Eine Palme breitet sich aus

In aller Munde

Der weltweite Bedarf an pflanzlichen Ölen ist gigantisch. Gedeckt wird er überwiegend durch das problematische Palmöl.

Früchte der Ölpalme (Bild: Pixabay, user tristantan)

Nichts läuft bei Nahrungsmitteln ohne Palmöl: Kein anderes pflanzliches Öl wird häufiger verwendet. Und keines ist so vielseitig einsetzbar. Und erst noch unschlagbar günstig. Denn die Ölpalme wächst in Billiglohnländern und ist zudem sehr ertragreich. Und sie liefert pro Fläche viel mehr Öl als zum Beispiel Raps oder Sonnenblumen.

Eine Palme breitet sich aus
Diese Eigenschaften haben einen Palmöl-Boom ausgelöst. In den letzten Jahrzehnten wuchs die Palmölproduktion exponentiell. Was aber nicht möglich war ohne den entsprechenden Zuwachs an Anbaufläche. Diese wächst immer weiter und breitet sich inzwischen auf über 21 Millionen Hektar aus – rund fünfmal die Fläche der Schweiz – vor zehn Jahren waren es rund 14 Millionen Hektar.

Daten: FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen)

Die Kehrseite des Palmölfiebers: Für die Plantagen wurde und wird Regenwald abgeholzt. Dabei werden enorme Mengen des Treibhausgases CO2 freigesetzt. Einerseits weil nach dem Holzschlag alles, was noch grün ist, niedergebrannt wird. Und andererseits weil der Boden oftmals aus Torf besteht. Torf speichert grosse Mengen an CO2. Durch die Rodung baut sich das Torf ab und CO2 wird in die Atmosphäre freigesetzt.

Dass zudem mit dem Regenwald Lebensraum für tausende von Tier- und Pflanzenarten verloren geht, ist weithin bekannt. Die namhaftesten sind Orang-Utan, Sumatra-Tiger und Borneo-Zwergelefant.

Die Palme im Schokoriegel
Und trotz all den Nachteilen wird Palmöl weiterhin munter verwendet. Mehr noch: Palmöl ist aus unserem Alltag kaum mehr wegzudenken. Es steckt in allen möglichen Gütern des täglichen Bedarfs – zum Beispiel in unserem Essen.

Während in Asien direkt mit Palmöl gekocht und gebraten wird, findet man es in Europa vor allem in zahlreichen Fertigprodukten: Biscuits und Kuchen, Schokoriegel und Snacks. Auch Margarine, kakaohaltige Brotaufstriche und viele andere Lebensmittel enthalten Palmöl.

Vielseitiger Rohstoff
Die Fettsäuren des Palmöls werden zudem als Rohstoff zur Herstellung von Wasch- und Reinigungsmitteln sowie in der Chemie- und Pharmaindustrie verwendet. So kann aus Palmitinsäure zum Beispiel Cetylalkohol hergestellt werden. Dieser wird in der Kosmetikindustrie als Tensid in Shampoos verwendet.

Etwa 5 % des weltweit produziertem Palmöls wird zur Energieproduktion verbrannt. So wird es zum Beispiel zu “Biosprit” verarbeitet und in Verbrennungsmotoren von Dieselfahrzeugen eingesetzt oder in Kraftwerken zur Wärme- oder Stromproduktion.

Gesucht: Alternativen
Die Umweltprobleme, die mit dem Anbau von Ölpalmen einhergehen, verlangen nach einer Lösung. Damit kein Regenwald mehr gerodet wird, sollten wir das Niveau des Palmölkonsums dringend stabilisieren. Immerhin: Das EU-Parlament hat beschlossen, dass bis 2021 auf Palmöl für Biotreibstoffe zu verzichten sei.

Aber bei Nahrungsmitteln ganz auf Palmöl zu verzichten, ist gar nicht so einfach. Nicht nur weil es so günstig und allgegenwärtig ist. Auch hat Palmöl diverse Vorteile: Es ist geschmacklich neutral, macht Lebensmittel streichfähig, ist hitzestabil und oxidationsstabil: das heisst es wird kaum ranzig. Aus diesen Gründen kann nicht jedes Öl das Palmöl ohne weiteres ersetzen. Zunächst müssten zum Beispiel die Rezepturen angepasst werden.

Raps und Wind: zwei Alternativen in einem Bild (Pixabay User Kapa65)

Andere Pflanzenfette aus tropischen Gebieten wie Kokosöl bergen die selben Risiken wie Palmöl. Als Ersatz kommt daher einheimisches Pflanzenöl wie Raps oder Sonnenblume in Frage. Diese Kulturen lassen sich zwar in der hiesigen Landwirtschaft problemlos integrieren.

Doch sie haben einen Nachteil: Ihr Anbau würde mehr Landwirtschaftsfläche benötigen. Auf der gleichen Fläche liefert die Ölpalme fast viermal mehr Ertrag als zum Beispiel Raps. Wir sollten deshalb generell weniger Fett zu uns nehmen. Einfach gesagt: weniger Fertigprodukte in den Einkaufskorb legen und dafür mit frischen Zutaten selber etwas Feines kochen.

 

Unsere Infografik zeigt einen Überblick über die wichtigsten Fakten zum Thema Palmöl.

 

Und wie steht es mit Tierfutter?
Auch in Futtermitteln für Nutztiere kann Palmöl verarbeitet sein. In der Schweiz allerdings verzichten die Futtermittelhersteller seit dem letzten Jahr weitgehend darauf. Nach einem Bericht in der Sendung Rundschau des Schweizer Fernsehens vom Mai 2016 gaben sich Bauernvertreter überrascht und bestürzt: Palmöl habe in Kraftfutter nichts zu suchen. Die Futtermittelhersteller haben reagiert und das Palmöl ersetzt.

 

Links

Forum nachhaltiges Palmöl Deutschland, Österreich, Schweiz

WWF Deutschland u.a. zum Thema: Was wäre, wenn alles Palmöl durch andere Pflanzenöle ersetzt werden würde.

Sime Darby, Malaysias grösster Palmölproduzent gibt sich auf seiner Website sehr fortschrittlich

SRF-Beitrag der Rundschau zum Thema Palmöl in Futtermitteln (2017), seit 2018 ist Palmöl aus Futtermitteln (weitgehend) verschwunden

swiss granum, die Schweizerische Branchenorganisation Getreide, Ölsaaten und Eiweisspflanzen

FAO-Statistik: Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen

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