Planet of the Humans

Vom Regen in die Traufe

Dokumentarfilm vom Jeff Gibbs, mitproduziert von Michael Moore und Ozzie Zehner

Der Klimawandel ist ein gigantischen Problem und Schuld daran sind die bösen Produzenten von Öl und Gas. Die Lösung: Die fossilen Energieträger müssen im Boden bleiben und wir steigen um auf erneuerbare Energien – so einfach ist das? Leider nein. Das ist die Botschaft des Dokumentarfilms Planet of the Humans von Jeff Gibbs, der seit Ende April auf Youtube gratis verfügbar ist.

Erneuerbare sollen uns aus der Abhängigkeit von Öl und Gas befreien – aus unserer misslichen Lage, in welche wir uns selbst hinein manövriert haben. Doch das ist, stellt der Film schon bald klar, nichts als eine schöne Illusion. Eine Illusion die noch so gerne aufrecht erhalten wird von denjenigen Akteuren, die davon profitieren.

Gemäss Film sind dies in den USA vor allem Grosskonzerne und Milliardäre, die nun ein neues Investitionsfeld gefunden haben. Sie bauen nun Solarkraftwerke und Windanlagen und hängen sich damit ein grünes Mäntelchen um. Bei Bau und Betrieb dieser Kraftwerke hingegen wird Nachhaltigkeit klein geschrieben.

Dies zeigt der Film anhand beeindruckender und bedrückender Beispiele. Verwundert bis schockiert sieht man zu, wenn ganze Wälder abgeholzt werden, um damit gigantische Holzschnitzelanlagen zu befeuern. Und geradezu absurd wird es, wenn daraufhin berichtet wird, die abgeholzten Flächen würden nun – vom Helikopter aus – mit Dünger behandelt, damit das Holz schneller nachwächst. Der Dünger selbstverständlich produziert unter Verwendung von fossiler Energie.

Die Produzenten/Autoren des Films: Michael Moore, Jeff Gibbs, Ozzie Zehner (v.l.n.r.)

Der Film hält keineswegs zurück mit Kritik. Nicht nur die üblichen Verdächtigen wie Grosskonzerne und Supperreiche werden gescholten. Auch Umweltschützer kommen nicht gut weg: Sie lassen sich grösstenteils einnebeln von den Verheissungen der angeblich sauberen Energieproduktion und „vergessen“ kritisches Hinterfragen.

Das ist sicher eine der Stärken dieses Films – er macht es sich nicht einfach. Er haut nicht einseitig auf die böse Ölindustrie. Und Jeff Gibbs hält uns vor Augen, dass wir nicht denken dürfen, wir könnten weitermachen wie bisher.

Tesla statt Porsche bringt der Umwelt nichts. Wir kommen nicht darum herum, unseren Lebensstil zu überdenken, der riesige Mengen an Energie und Ressourcen verschwendet.

Grünes Mäntelchen: Apple rühmt sich, zu 100% auf “erneuerbare” Energien zu setzen. Doch wie nachhaltig ist die Energieproduktion tatsächlich?

Vielleicht ist der Film an manchen Stellen zu pessimistisch: Gibbs zeigt ausschliessliche schlechte Beispiele. Und er stellt so nachhaltige Energieproduktion als ein Ding der Unmöglichkeit dar. Dabei könnte man Holz oder Landwirtschaftliche Produkte durchaus nachhaltig zu Elektrizität oder Biotreibstoff umwandeln. Man muss für den Bau von Solaranlagen oder Windkraftwerke nicht Natur zerstören und sie am Ende der Lebensdauer einfach verlottern lassen.

Aber der Film stellt die richtigen Fragen: Wie konnte es soweit kommen, dass die Erneuerbaren oft alles andere als nachhaltig sind. Wie sollen wir leben, ohne die Welt zu zerstören? Beantworten kann Gibbs dies nicht – dazu bräuchte es wohl einen weiteren Film.

Verlotterte Windkraftanlage: Viel Energie und viele Rohstoffe wurden in dieses Kraftwerk gesteckt – war das nachhaltig?
Den Film gibt’s gratis auf Youtube.

Links

Website des Films

Diskussion über den Film mit Michael Moore, Jeff Gibbs, Ozzie Zehner

Seite von Ozzie Zehner





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