Das Klima isst mit

Treibhausgas-Emissionen durch Lebensmittel

Das Bereitstellen von Lebensmitteln verursacht weltweit etwa einen Drittel der gesamten Treibhausgasemissionen. Sollte die Menschheit doch noch die Absicht haben, den Klimawandel zu verlangsamen, dann muss sie zwingend auch die Art und Weise hinterfragen, wie sie ihre Nahrungsmittel produziert und wie sie damit umgeht.

Insbesondere sollten wir uns Augenmerk auf folgende Punkte richten:

  1. Was essen wir?
  2. Wie vermeiden wir Verluste?
  3. Woher kommt unser Essen bzw. wie wird es zu uns transportiert?
  4. Wie werden Lebensmittel produziert und gelagert?
  5. Wie und wo gehen wir einkaufen?
Lebensmittel verursachen Treibhausgase. Die einen nur wenig, die andern (zu) viel.
Die wichtigsten Gründe dafür zeigt diese Infografik.

Das Produkt
Daran führt kein Weg vorbei: wer klimafreundlicher essen möchte, der verzichtet auf grössere Mengen Fleisch. Und auch andere tierische Produkte wie Käse oder Eier sollten nicht mehr allzu oft auf dem Menüplan stehen.

Für die desolate Klimabilanz von Fleisch gibt es verschiedene Gründe. Zuerst die schlechte Effizienz: Damit ein Rind, ein Huhn oder ein Schwein geschlachtet werden kann, muss es zuerst viel fressen. Gefüttert wird es mit Getreide wie zum Beispiel Weizen oder Soja. Dieses hätte man effizienter auch direkt zu Nahrungsmitteln wie Brot oder Tofu verarbeiten können.

Geflügelhaltung in den USA
Bild: United States Department of Agriculture

Der zusätzliche Schritt über das Tier verursacht eine grosse Umweltbelastung. Neben Futtergetreide benötigen die Tiere Wasser und Land. Wo jetzt – zum Beispiel in Brasilien – Tiere weiden und Futtergetreide angebaut wird, befanden sich zuvor vielerorts Wälder – deren Rodung setzte bereits riesige Mengen CO2 frei und noch mehr gelangt bei jeder weiteren Rodung in die Atmosphäre.

Zudem produzieren Wiederkäuer wie Rinder und Kühe bei der Verdauung das Treibhausgas Methan. Mehr als ein Drittel des global in die Atmosphäre gelangenden Methans entsteht durch die Viehhaltung (eine weitere Quellen in der Landwirtschaft ist zum Beispiel der Reisanbau).

Vor allem die Massentierhaltung zur Fleisch- und Milchproduktion ist für die Klimaschäden verantwortlich. Weniger problematischer dürften Milchkühe sein, die ihr Leben meist draussen auf der Weide verbringen. Zwar produzieren auch sie Methan. Aber gleichzeitig wird auf extensiv genutzten Weiden CO2 in Form von Humus gebunden.

Zudem produzieren Kühe aus simplem Gras wertvolle Nahrungsmittel. Gerade in Ländern wie der Schweiz mit viel Grasland, hat die Milchkuh darum durchaus weiterhin ihren Platz.

Rindfleisch hat eine schlechte Klimabilanz – erst recht, wenn für die Haltung von Rindern und den Anbau ihres Futters noch Regenwald gerodet werden musste. Dann liegt der Wert noch höher als die hier angegebenen 12-15 kg CO2 pro kg Fleisch – gemäss manchen Quellen bis zu 100 kg – rund die Hälfte davon aufgrund des Treibhausgases Methan.

Die Verluste
Die nicht perfekte Erdbeere, das Brot, das nicht verkauft wurde, das Gemüse, das zu Hause verschimmelt, das zu grosse Buffet, das im Restaurant vorbereitet wurde: Alle diese Lebensmittel landen grösstenteils im Müll oder auf dem Kompost. Doch jedes Nahrungsmittel, das nicht gegessen wird, ist eine Verschwendung von Ressourcen wie Ackerland, Wasser und Energie.

Je mehr Energieaufwand in der Produktion steckt, desto grösser die Umweltbelastung. Unter anderem entstehen unnötige Treibhausgas-Emissionen. Gäbe es keine Nahrungsmittel-Verschwendung, lägen sowohl Umweltbelastung als auch die CO2-Emissionen der Schweiz um 10-15% niedriger.

Die Verluste bei den Lebensmitteln sind riesig. Wenn wir sie reduzieren, tun wir Gutes für die Umwelt – weil wir weniger (intensiv) produzieren müssen.

Wie gross das Ausmass der Lebensmittelverluste ist, zeigt unter anderem eine Untersuchung von Claudio Beretta und Stefanie Hellweg von der ETH Zürich. Die Wissenschaftler errechneten, dass für den Konsum in der Schweiz insgesamt 2,8 Tonnen Lebensmittel pro Jahr verloren gehen. So verursachen aussortierte, weggeworfene oder nicht verkaufte Lebensmittel in der Schweiz etwa 450 kg CO2-Äquivalente pro Kopf und Jahr – dies entspricht einer Autofahrt von etwa 1500 km.

Die Lebensmittelverluste fallen auf allen Stufen an, von der Produktion über die Verarbeitung, den Transport und die Lagerung zum Handel und zum Konsumenten.

So werden nicht den Normen entsprechende Früchte und Gemüse oft auf dem Feld liegen gelassen. Dem Produzenten ist dies vielfach bereits von vornherein klar – und so baut er einfach mehr an, als nachgefragt wird.

Grösser als in der Landwirtschaft sind die Verluste allerdings bei der Verarbeitung. Ein Beispiel sind Legehennen, die geschlachtet werden könnten, wenn sie nicht mehr genügend Eier legen. Doch aufgrund der geringen Nachfrage werden rund 30% der Tiere am Ende ihres Daseins verbrannt.

Tipps, wie Lebensmittelabfälle zu Hause vermieden werden können, gibt u.a. unser Artikel Nachhaltig(er) geniessen im neuen Jahr.

Der Transport
Es liegt auf der Hand, dass Nahrungsmittel, die von weit her zu uns gelangen, nicht klimaneutral sein können. Vor allem Emissionen, die ein Transport per Flugzeug verursacht, sind generell sehr hoch. So verursachen Grünspargeln aus Peru oder Mexiko 13 kg CO2-Äquivalente pro kg Ware. Damit ist die Bilanz etwa gleich ungünstig wie bei Rindfleisch. Und wenn man einberechnet, dass Spargeln einen etwa 10-mal geringeren Nährwert aufweisen, fällt die Bilanz noch schlechter aus.

Doch nicht alles, was importiert wird, ist schlechter als das lokal Angebaute. Denn die Emissionen bei der Produktion können durchaus höher sein als diejenigen, die beim Transport entstehen. Zum Beispiel weist Gemüse, dass aus Südeuropa per Lastwagen zu uns gelangt, oft eine bessere Klimabilanz auf, als solches, das hier im mit Erdgas beheizten Gewächshaus gezogen wurde.

Die Produktions- und Lagerbedingungen
Aus der Region stammende Lebensmittel sind demnach nicht automatisch gut fürs Klima. Und auch pflanzliche Nahrungsmittel können für hohe Treibhausgas-Emissionen verantwortlich sein. Zum Beispiel setzt der Nassreisanbau bedeutende Mengen Methan frei. Und auch Lebensmittel, die unter grossem Energieaufwand aufbereitet und gelagert werden, sind klimaschädlich.

So weisen zum Beispiel tiefgekühlte Pommes-Frites mit über 5 kg CO2 pro kg eine um ein Vielfaches schlechtere Klimabilanz aus, als frische Kartoffeln. Zum einen weil sie zuerst vorfrittiert werden, zum andern, weil sie während des Transports, im Supermarkt und zu Hause ständig gekühlt werden müssen.

Damit das ganze Jahr Tomaten wachsen: Gewächshäuser werden im Winter oft beheizt.
Bild: Wikipedia, user Quistnix

Auch das Erdgas-beheizte Gewächshaus ist, wie erwähnt, keine gute Voraussetzung für klimaschonendes Essen. Besser sieht die Klimabilanz nur dann aus, wenn ein Gewächshaus mit Abwärme beheizt werden kann, die sonst einfach ins Freie gelangen würde. Diese Wärme kann zum Beispiel von einer nahen Kehrichtverbrennungsanlage stammen.

Solche Gewächshäuser sind jedoch die Ausnahme. Daher ist es sicher sinnvoller, diejenigen Nahrungsmittel einzukaufen, die auf freiem Feld wachsen. Und damit solche, die gerade Saison haben. Auch im Winter gibt es Salate und Früchte, die sich ohne all zu grossen (Energie-) Aufwand lagern lassen, zum Beispiel Zuckerhut oder Chicorée, Lauch, Knollensellerie oder Karotten.

Der Weg zum Einkaufen
Wer die Autoschlangen vor den Parkhäusern der Einkaufszentren betrachtet, muss zum Schluss kommen: Einkaufen heisst, sich zuallererst ins Auto zu setzten. Doch wer für seine Einkäufe extra mit dem Auto mehrere Kilometer zum Supermarkt oder Bauernhof fährt, tut garantiert nichts gutes fürs Klima.

Müssen wir extra ins Auto steigen, um ein Brot kaufen zu gehen?
Bild: Mae Mu auf Unsplash

Wie man bei Lebensmitteln CO2-Emissionen sparen kann.
Ein Rechenbeispiel:
Jessica und Klaus beschliessen, ihre CO2-Emissionen zu senken. Auch bei den Lebensmitteln sehen sie Sparpotential.

  • Weniger Fleisch und Käse: Statt 600 g Fleisch pro Woche und Person, kommen nur noch 200 g auf den Tisch. Wenn jedes kg Fleisch etwa 10 kg CO2 verursacht, und die pflanzliche Alternative noch 3 kg, sparen Jessica und Max je 170 kg CO2 pro Jahr. Und auch ihren Käse-Konsum senken sie um 100 g pro Woche (5,2 kg pro Jahr) und und sparen so weitere 40 kg CO2-Emissionen pro Jahr.
  • Jessica und Max werfen jetzt keine Lebensmittel mehr weg und kaufen auch mal nicht perfektes Gemüse. Während sie zuvor wie der durchschnittliche Schweizer 150 kg CO2– verursacht haben, sind sie jetzt bei der Verschwendung im Haushalt auf Null.
  • Ab jetzt wird vorwiegend saisongerecht und lokal eingekauft: Das ergibt schätzungsweise Minus 100 kg CO2
  • Jede Woche fuhren Max oder Jessica zweimal zum Einkauf in den Supermarkt der in 5 km Distanz liegt und zusätzlich dreimal zum Bäcker in 4 km Distanz. Macht zusammen 34 km pro Woche und damit 1768 km pro Jahr. Damit verursachen sie – mit ihrem Benzinauto mit einem Verbrauch von 9 Litern pro 100 km – CO2-Emissionen von 624 kg. Damit ist nun Schluss. Die beiden beschliessen, nur noch einmal pro Woche einkaufen zu gehen und das Brot auf dem Nachhauseweg zu besorgen. Macht rund Minus 200 kg CO2 pro Person.

Insgesamt haben Max und Jessica somit je 660 kg CO2-Emissionen eingespart!

Links
Klimaschonende Viehwirtschaft in der Schweiz, Bundesamt für Umwelt
Gewächshäuser, die CO2-neutral betrieben werden, Schweizer Bauer
Saisonkalender (pdf) von BioSuisse
Treibhausgase aus der Landwirtschaft, ETH-Klimablog

ergänzt am 19.3.20: The Carbon Footprints of Foods, Our World in Data

Literatur
C. Beretta & S. Hellweg; Lebensmittelverluste in der Schweiz: Mengen und Umweltbelastung. Wissenschaftlicher Schlussbericht, Oktober 2019, ETH Zürich.

Abdikaiym Zhiyenbek, Claudio Beretta, Franziska Stoessel, Stefanie Hellweg; Ökobilanzierung Früchte- und Gemüseproduktion eine Entscheidungsunterstützung für ökologisches Einkaufen; 2016, ETH Zürich.





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