Härter als D2 – unser E3-Rückblick

Die Spiele-US-Leitmesse im Redaktionscheck

Die offizielle Webseite der US-Spielemesse E3 vermeldet fröhlich “That’s a wrap” und behauptet weiterhin, dass es “amazing event” gewesen sei. Da das nahaufnahm’sche Unterhaltungssoftware-Ressort gerne investigativ vorgeht, haben sich Stefan von der Krone, Peter Klement, Rudolf Inderst, Norman Volkmann und Daniel Appel auf ein kritisches Fachgespräch online zusammengefunden – was bleibt also übrig von drei Tagen mit etwa 70.000 Besuchern und über 2000 Produktvorstellungen in Los Angeles?

DANIEL APPEL

Ach ja, die E3: Früher steter Quell der überraschenden Neuankündigen und Tummelplatz zahlreicher innovativer Spielideen, ist die größte Spielemesse mittlerweile zum ritualisierten Schaulaufen der Branche erstarrt. Zwei Drittel der großen Publisher-Portfolios wurden im Vorfeld schon “versehentlich” von irgendwem irgendwo geleakt (Just Cause 4 anyone?) und ein Großteil der restlichen Ankündigungen sind mit superlativen behangene Sequels, Remakes, Jahresupdates oder DLCs, die eigentlich schon zwei Wochen vorher angekündigt wurden. Selbst bei den Events und Pressekonferenzen üben sich die Publisher in der Reproduktion der Wiederkehr des ewig Gleichen: Mittelmäßiger Musiker – Licht an – CGI-Trailer – Lobrede des CEO – Ingame Footage eines DLC – Promi – Trailer – Lobrede des CEO eines eingekauften Entwicklers – Trailer – Ingame-Footage -Zusammenschnitt aller Trailer – Feierabend. Alle paar Jahre winken auch David Cage oder Hideo Kojima von der Bühne und mindestens ein Publisher baut in diese Choreographie der Ödnis dann noch einen anlassbezogenen Trailer mit Hahaha-Content oder einem witzig-augenzwinkernden Seitenhieb auf die Konkurrenz ein und fertig ist die Laube. Verwunderlich, dass diese Messe nicht bei allen Beteiligten autoaggresives Verhalten und Schreikrämpfe hervorruft, denn Innovationen oder neue Konzepte muss man mittlerweile mühselig mit der Lupe suchen. Damit ihr euch nicht bei YouTube durch diese Veranstaltungen quälen müsst, gegen die der Echo wie ein hippes, innovatives Jugendevent wirkt, habe ich für euch nach langem Graben doch ein paar persönliche Perlen zutage gefördert:

Sea of Solitude | Jo-Mei Games: Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet Electronic Arts das vielleicht interessanteste Indie-Spiel der E3 im Gepäck hat – und eben jenes auch noch aus Berlin kommt. Das bisher eher unscheinbare kleine Studio Jo-Mei Games aus der Hauptstadt präsentierte zur E3 (bzw. im Vorfeld bei der EA-Play) sein Adventure Sea of Solitude. Zugegeben: Allzu viele Spielszenen gab es nicht zu sehen. Aber das interessante Art-Design mit seinen Comic-Anleihen, das Setting der überfluteten Städte und die Geschichte rund um die Protagonistin Kay, die – wie die anderen Menschen – aufgrund von Einsamkeit zum Monster mutiert ist und sich auf die Suche nach Menschlichkeit begibt, klingen mehr als vielversprechend. Mit ein wenig Glück steht uns hier ein narratives Kleinod ins Haus, dass das Potenzial hat mit einer wunderbaren Parabel auf die Gegenwart aufzuwarten. Wenn die Bootserkundungen und Landgänge auch spielerisch ansprechend werden, hat EA hier vielleicht ein ganz heißes Eisen für 2019 im Feuer.

Twin Mirror | Dontnod:Nachdem Dontnod gerade dieser Tage mit Vampyr einen düsteren Ausflug jenseits der Life-is-Strange-Pfade gewagt haben, bleiben die dunklen Anklänge auch in Zukunft im Repertoire der Franzosen erhalten: Denn während bei Square-Enix das kostenlose Mini-Adventure The Awesome Adventures of Captain Spirit und damit zusammenhängend Life is Strange 2 angekündigt wurden, haben die Damen und Herren von Dontnod bei Bandai Namco den Psychothriller Twin Mirror in der Pipeline. Spielerisch möglicherweise irgendwo zwischen Vampyr und Life is Strange angesiedelt, handelt das storylastige Action-Adventure vom 33-jährigen Enthüllungsjournalisten Sam, der in seine Heimatstadt zurückkehrt, um eine schwere Trennung zu verarbeiten. Da Sam Schwierigkeiten hat sich zeitlich und räumlich zu orientieren, muss er sich seinen Erinnerungen stellen und diese zum ersten Mal wirklich verarbeiten – wobei sich ihm zwangsläufig die Frage nach der eigenen Identität stellt. Wenn Dontnod es schaffen, hier eine Coming-of-(older)-Age-Story über Verlust, Trauer und Erinnerung für Thirtysomethings zu schreiben, die diesbezüglich an die Qualitäten von Life is Strange heranreicht – ich wäre begeistert.

Maneater | Blindside Interactive:Zugegeben: Maneater klingt wie eines der Projekte, die am Ende nach zwei jahren Entwicklung wieder eingestellt werden oder spielerisch in hohem Maße enttäuschen. Aber im Rahmen der PC-Gaming-Show auf der E3 war es trotzdem der interessanteste Titel. Das Prinzip wirkt einfach: In einer Mischung aus Goat Simulator, Ecco the Dolphin und klassischem Action-RPG streife ich als Bullenhai durch die Gewässer der Golf-Küste. Hier jage und verspeise ich Taucher, Angler, Segler, Surfer, knutschende Pärchen am Strand und andere Meerestiere. Durch den Ausbau der eigenen Kampffertigkeiten, sollen später auch der offene Ozean und die Tiefsee mit all ihren bizarren Wesen zum Jagdrevier werden. So wenig innovativ und anspruchsvoll das Ganze klingt – die absolut überzogene Inszenierung und die offene Welt mit allerlei obskuren Jagdgründen lässt das Splatter- und Trashfilm-Herz höher schlagen und mit ein wenig Glück wird das Ganze ja tatsächlich ein spaßiger Happen für die halbe Stunde zwischendurch. Neben den drögen Free2Play-Ankündigungen und den zweihundertsiebenundvierzig DayZ– und PUBG-Abklatschen, wirkte Maneater auf jeden Fall vergleichsweise frisch und unverbraucht.

Ferner liefen…noch zahlreiche wenig aussagekräftige Renderfilmchen zu möglicherweise interessanten Titeln, deren Infogehalt aber leider wirklich gen Null tendierte. Ein Beispiel: Kameraschwenk über eine felsig-grüne Landschaft und ein eingeblendetes The Elder Scrolls VI – aha, vielen Dank Bethesda. Square Enix kündigte einen filmreifen Action-Titel namens The Quiet Man an – mit einem Screenshot der Hand des Protagonisten. Nun ja.

Vergleichsweise interessant wirkte noch die Online-Freibeuter-Action Skull & Bones – quasi eine aufgebohrte Standalone-Version der Seeschlachten aus Assassin’s Creed mit allerhand taktischen Möglichkeiten bei der Schiffsausstattung. Auch Babylon’s Fall machte im Rahmen der kurzen Präsentation einen gelungenen Eindruck und wirkte wie eine beschleunigte und leicht spacig angehauchte Dark Souls-Variante. Zu Death Stranding gab es erstmals Ingame-Material zu sehen – abgesehen von den wirklich wunderschönen Landschaften und einigen rätselhaften Story-Andeutungen verspielte der Titel bei mir aber viele Sympathiepunkte durch die Einführung nebelhafter Geisterwesen. Hoffen wir mal, dass Hideo Kojima sich nicht wie David Cage mit Beyond Two Souls in übersinnlichen Unfug verrennt. Bei Microsoft machte mir dieses Jahr eigentlich kaum ein Titel Freude. Klar, das Video zu CD Project Reds Cyberpunk 2077 gefiel, zeigte aber auch wenig vom Spiel. Ansonsten wirkte einzig und allein die Legend-of-Zelda-Reminizsenz Tunic liebevoll designt und vergleichsweise frisch. Sony hatte noch die Fernost-Schlachteplatte Ghost of Tsushima im Angebot, die durch vergleichsweise realistische Schwertkämpfe und ein interessantes Setting für Genre-Fans interessant sein könnte. Und auch The Last of Us 2 wirkte vom gezeigten Ingame-Material her sehr ausgetüftelt und durchdacht, ohne dabei allerdings Innovationspreise zu gewinnen. Von Biowares Multiplayer-Koop-Action-RPG-ohne-Romanzen Anthem, bei dem die Story in privaten Hubs jenseits der kooperativen Action-Einsätze stattfinden soll, sprechen wir lieber nicht. Denn wenn Bioware nach Mass Effect Andromeda ankündigt bei Anthem den Fokus weniger stark auf die Story zu legen, dürfte hier eher ein mittelmäßigs Hack&Shoot, denn ein echtes RPG zu erwarten sein.

tl;dr: Eine enttäuschende E3 mit bestenfalls einer handvoll neuer Spielideen, die – wie die gesamte Branche derzeit – an extremer Innovationsarmut und Mutlosigkeit krankt. Vielleicht wäre es an der Zeit sich von der Idee einer Leitmesse für die Spielebranche zu verabschieden.

NORMAN VOLKMANN

[Norman bekommt dieses Jahr eindeutig unseren Honor Award für die meisten polemischen Ausfälle auf Twitter (folgt @xcrowingx!) während vieler E3-Pressekonferenzen.]

Wenn mich die E3 2018 eines gelehrt hat, dann, dass ich inzwischen nicht mehr bin, als ein alter, zynischer Mann, der knurrig wüste Beschimpfungen aus dem Fenster brüllt. Nach unten, da wo Leute stehen, die ernsthaft bei Ankündigungen wie Halo Infinite, The Division 2 oder Forza Horizon 4 denken: “Geil – endlich.” Ich knurre die gemeine Spielepresse an, die nach der Pressekonferenz von Microsoft der Meinung, dass nicht nur quantitativ eine Menge für die Xbox kommt, sondern auch qualitativ alles in die richtige Richtung gehen würde. Ich brülle: “Geht mir weg mit Piraten, immer gleichen Ubisoft-Titeln (Division 2 und The Crew 2 sehen aus wie Klone ihrer Vorgänger) und hört auf, mir Gears als nachdenklichen, erwachsenen (Pah!) Shooter verkaufen zu wollen.” Sicher, Microsoft hat wirklich ein Feuerwerk an Ankündigungen und Vorstellungen abgefeuert: Exclusives, World Premiers und und und. Aber im Grunde war dann doch alles wieder wie immer. Papa Fenix ist immer noch nicht aus einem Gears-Titel wegzudenken, der lahme Master Chief setzt inzwischen offenbar immer häufiger den Helm ab und Forza Horizon 4 IST IMMER NOCH NUR EIN KACKLANGWEILIGES RENNSPIEL. Hoppla, da bin ich kurz auf der Tastatur ausgerutscht.

Mir braucht jetzt auch keiner damit kommen, dass ich nicht die Zielgruppe bin, das weiß ich inzwischen selbst sehr gut, aber irgendwie finde ich es dann trotzdem schade, dass mich so gar nichts mehr auf der Messe zu begeistern weiß. Vage Teaser wie die von Control reizen mich, weil ich ein alter Remedy-Fanboy bin, Death Stranding sieht irgendwie interessant aus, auch – oder gerade weil man einfach keinen Plan hat, was das nun am Ende für ein Spiel werden soll. Gleiches würde ich auch über Beyond Good & Evil 2 sagen, aber hier fürchte ich mich eher davor, dass Ubisoft da Quatsch mit anstellt. Selbst beim gezeigten Footage von The Last of Us 2 dachte ich, dass ich die Story von Ellie vielleicht gar nicht weitererzählt bekommen möchte. Nach nahezu fünf Jahren bin ich schon zufrieden mit dem Ende des ersten Teils. Grafische Darstellungen von durchgeschlitzten Kehlen und in Köpfen feststeckenden Hämmern sind da nur die Spitze des Eisberges. Am Ende bleibt für mich wieder das Warten auf die Ankündigung des Jahres und wenn ich ehrlich zu mir bin, weiß ich – die kann es gar nicht geben. Schon in der Vergangenheit habe ich das Potential vermeintlicher Rohrkrepierer falsch eingeschätzt und riesigen Spaß gehabt oder bei scheinbaren Megatiteln nach wenigen Stunden enttäuscht ausgemacht. Und den Rest fasse ich einfach nicht an. Und meckere auf Twitter.

Damit es zum Ende noch halbwegs versöhnlich wird, habe ich mir kurz Gedanken gemacht, welchen Spielen ich denn wenigstens eine Chance geben würde, kämen sie direkt morgen (und nicht im Februar 2019) auf den Markt:

  • Control
  • Tunic
  • Sea of Solitude
  • Spider-Man
  • Rage 2 (oder “DoomPreyFallout”, oder “Bethesda: The Game”)
  • The Last of Us 2
  • Ghost of Tsushima
  • Twin Mirror
  • Cyberpunk 2077

Ist ja dann doch ne vernünftige Liste. Na gut.

RUDOLF INDERST

Als der gefühlt einzige Xbox-One-Spieler der Welt (wenn es nach den äußerst schäbigen Zwischenrufen in den sozialen Netzwerken geht!) kann ich mich an dieser Stelle kurz halten: Natürlich freue ich mich wie ein veganes Schnitzel auf die nächste Gears-of-War-Iteration. Dass es ein neues HALO-Lebenszeichen gibt, erfreut mein Shooter-Herz ebenso. So viel Krieg! Schrecklich.

Während mich dieser Witcher immer recht kalt ließ, bin ich nun – es scheint, nicht als Einziger – an Cyberpunk 2077 interessiert. Das politische-herausfordernde total unpolitische The Division 2 werde ich vermutlich auch ansehen. Mal sehen, auf welche marginalisierte Gesellschaftsschichten ich diesmal feuern kann. Für Anthem könnt Ihr mich auch schon einmal eintragen.

Ohne PS4 werde ich für Days Gone vermutlich die eigene Couch verlassen müssen, wobei ich nicht weiß, ob ich dem Herrn Biker wirklich viele Stunden zusammen abhängen will.  Nachdem ich vor 18 Jahren übrigens einen gewissen Film sah, brauche ich mich für einen gewissen aktuellen Spieletrend nicht zu interessieren. #NoBattleRoyaleForMe

Wer übrigens schmunzelnd bemerkt, dass ein Assassin’s Creed Odyssey immer noch die Luft eines 300 atmet, mag sich daran erinnern, dass die meisten Kriegsspiele ebenfalls nach visueller Saving-Private-Ryan-Kopie riechen. Und im Gegensatz zu ersterem Softporno hat der wiederum ein paar Jahre mehr auf dem Buckel. Wobei: Wird Knabenliebe ein Thema in AC? “Submission? Well that’s a bit of a problem. See, rumor has it the Athenians have already turned you down, and if those philosophers and, uh, boy-lovers have found that kind of nerve, then…”

Im Umfeld der E3 großes Lob für den Xbox Adaptive Controller – Zeit wurde es! Da Resident Evil 2 (!!!) auch mein erstes Resident Evil überhaupt war (als Leihgut haben wir der Videothek letztlich mehr Geld gezahlt als das Ding einfach zu kaufen!) freue ich mich über die beeindruckend-beklemmende Atmosphäre der ersten bewegten Bilder des Remakes.

Danke. Und jetzt zurück zu #ONRUSH.

PETER KLEMENT

Spielemessen haben ein Brodudigkeitsproblem, wer sich mit dem Begriff näher auseinandersetzen möchte, dem hilft die Seite “Urban dictionary” weiter. Alle sind excited, alles ist awesome, alle machen ein keckes Witzchen in ihrer Pressekonferenz und dann werden Headshots in irgendwas mit Permadeath oder Battle Royale verteilt. Die Dinge, die mich aufhorchen ließen, waren folgende:

Fallout 76 – Bethesda:Fallout hat sich nach einem letzten Aufbäumen in einem wunderbaren Fallout: New Vegas endgültig ins environmental Storytelling verabschiedet und natürlich das ubiquitäre “Was mit Survival und Crafting”. Statt eine riesige Welt für mich zur Erkundung bereit zu halten, wie es einem Narzissten meines Kalibers gebührt, hat das Entwicklerstudio beschlossen, dass Wordbuilding auch ohne Story und NPCs funktioniert und schubst mich in eine Welt mit anderen Spielern, mit denen ich Abenteuer erleben kann. Übersetzt bedeutet das für mich: Finde einen gemeinsamen Termin mit all deinen berufstätigen Freunden oder spiele mit irgendwelche zufälligen Gestalten aus dem Internet, also 12-Jährigen Griefer mit schlechtem Benehmen und Musikgeschmack.

Cyberpunk 77 – CD PR: Im Gegensatz zum Xbox-Pleb [Boss der Bosse] Rudolf Inderst fand ich alle Teile von “The Witcher” fantastisch und hege daher große Hoffnungen für Cyberpunk 77. Denn das letzte anständige Spiel in diesem Setting hat mit Deus Ex: Mankind divided auch schon einige Jahren auf dem Buckel. Was ich in den Trailer sah macht mich zuversichtlich, dass sie ihren Neuromancer und ihren Snow Crash mit sorgfalt gelesen haben und daraus eine fantastische Welt bauen werden, in der ich Dinge hacken und durch Luftungsschächte krabbeln kann, um mehr Dinge zu hacken. Denn darum geht es im Genre schließlich: To boldly go where you are not supposed to be.

Metro Exodus – 4A Games:Meine einzige große Hoffnung für ein schönes, atmosphärisches Spiel mit einem anständigen Singleplayer-Part, der aber noch überschaubar bleibt. Noch dazu in meinem liebsten Setting im postapokalyptischen Osten. Metro 2033 und Metro: Last Light waren beide fantastische Titel mit einer bis ins letzte Details ausgestalteten Welt und spannenden Charakteren, durch die ich sogar jetzt noch immer wieder die gute alte Heldenreise antrete. Ab einem gewissen Alter, da schließe ich mich gerne Norman an, weiß man eben: ”There is no place like home.”

[Disclaimer: Rudolf Inderst arbeitet zwar für den Metro-Publisher Deep Silver, zwang allerdings Peter nicht, diese Zeilen über Metro Exodus (über das er sich selbst auch sehr freut) zu Papier zu bringen]

Was bleibt: Keine Strategiespiele außer Anno 1800 und noch einem Total War? Echt jetzt?! Soll Steel Division 44 wirklich der letzte relevante Höhepunkt bleiben. Wird jetzt alles Battle Royale und oder Press-X-to-be-awesome-Action-Adventure? Aber vielleicht ist es auch so, wie Douglas Adams schon so scharfsinnig bemerkte: “Anything invented after you’re thirty-five is against the natural order of things.”

STEFAN VON DER KRONE

Und jährlich grüßt das Murmeltier – die E3 steht an und beglückt uns mit Spielenews, Neuankündigungen, vollmundigen Versprechungen und den berühmten Pressekonferenzen der großen Player. Die einzelnen Events selbst habe ich nicht live gelesen, aber die Tweets meines Kollegen Norman Volkmann boten mir einen unterhaltsamen Eindruck. Ich bin grundlegend ohne große Erwartungen oder Hoffnungen in die Tage gegangen. Natürlich habe ich erwartet, dass Sony viel Neues zu The Last of Us zeigen wird. Die üblichen Verdächtigen waren auch wieder dabei, was teils gähnende Langeweile in mir verursachte. Ich freue mich aber über einige spannende Perlen.

Richtig begeistert hat mich der Anblick vom Gameplay-Trailer von Ghost of Tsushima, dem neuen Spiel von Suckerpunch. Die Optik ist atemberaubend malerisch, das Gameplay sah auch sehr stylisch aus. Am roten Herbstlaub, das von der tiefstehenden Sonne angestrahlt wird während dunkle Wolken über der Provinz hängen, kann ich mich nicht satt sehen. Auch das Video von The Last of Us 2 sah sehr vielversprechend aus, leider gab es immer noch keinen Release-Termin. Aber ich kann warten, bis dahin stehen noch andere tolle Spiele zur Auswahl.

Zum Beispiel das Remake von Resident Evil 2 oder auch Devil May Cry 5. Vor allem aber kommt im September Spiderman von Insomniac raus, was zwar sehr deutlich nach den Arkham-Games aussieht, aber zugleich nach einer Menge Spaß. Weiter reizte mich auch die Ankündigung eines zweiten Dying-Light-Spiels, der erste Teil hatte mir sehr viel Spaß bereitet – warum sollte das nicht auch beim Nachfolger zutreffen?

Aus Death Stranding werde ich nicht wirklich schlau. Wird es ein Walking Simulator? Hat es mehr Zwischensequenzen als Gameplay-Szenen? Niemand weiß es – außer natürlich Hideo Kojima. Weniger kryptisch war Cyberpunk 2077, und das könnte vielleicht das große Ding der diesjähringen E3 sein. Wenn man so die Stimmen der Journalisten über das Gameplay hört, kommt da wohl ein ungefährdetes GotY auf uns zu – wann auch immer das passieren wird. Definitiv reizt es mich anhand des Trailers schonmal mehr als jedes Witcher-Spiel.

Nicht vergessen sollte man Bethesda. Gut, deren Big Player Fallout und The Elder Scrolls sind momentan nicht so mein Fall. Aber ein Wolfenstein in den 80ern mit Synthies-Soundtrack ist quasi schon gekauft. Rage 2 sieht jetzt schon deutlich besser aus als der erste Teil. Dazu noch neues Kanonenfutter für den DOOM-Guy und ein Update bzw. DLC für Prey – was will ich mehr.

Was bleibt ist eine unterhaltsame E3, die nur keinen absoluten Kracher hervorbrachte. Sie war nur eben so vorhersehbar, dass es im Vorfeld sogar unzählige Buzzword Bingos dazu gab. Die vielleicht größte Enttäuschung für mich war wohl die Übernahme von Ninja Theory durch Microsoft.

Rudolf Inderst

*1978 in München. Studierte Poltikwissenschaften in München und Kopenhagen. Arbeitet aktuell an seiner zweiten Dissertation. Übernimmt Verantwortung als Ressortleiter für digitale Spiele hier bei nahaufnahmen.ch. Holt sich blaue Flecken im Krav Maga. Liebt Stanislaw Lem, Hörspiele und Podcasts. Spielt Videospiele seit etwa 35 Jahren. Trägt gerne Bart.

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