Der Einfluss von Superhelden auf Kinder

Superwoman, Batman und Co.

Ob jung oder alt, jeder von uns kennt Superhelden oder -heldinnen. Kinder wachsen mit Superman, Batman oder Wonder Woman auf und die Helden begleiten einen bis ins Erwachsenenalter. Ihr gemeinsames Ziel: sie bekämpfen das Böse. Aber diese Helden erfüllen für Kinder noch weitere Funktionen, zum Beispiel den Umgang mit Emotionen.

Superheld fliegt in den Sonnenuntergang. Foto: Esteban Lopez, unsplash

„Hilfe! So hilf mir doch Jemand!“ Eine Frau steht am geöffneten Fenster in der siebten Etage eines brennenden Hochhauses. Es ist zu hoch, um zu springen und die Flammen zu weit vorgedrungen, um nach unten zu laufen. Dann „wusch“ und der gutaussehende Retter in Not ist an Ort und Stelle, um zu helfen.

Dieses Bild entspricht dem klassischen Superhelden: Er hat überragende Potentiale und will eine bessere Welt schaffen. Dazu zählen beispielsweise Spiderman, Iron Man oder Superwoman. Demgegenüber gibt es noch die Antihelden wie SpongeBob Schwammkopf oder Donald Duck. Diese verursachen bewusst oder unbewusst ein Chaos und faszinieren die Fans durch ihre Schwächen und die Aussenseiterrolle.

Maskierte Missionen
Kinder mögen beide Arten von Helden, da sie die Herausforderungen mit ihren speziellen Fähigkeiten oder mit Köpfchen überwinden. Die Helden und Heldinnen dienen als Vorbilder und werden imitiert. Dadurch erfüllen sie wichtige Funktionen in der Entwicklung der Kinder. Zwei Funktionsebenen sind zu unterscheiden: die innere, persönliche Ebene und die äussere, weltliche Ebene.

Kinder lernen durch den spielerischen Umgang mit Helden, mit ihren Emotionen – vor allem den Ängsten – umzugehen. So können sich Kinder mutig fühlen, indem sie sich vorstellen, Superman oder dessen Komplizen zu sein. Vor allem Heldinnen wie Pipi Langstrumpf oder Kim Possible bekämpfen das stereotypische Bild des schwachen Mädchens. Sie zeigen, dass eben auch das weibliche Geschlecht stark und mutig sein kann.

Auf der weltlichen Ebene helfen die Helden und Heldinnen, den Kindern die Welt ein wenig besser zu verstehen. Die Geschichten thematisieren Konflikte des Heranwachsens wie beispielsweise die erste Liebe oder das Finden von Freunden. Der Held stellt sich diesen Herausforderungen und meistert sie. Dadurch erhalten Kinder verständliche Lösungsansätze für ihre eigenen Probleme. Hier spielen vor allem Antihelden eine wichtige Rolle. Kinder erkennen sich beispielsweise im tollpatschigen SpongeBob Schwammkopf eher wieder. Sein Verhalten können Kinder einfacher auf ihr eigenes Leben übertragen und dadurch lernen.

Bang, Boom, Bam
Doch nicht immer schauen die Kinder bei den Helden das Richtige ab. Dies glauben zumindest einige Eltern. Sie sind besorgt, wenn ihre Kinder regelmässig Superheldengeschichten konsumieren. Sie kritisieren, dass die Heldinnen und Helden häufig Gewalt anwenden. Und sie befürchten, ihre Kinder könnten ein solches Verhalten übernehmen. Die Forschung ist sich uneins, ob diese mediale Darstellung von Gewalt bei den Kindern auch eine höhere Bereitschaft auslöst, Gewalt auszuüben. Zu diesem Schluss kommen auch Karin Richter und Burkhart Fuhs, zwei Deutsche Kindheitsforscher an der Universität Erfurt, die mehrere Forschungsarbeiten über Wirkungen von medialer Gewalt unter die Lupe nahmen.

Die Forschungsergebnisse zeigen, dass Kinder die mediale Gewalt ganz unterschiedlich verarbeiten. Dies hängt von vielen Faktoren ab: der Persönlichkeit, dem soziale Umfeld oder auch von den Mediengewohnheiten. Doch die Forscher meinen auch: „Je realistischer die Gewalt dargestellt ist, desto problematischer ist sie für Kinder.“ Das heisst, die Gewalt in Cartoons können Kinder einfacher als unreal erkennen. Jene in Spielfilmen ist für Kinder schwieriger abzugrenzen, da echte Menschen mitspielen.

Attraktivität und ihre Folgen
Ein anderer Kritikpunkt ist das Aussehen der Helden und Heldinnen: Die Männer zeichnen sich durch grosse, muskulöse Körper aus und die Frauen durch eine üppige Oberweite, makellose Haut und einen schlanken Körper. Dies vermittelt ein unnatürliches Körperbild und kann die Selbstwahrnehmung der Kinder stören. Daraus kann folgen, dass zum Beispiel übergewichtige Kinder, die nicht dem Ideal entsprechen, von ihren sportlichen Kollegen gehänselt werden.

Diese Punkte bestätigt eine Forschungsarbeit über Supergirls und deren Einfluss auf Mädchen von Rebecca C. Haines, einer US-Professorin der Kommunikation- und Medienforschung. Die von Haines interviewten Mädchen übernahmen die Ideale aus den Serien und kritisierten Abweichungen ihres eigenen Aussehens und jenes von anderen. Haines hofft, dass die Schaffer von Superhelden und -heldinnen zukünftig solche äusseren Normen infrage stellen, statt sie zu fördern.

Doch trotz dieser negativer Aspekte anerkennen verschiedene Projektleiter die positiven Einflüsse der Helden und Heldinnen. So verwenden beispielsweise Kindergärten, Schulen oder Bibliotheken diese Figuren in unterschiedlicher Weise, um Kinder und Jugendliche zu erreichen. Eine international bekannte Kampagne ist das Fotoshooting-Projekt „Superhero“. Die Amerikanerin Renee Bergerson fotografiert Kinder mit Behinderungen, um ihnen ihre innere Stärke zu zeigen. Kinder profitieren von Superhelden, denn diese geben ihnen Freude und Kraft im Alltag.

Ein Kostüm macht noch keinen Superhelden. Foto Paul Anderson, Wikipedia

 

Zwei Klassiker
Der wohl bekannteste Superheld ist Superman. Er stammt von einem anderen Planeten und zeichnet sich durch übernatürliche Fähigkeiten aus. Er ist schneller als ein Pistolenschuss und besitzt stahlharte Muskeln, die ihn auch nahezu unverwundbar machen. Zudem kann er fliegen und mit seinen Augen durch Gegenstände sehen. Die einzige Schwachstelle, die ihn verwundbar macht ist Kryptonit, ein Gestein von seinem Heimatplaneten Krypton.
Im Jahr 1941, drei Jahre nach der Erschaffung von Superman, erschien als sein Pendant Wonder Woman. Sie ist eine Amazonenprinzessin und verfügt über ähnliche Kräfte wie Superman: Sie kann fliegen, ist bärenstark und schnell wie der Wind. Zudem hat sie noch ein Lasso, das die eingefangenen Opfer zwingt, die Wahrheit zu sagen. Wenn sie selber aber von einem Mann gefesselt wird, verliert sie ihre Kräfte.

Literatur zum Thema
Rebecca C. Haines: “Sind Supergirls für Mädchen super?” (Televizion/02.20.2007)
Artikel über den Umgang der 8-11 Jährigen Mädchen mit Schönheitsidealen in Girl-Power-Cartoons.

Fuhs, Burkhard & Karin Richter: Wirkung von Gewalt in Medien auf Kinder. Eine Frage zwischen Medienethik und Pädagogik. 2004
Der Artikel analysiert und vergleicht verschiedene Medienforschungsarbeiten über Gewalt und die Auswirkungen auf Kinder.

Im Netz
Lesesommer 2015 von den Winterthurer Bibliotheken

Blog Superheld Projekt von Renee Bergeron (US)

Bei nahaufnahmen.ch haben wir uns bereits früher mit dem Thema Helden beschäftigt:
Der einsame Held
Der Held, den es nie gab
Heroischer Tod für den Glauben

 

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