Weshalb denken kein Luxus ist

Weshalb Denken kein Luxus ist

Ein Interview mit Anja Leser von Philosophie.ch

Denken ist kein Luxus! Die Idee hinter Philosophie.ch ist es, die breite Bevölkerung dazu anzuregen über Situationen, Fakten und Handlungen kritisch und genau nachzudenken. Die analytischen Werkzeuge der philosophischen Methode, aber auch all die geleisteten Arbeiten der Philosophinnen und Philosophen bieten sich dafür bestens an.

Was ist die Idee hinter der Plattform von Philosophie.ch? 

Anja Leser: Die Plattform Philosophie.ch bietet mit über 800 Blogbeiträgen von über 600 professionellen Philosoph*innen für jedes Interessengebiet etwas. Sei dies zu gesellschaftlichen Fragestellungen wie bspw. der Verantwortung gegenüber dem Klimawandel oder persönliche Fragestellungen, wie etwa Heimat, Gesundheit oder Liebe. Meistens, und das ist ja das schöne an der philosophischen Auseinandersetzung, denkt man sich früher oder später einmal „so habe ich noch gar nie darüber nachgedacht“. Diese Begeisterung für die eigene, lustvolle Horizonterweiterung möchten wir weitergeben.

Welche Auswirkungen hat Philosophie.ch bisher gezeitigt?

Anja Leser: Philosophie.ch gibt es nun schon lange: Bereits 1997 fiel der Startschuss! In den letzten 10 Jahren ist nochmals sehr viel geschehen, was der Plattform erlaubte an Publikum zu gewinnen und als Drehscheibe für Philosophieinteressierte in der Schweiz zu funktionieren. Wer sich für eine philosophische Veranstaltung interessiert findet diese bei uns im Eventkalender, so wie der Studienabgänger, der eine Stelle sucht, oder wenn sich jemand für Neuerscheinungen im Bereich Philosophie interessiert. Im Verlauf der Jahre ist also nicht nur das Interesse der Öffentlichkeit an Philosophie gestiegen, auch Stiftungen und Kulturförderer widmen sich nun mehr der Philosophie als gesellschaftlich relevante Disziplin, als noch vor 10 Jahren. Das ist wirklich sehr erfreulich.

Was sind die aktuellen Themen von Philosophie.ch?

Anja Leser: „Aktuell“ ist genau das Stichwort: Im Jahr 2018 findet man auf Philosophie.ch vorwiegend Blogbeiträge, welche einen starken Aktualitätsbezug aufweisen: Ob dies nun Reaktionen auf Fake News, Analysen der #Metoo-Debatte oder kritische Worte zum Thema Datenschutz seien. Uns war es ein Anliegen hervorzuheben, dass sich die Philosoph*innen keineswegs stets um dieselben Fragen drehen, sondern ganz im Gegenteil eine gegenseitige Befruchtung mit der naturwissenschaftlichen Forschung erst ermöglichen. Ethische Fragestellungen zur Biotechnologie werden und können nicht alleine von Biolog*innen und Ingen*ieuren beantwortet werden. Philosophie.ch möchte diese Auseinandersetzungen der breiten Öffentlichkeit zugänglich machen.

Und wie geht es weiter mit Philosophie.ch?

Anja Leser: Der Verein Philosophie.ch ist darauf angewiesen Privatpersonen und Förderer zu finden, um mit dem technologischen Fortschritt in der digitalen Welt mithalten zu können. Seit 2017 können die Inhalte auf dem Portal gemäss den eigenen Interessen gefiltert werden, sodass auch die Fortbildungsstufe berücksichtigt ist. Die Einführung der zwei Sektionen Allgemein und Experte sowie der Profil- und Kommentarfunktion, birgt das Potential, dass sich die professionellen Philosoph*innen direkt online mit philosophisch Interessierten (non-Profis) unterhalten können. Dieses Potential möchten wir vermehrt ausschöpfen, um die Philosophie noch weiter in die Mitte der Gesellschaft zurückzuführen.

Im Netz:

www.philosophie.ch

Christoph Schmassmann

Hat Literatur und Philosophie an der Universität Basel und Theater an der Universität in Bern studiert - zur Zeit ist er als Lehrperson für Deutsch und Philosophie tätig und verfasst regelmässig Beiträge für verschiedene Magazine und das Radio. Daneben verfolgt er eigene Kunstprojekte und hat Theaterstücke, lyrische Texte und Hörspiele veröffentlicht.

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