Aksel Lund Svindal: “Grösser als ich”

Mit eiserner Disziplin zurück an die Spitze

Der norwegische Skifahrer Aksel Lund Svindal blickt in seiner Biografie auf Erfolge und Rückschläge zurück. Sein eiserner Wille, nach schweren Verletzungen wieder an die alpine Spitze zu kommen, ist beeindruckend.

Verschnaufpausen? Ein Fremdwort für Aksel Lund Svindal. Zumindest wenn man die Biografie des norwegischen Skifahrers liest. Er sagt denn auch: «Ich wollte zu viel auf einmal erzählen, und manchmal hat es mich aus der Kurve getragen.» Doch wer ein solch intensives Leben hat wie der fünffache Weltmeister, dem verzeiht man ein hohes Tempo, welches in «Grösser als ich» steckt. So schnell der ehemalige Profi-Sportler jeweils die Pisten herunterbretterte, so erzählt er sein bisheriges Leben – ehrlich und authentisch.

Aksel Lund Svindal erlebte sowohl privat als auch in seiner Karriere viele Höhe- aber auch Tiefpunkte. Der 37-Jährige wächst in einer ehemaligen Bäckerei, die seine Grosseltern früher betrieben, auf. Seiner Mutter war es wichtig, dass Svindal und sein Bruder von klein auf viel Bewegung hatten. Neben dem Trampolin, welches die Kinder fleissig nutzten, stand schon früh der Skisport im Fokus. Nicht als Leistung, sondern aus Freude am Skifahren. «Ich wollte die anderen Elfjährigen besiegen, aber ich träumte nie davon, Weltmeister zu werden.» Svindals Eltern lernten sich kennen, als beide als Skilehrer tätig waren. Als Svindal zarte acht Jahre alt ist, stirbt seine Mutter bei der Geburt des dritten Kindes. Ein einschneidendes Erlebnis in der Kindheit.

Sturz in Beaver Creek als Wendepunkt

In seiner Sportler-Karriere musste Svindal immer wieder Rückschläge einstecken, langwierige Knieverletzungen oder kleinere Blessuren begleiteten ihn. Der Wendepunkt in seinem Leben sei aber der schwere Sturz bei einer Trainingsfahrt im amerikanischen Beaver Creek gewesen. «Der Sturz und die Verletzung markierten das Ende einer Epoche in meinem Leben und den Beginn einer neuer.» Svindal war haarscharf am Tod vorbeigeschrammt. Immer wieder erlebte der zweifache Olympiasieger nach den Verletzungen erfolgreiche Comebacks. Der Norweger wirkte in den Rennen nie verbissen, seine grosse Stärke war der eiserne Willen, wieder zurück an die Spitze zu kommen. 2019 trat Aksel Lund Svindal nach seinem letzten WM-Rennen im schwedischen Åre zurück. Dass ihm dieser Entscheid nicht nur leichtfiel, zeigen folgende Worte, als er mit dem Auto nach Hause fuhr: «Acht Stunden in einem Auto zu sitzen und draussen die schwedischen Wälder vorbeziehen zu sehen, war genau das, was ich jetzt brauchte. Ich wollte die Zeit nutzen, all die Gedanken und Gefühle zu sortieren, die mir immer noch im Kopf herumschwirrten.»

Auf über 300 Seiten hat man als Leser das Gefühl, als sässe Svindal neben einem und erzähle Sequenzen aus seinem Leben. Die Autobiografie berührt durch ihre erzählerische Sprache, die stellenweise mit philosophischen Gedanken gespickt ist wie «Das Leben besteht aus Tausenden kleiner und grosser Wahlmöglichkeiten, und die Summe all dieser Entscheidungen bestimmt darüber, ob du die Ziele, die du dir gesetzt hast, erreichst.».

Titel: Grösser als ich. Die Autobiografie.
Autor: Aksel Lund Svindal
Mitautor: Torbjørn Ekelund
Übersetzer: Wolfgang Butt
Verlag: Malik
Seiten: 320
Preis: 32.90 CHF





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