawyd in eine Falle lockt; der Drachenmensch Shayak, der Nawyd das Leben rettet; …

Zusätzlich gibt es unzählige weitere wichtige Figuren: Hofbeamten, Generäle, Hohepriester, Fürsten, Sklavenhändler, einen Hofmarschall, Schmuggler, Piraten, Diebe und Freudenmädchen.

 

Schreibstil

Der erste Teil des Buches zieht sich gewaltig in die Länge, da immer wieder darauf zurückgeblickt wird, was denn schon geschehen ist, und wie es zu welcher Situation kam. Vielleicht wäre eine kurze Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse sinnvoller gewesen.

Danach nimmt die Geschichte allmählich Fahrt auf, doch Längen gibt es immer wieder. Viel zu oft wird nur erzählt, was soeben geschehen ist, anstatt die Protagonisten – und somit auch den Leser – genau das erleben zu lassen. Der Leser will unterhalten und nicht informiert werden!

Schön ist allerdings, wie vielschichtig die Figuren sind: Jede von ihnen hat Geheimnisse, eine Vergangenheit, die sie gerne vergessen würde, oder Motivation, die für den Leser oft nur teilweise klar wird. Leider bleibt jedoch oft nicht klar, aus wessen Perspektive eine Szene beschrieben wird. Teils ist es personal erzählt, zieht die Informationen nur aus einer einzigen Figur, doch inmitten von Szenen kann das wechseln und es kommen Informationen, die von anderen Protagonisten stammen – oder gar von einem allwissenden Erzähler. Solche Perspektivenfehler sind einfach nur schade!

Unterhaltsamer zweiter Teil von Peinkofers neuster Fantasy-Reihe. Leider gibt es jedoch auch viele Schwächen, besonders im Erzählerischen.

 

Titel: Tiefer Zorn. Die Legenden von Astray 2
Autor: Michael Peinkofer
Verlag: Piper
Seiten: 560
Richtpreis: CHF 22.90

 

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