Erneuerbare Energiezukunft?

Noch weit entfernt!

Während der Energiebedarf in der Schweiz auf hohem Niveau stagniert, ist der Energiehunger der Welt noch lange nicht gestillt. Das globale Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum sorgen dafür dass immer mehr Menschen immer mehr Energie brauchen: sei es für den privaten Konsum, ihre Mobilität, die Produktion von Nahrungsmitteln oder das Internet.

Auch in Europa wird noch Kohle abgebaut. Hier Braunkohle im Tagebaugebiet Garzweiler in Nordrhein-Westfalen (D).

Die Welt benötigt immer mehr Energie. Dies zeigen zumindest die Trends der letzten Jahre. Die internationale Energie-Agentur berechnet Jahr für Jahr neue Rekorde. Und die staatliche US-amerikanische Energy Information Administration (EIA) kam in einem kürzlich erschienen Bericht sogar zum Schluss, die Welt werde ihren Energiekonsum bis in Jahr 2050 verdoppeln (im Vergleich mit zu 2018).

Und wer genauer schaut, welche Energieträger zu diesem Wachstum beitragen, stellt fest: Es sind vor allem Öl, Gas und Kohle, die in den letzten Jahren eine zusätzliche Nachfrage erfuhren – und das trotz Klimawandel. Während in vielen Ländern Europas zurzeit darüber debattiert wird, wie CO2-freie alternative Energien gefördert werden könnten, setzt die Welt weiter auf die fossilen Energieträger.

Nach wie vor deckt die Welt ihren Energiebedarf zu einem sehr grossen Anteil aus fossilen Energieträgern – das wird sich wohl nicht so bald ändern, u.a. weil sich Geld verdienen lässt mit Öl, Gas und Kohle.

Öl füllt die Kassen
So verkündete etwa Sultan Ahmed Al Jaber, CEO der Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC) im September, dass Investitionen in der Höhe von elf Billionen geplant seien, um die Öl- und Gasförderung auszubauen. In welchem Zeitraum, das ist der Presse-Erklärung allerdings nicht zu entnehmen.

Diese Investitionen seien geplant, weil die Welt mehr Energie brauche. Und man wolle diese als „verlässlicher Partner im Energiemarkt weiter zur Verführung stellen“. Aber mit der Absicht, dank Öl und Gas Geld zu verdienen, ist der Sultan aus Abu Dhabi bekanntlich bei weitem nicht der Einzige. Das Geschäft mit den fossilen Energieträgern ist dermassen gross und es profitieren dermassen viele (reiche) Menschen daran, dass ihr Interesse klein sein dürfte, daran etwas zu ändern.

Die Welt deckt ihren Energiebedarf weitgehend aus Öl, Gas und Kohle – über 80% tragen die fossilen Energieträger dazu bei. Und es sieht nicht danach aus, als sich das bald ändern würde. Nicht nur die arabischen Ölstaaten investieren in fossile Energieträger. Auch China oder Indien haben in den letzten Jahren hunderte von neuen Kohlekraftwerken aufgestellt. Weltweit investieren Energiekonzerne in Förderanlagen, Raffinerien, Pipelines oder Kraftwerke.

In Europs sinkt die Stromproduktion aus Kohle, in China um steigt sie: Zwischen den Jahren 2000 und 2018 stieg die Leistung aller Kohlekraftwerke Chinas um das 5-fache.

Dass China in den letzten beiden Jahrzehnten besonders auf den Kohlestrom gesetzt hat, liegt nicht zuletzt am enormen Wirtschaftswachstum. Doch Europa kann nicht einfach mit dem Finger auf China zeigen – gigantische Mengen an Konsumgütern werden in China hergestellt. Bei Produktion, Verpackung und Transport dieser Güter wird viel Energie benötigt, die aus diesen Kraftwerken stammt.

Wir beeinflussen mit unserem Konsumverhalten auch die Stromproduktion an anderen Stellen des Globus. Dennoch muss auch China in Zukunft seine Energiepolitik überdenken, sonst besteht wenig Hoffnung, dass die Welt den Ausstieg aus den fossilen Energieträgern schafft.

Die Energiezukunft
Von den fossilen Energieträgern loszukommen, ist deshalb so schwierig, weil wir derart abhängig sind von ihnen. Ohne sie (noch) vielerorts keine warme Stube und (noch) keine tägliche Autofahrt zur Arbeit oder Fahrt im Überlandbus. Doch wenn wir ernstzunehmenden Klimaschutz betreiben wollen, müssen wir die fossilen Energieträgern ersetzen.

Doch die Suche nach Energie-Alternativen gestaltet sich auch in der Schweiz schwierig. Nicht zuletzt, weil einerseits in absehbarer Zeit die Atomkraftwerke abgestellt werden. Und andererseits die Nachfrage nach Strom weiter steigen könnte – zusätzlich zum bereits erhöhten Bedarf aufgrund des Ausstiegs aus den fossilen Energieträgern.

Die Schweiz deckt gegenwärtig fast zwei Drittel des Energiebedarfs mit fossilen Energieträgern. Dieser grosse Anteil zeigt nicht nur unsere Abhängigkeit vom Ausland, sondern auch wie weit der Weg zur Energie- und CO2-Wende noch ist.
Quelle: Bundesamt für Statistik

Alternativen zur Abhängigkeit
Um die Energie zu ersetzen, die derzeit aus nicht erneuerbaren Quellen stammt, müssten wir 2,5 bis 3 mal mehr Strom aus erneuerbaren Quellen produzieren. Doch dieser Ausstieg und damit die Energiewende ist durchaus möglich. Es braucht aber nicht nur eine einzelne sondern einen ganzen Strauss von Massnahmen.

Sparen

  • weniger konsumieren (z.B. weniger stark heizen/kühlen; auf unnötige Reisen verzichten)
  • effizientere Technologie (Gebäudetechnik, Isolationen)

Ersetzen

  • neue (effiziente) Technologien (Sonnenenergie, Erdwärme, Elektromobilität)
  • neue Heiz- oder Treibstoffe (Bio-Treibstoffe, Power-to-Gas)
  • Stickstoff-Dünger

Oder noch besser beides gleichzeitig: z.B. öffentlicher Verkehr oder Fahrrad statt Auto

Der Stromverbrauch steigt: Nicht zuletzt, weil wir mehr Konsum in folgenden Bereichen aufweisen: Elektromobilität, Wärmepumpen, IT-Bereich (Kryptowährungen, Streaming, immer mehr mit dem Internet verbundene Geräte).
Photo by Marvin Meyer on Unsplash

Der grosse Vorteil: Geld sparen!
Gemäss Bundesamt für Energie gibt die Schweiz für fossile Energieträger jährlich zwischen 15 und 20 Milliarden Franken aus, also 50 Millionen pro Tag. Der grösste Teil davon, rund 35 Millionen fliesst ins Ausland, dies gemäss der jährlich durchgeführten Erhebung der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften zhaw zum Energiebedarf der Schweiz.

Der Vorteil, der entsteht, wenn wir auf fossile Energieträger verzichten: Das Geld bleibt hier und stützt die lokale Wirtschaft. Die Energiewende kostet nicht nur, sie lohnt sich langfristig und macht uns unabhängiger.

Links
Energiestatistik der Schweiz (Bundesamt für Statistik)
Pressemitteilung der Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC)
Öl hat eine glänzende Zukunft: (Artikel des Handelsblatts)
Der Stromverbrauch des Internets (Beitrag von SRF)
Kohlekraftwerke rund um die Welt: Statistik von CarbonBrief (engl.)
BP-Energiereport 2019 (pdf, engl.)





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