Remoter wird es nicht

Der Spiele-Ressort-Jahresrückblick

In vielerlei Hinsicht ist 2020 das 2019 von heute: Zu politisch und gesellschaftlichen Herausforderungen nimmt man mal in sehr schwankender Geschwindigkeit Stellung: Entschließt man sich dennoch als Entwicklungsstudio oder Publisher dazu, bekommt man entweder Flak des Weiß-Niederträchtigen-gamOOOr-Zorns oder MG-Feuer des aktivistischen Progressive-Flügels ob der leeren Geste. Die 2020er-Minenfeld-Kombi heißt Crunchtime – Sexual Misconduct – BLM. Aus leidvoller Branchen-Erfahrung sei der zynische Einwurf gestattet, dass wir im Juni 2021 einen Blick zurückwerfen wollen, um zu prüfen, was davon noch Schlagzeilen macht.

…weiter: Die Xbox One Series X/S bzw. PlayStation 5 also. Ja…und? Das sind dann eben die Nintendo Switch Lite und das Capcom Home Arcade des letzten Jahres (letztere bekommt man angeblich wenigstens aktuell, aber keine Entitlement-Prosa hier bitte). Und natürlich…Stadia…wie konnten wir die (nicht) vergessen. Vielleicht wird es besser, wenn wir Ihnen stecken, dass Persona 5 Royal die höchste Metacritic-Score 2020 mit 95 abräumte (Stand 23.12.2020)? Platz 2 und 3 teilen sich mit 93 übrigens The Last of Us Part II und Hades (!!!Intern: vor Freude weinende Twitter-Bubble hier einfügen!!!) Nein, auch nicht?    

Wie der von Kolleg*innen häufig ohne Quelle benannte “Branchendienst” Wikipedia meldet, soll es doch noch etwas Außergewöhnliches 2020 gegeben haben: “The video game industry in general saw a massive boost from the pandemic, since people under pandemic lockdowns were forced to stay home, with video games becoming a popular pastime.” Dass sich durch eine Pandemie Produktentwicklungen und -auslieferungen verzögern oder Events abgesagt werden müssen, löste freilich keine…was…einen Moment…da kommt eine Meldung rein…”Todesdrohungen? Weil Patches zu spät kommen? Mhm…verstanden, ja, gebe ich so durch!”…ja, werte Leserschaft. Da haben Sie es! Der Mensch bleibt auch 2020 offenbar eine selten dumme Sau. 

Und jetzt zu unseren werten Autor*innen. 

Rudolf Inderst 

2020 war ein Jahr, das ich eher über Spiele sprechend und schreibend als spielend verbrachte. Und das hat mir großen Spaß bereitet. Aber vielleicht fange ich von vorne an.

So richtig, richtig intensiv habe ich dieses Jahr nur bei zwei Titeln angegriffen: Gears 5 und Tony Hawk Pro Skater 1&2. Man könnte es sogar noch weiter verkürzen – und zwar auf Formel: Horde & Warehouse. Um ein Trio zu bilden, reicht die Spielzeit von Borderlands 3 nicht aus. Hier war ich zwar einigermaßen regelmäßig mit Kolleg*innen in der Kampagne unterwegs, aber die dort verbrachte Zeit reicht nicht an die beiden genannten Konkurrenten heran. Nicht einmal ansatzweise. Dabei erfüllen die beiden Titel sehr unterschiedliche Funktionen: Während Gears 5 im Horde-Modus die soziale, die gemeinschaftliche Komponente unterstreicht (etwas, das in Zeiten fehlender Couch-Koop-Sessions enorm bedeutsam ist), bildet das lockere Dahinskaten im Warehouse eine Entspannungs-Komponente, zu der man auch gerne den ein oder anderen Podcast hören kann. 

Der Puls steigt dann vielleicht, wenn ich – als THPS-Amateur – einmal näher an die halbe Million Punkte durch einen Zufall rolle. Aber sonst: tiefenentspannend. Pünktlich zum Ende des Absatzes fallen mir noch eine Handvoll Adventures ein, die wir im Quasi-Corona-Hausstand einer näheren Ludo-Aktivität unterzogen: Dazu zählte in etwa das melancholische Draugen, das reizende Trüberbrook, die großartigen ersten beiden Episoden The Adventures of Bertram Fiddle, das bedrückende The Town of Light, das ambitionierte Nevermind, das seltsam-balancierte Yesterday Origins, das unterhaltsame Baphomets Fluch 5 und das runde Batman: The Telltale Series.   

Apropos Podcasts mit Schwerpunkt Spiel – hier verbrachte ich wohl die meiste Zeit mit Kotaku Splitscreen und bin gleichzeitig gespannt, wohin sich der neue BBC-Podcast Press X to Continue bewegt (aktuell erscheint er mir noch etwas arg, nun, produkt- und marketingnah zu sein). Sehnervansprechend kamen das Jahr über wieder viele, viele Minuten zusammen, gefühlt entdecke ich auf YouTube jede Woche einen neuen Kanal, der qualitativ einfach so großartige Inhalte anbietet. Es fällt mir schwer, hier ein paar einfach so zu nennen, ohne das schlechte Gewissen zu bekommen, anderen keine Exposition zu geben (nicht, dass unsere bescheidene Reichweite zu einer solchen führen würde – Deität bewahre! Das sind zum Beispiel, nur um einmal drei zu nennen,  thegamingmuse, Jacob Geller oder Einzelgänger.  

Nahaufnahmen-intern freute es mich besonders, dass erstens mit Christian Kandlin ein neues Gesicht mit an Bord ist und zweitens Norman “The Human Achtarmiger-Typewriter” Volkmann als neuer Co-Ressortleiter dabei ist und wir damit das weit geöffnete Tannhäuser Tor, welches Christof als scheidender Geist durchschritt, wieder schließen konnten. Doch Kollege Zurschmitten wäre nicht Zurschmitten, wenn er nicht auch an das James-Bond’sche-Will-Return-In-XY-Credo glauben würde: Für 2021 haben wir zu dritt etwas ganz Wunderbares in der Planung – bleiben Sie dran! #CollectorsThreesomeButNotThatKindOfThreesomeEdition 

Insgesamt kamen in diesem Jahr 16 Artikel im Ressort zusammen und diese generierten 790 Millionen 6.000 Views. Ja, ich habe, was die Reichweite betrifft, weiter oben nicht übertrieben – immer schön bei der Wahrheit bleiben, schließen honoriert das die Leserschaft durch ihre Zeit, ihre Reaktionen wie dem Teilen unserer Beiträge und finanziellen wie Sachspenden. 

[…] 

Merke: Finger weg von abgelaufenen Glühwein. Auch wenn es nur zwei (oder drei?) Flaschen sind.   

[…] 

Was mir dieses Jahr natürlich auch besonders Spaß gemacht hat, war über die Ressort-Arbeit in anderen Kontexten zu sprechen, zum Beispiel im Rahmen meiner Lehrtätigkeiten an der Hochschule Trier oder Fresenius – wenn da nämlich das Schreiben über Spiele auf den Lehrplan rückt, kann ich die Schatzkiste öffnen und aus dem disziplinierten sowie geordneten Redaktionsalltag berichten.  

Und sonst? Ja, wer erinnert sich nicht – Microsoft mutet Mixer, Amazon moonshootet Luna und Epic, Apple sowie Google ziehen sich gegenseitig an den Haaren wegen eines bunten Pew-Pew-Spiels. Bleibt jetzt noch die Frage nach dem Spiel des Jahres oder? Dass ich über jenes keinen eigenen Artikel schrieb, zeigt (mir selbst) die Ehrfurcht vor dem Spiel. Es ist die Angst, ihm nicht gerecht zu werden, vielleicht auch die hermeneutische Furch, es nicht “verstanden” zu haben. Auf etwas hereingefallen zu sein, nein, zu GLAUBEN, man sei darauf hereingefallen zu sein, ohne es im Ansatz richtig durchleuchtet und erfasst zu haben: Kentucky Route Zero erschien Ende Januar 2020 für Xbox. Und…mein Gott, ich fiel so tief in den Kaninchenbau. So tief. Und bis erahne ich nicht, ob ich bereits wieder Tageslicht erblicke(n werde). 

Und 2021? Nun, ich hoffe selbstredend auf den Reboot-Release meines Action-RPG des Herzens: Dungeons & Dragons: Dark Alliance. Und ganz ehrlich: Wenn dann noch HALO Infinite erscheinen sollte, ist das Jahr doch sowieso durch. P.S. Spielt mehr von Puppet Combo (und The Convenience Store)! 

Kampagnen 2020 – “ein Beispiel”

Norman Volkmann

Hätte es ein besseres Jahr geben können, dass dem Menschen den Eskapismus quasi aufdrängt? Obwohl ich weniger Zeit mit Videospielen verbrachte, sehnte ich mich stärker nach verschiedenen Spiele-Erfahrungen als in den vergangen Jahren. Ich las mehr, schaute mehr Filme und verbrachte einen großen Teil meiner Freizeit in Welten fernab der Realität.  Dass ich diese Optionen überhaupt habe und mir keine Gedanken um meinen Job oder das Dach über meinem Kopf machen musste, war auch ein Grund für die Sehnsucht nach Ablenkung – die eigenen Privilegien waren mir selten so bewusst, wie in diesem Jahr. Denn die Welt hörte nicht auf, sich zu drehen. Horror-Szenarien abseits einer weltweiten Pandemie dominierten weiterhin die Schlagzeilen und machten auch vor Videospielen keinen Halt. In Anbetracht von Themen wie schlechten Arbeitsbedingungen, Rassismus oder toxischem Verhalten konnte ich über missglückte Spiele-Releases, enttäuschte Erwartungen von Spieler*innen oder grenzwertige Geschäftspraktiken von Publishern nur müde lächeln.

Dennoch: Ich hatte in diesem Jahr erstmals wieder vermehrt Spaß mit Spielen, Spaß am Ausprobieren. Neben dem tatsächlichen Drücken der Knöpfchen auf dem Controller, war es vor allem der Co-Ressortleiterschaft bei nahaufnahmen, die mir viel bedeutete. Daneben natürlich das von Rudolf bereits angedeutete Top-Secret-Projekt mit ihm und Kollege Christof Zurschmitten, das uns viele Montag-Abende im Zoomcall zusammenkommen ließ und im nächsten Jahr das Licht der Welt erblicken wird. 

Während des ersten Lockdowns im März 2020 flitzte ich mit Podcasts im Ohr in Lonely Mountains Downhill wahnsinnig knuffige und bockschwere Berge herunter. Im Frühsommer schaute ich meiner Frau fasziniert über die Schulter, als sie Cuphead mit einer Verbissenheit durchspielte, die ich selbst in Spielen nie an den Tag legen würde. Den Co-op-Modus musste ich irgendwann abbrechen, weil mich das Spiel so sehr in den Wahnsinn trieb. Wenn es nicht noch so wahnsinnig toll ausgesehen hätte, hätte ich vermutlich noch weniger Zeit ausgehalten. Ich selbst holte sowohl Metal Gear Solid 5 als auch Death Stranding nach und lernte erneut wirklich gute Spielmechaniken schätzen. Mit Sea Salt, Carrion, Coffee Talk wagte ich mich an Konzepte, die mich zumindest auf den ersten Blick gar nicht reizten und positiv überraschten. Battletoads war dabei die größte Überraschung. Startsequenz und End-Credits an einem Abend – auch das war in den letzten Jahren kaum mehr denkbar. Zu guter letzt schwelgte ich mit Shadow of the Collossus, Firewatch und Rayman Legends in Erinnerungen an die gute, alte Zeit, die es so natürlich nie gab. Es war dennoch wunderschön, sich wieder in die wohlige Geborgenheit alter Lieblingsspiele zu begeben. Apropos: Die Streams von Dhalucard zu Among Us haben in diesem Jahr einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen gewonnen. Ich habe zwar selbst keine Minute des Spiels selbst gespielt, aber allein das Zuschauen lieferte einen solchen Unterhaltungsfaktor, wie ich ihn es als Twitch-Muffel noch nie erlebte.

Würden wir es küren, wäre The Last of Us Part II wohl mein Spiel des Jahres, trotz erzählerischer Schwächen und Längen, trotz des mechanischen Stillstands, trotz der widrigen Umstände der Entwickler*innen bei Naughty Dog. Es war das erste Spiel, dass ich seit längerer Zeit bis spät in die Nacht spielte, bei dem ich einfach immer wissen wollte, was als nächstes passiert. Es war der erste Titel seit langem, über den es sich zu reden lohnte, an dessen Charakteren ich mich reiben konnte. 

2020 brachte zudem zwei neue Konsolen in den Haushalt. Die Xbox Series X ist die erste Konsole, die ich zum Start eines Konsolen-Launches kaufte und was soll ich sagen: Gelohnt hat es sich bislang lediglich für die Ladezeiten. Eine Überraschung war das keineswegs, doch die Aufregung legte sich nach dem ersten Setup sehr schnell. Alles sieht gleich aus, der Teufel steckt noch im Detail. Doch ich habe weder den Kauf zum Startzeitpunkt bereut, noch berührte mich der fehlende Support der Knaller-Exclusives. Die Diskussionen über die neuen Konsolen und welche nun auf lange Sicht die bessere Investition seien, sind so ermüdend wie überflüssig. Die einzige Diskussion, die ich mehrfach führte, war die mit Kollege Daniel Appel, der weiterhin der Meinung ist, dass die PS5 nicht die hässlichste Konsole sei, die jemals gestaltet wurde. Wahnsinn. 

Viel aufregender war dagegen die späte Anschaffung der Nintendo Switch, die zum Jahresende nach mehrjähriger Abstinenz endlich auch wieder berühmte Klempner-Brüder in zahlreichen Spiele-Varianten auf den TV schickten. 

Und nun? Setzt man alle Hoffnungen auf 2021 und geht davon aus, dass alles besser und fairer wird, was jetzt noch so aussichtslos erscheint? Die Änderung der Jahreszahl verbessert keine Ungerechtigkeiten, löst keine Probleme und gibt keinen Halt. Aber es gewährt die Möglichkeit, abzuschließen, sich zu Ordnen, mit frischen Gedanken in 2021 zu starten. Auch 2021 wird schon früh genug frustrierend, dafür sorgen die Gamerz schon. Ich freue mich trotzdem auf ein Jahr mit neuen Spielerfahrungen, ohne mir über konkrete Titel Gedanken zu machen. Ich hoffe auf viele textliche Auseinandersetzungen der Autor*innen mit großen und kleinen Themen der Branche und über all die Titel, die da kommen mögen. 2021? Wird schon, irgendwie.

Stefan von der Krone

Wir alle wissen, dass 2020 ein außergewöhnliches Jahr war. Deshalb werde ich hier nicht weiter darauf eingehen. Nur so viel: Als Entwickler ist Home Office ein Fluch und Segen zugleich. Einerseits kann ich theoretisch von jedem Ort der Welt aus arbeiten, solange ich nur Zugang zum Internet habe. Das ist ein Privileg so ziemlich aller Tätigkeiten am Bildschirm. Die Herausforderung folgt aber sogleich mit der familiären Verantwortung, die eine vierjährige Tochter sowie ein frisch geborener Sohn mit sich bringen. Alle verlangen nach ungeteilter Aufmerksamkeit, ob es nun die Kinder, die eigene Frau oder die Kolleg*innen bzw. das aktuelle Projekt “auf Arbeit” sind. Es freut mich dennoch, dass ich durchaus viel Zeit zum Zocken hatte. Und unter den von mir gespielten Spielen waren einige Perlen.

Resident Evil 3 Remake mag bei den Kritiken nicht so gut weggekommen sein, wie das wirklich exzellente Resident Evil 2 Remake. Aber kein Spiel zuvor hat mich so sehr motiviert, es immer wieder aufs Neue durchzuspielen. Und da meckert manch einer, dass die Resident Evil Spiele immer zu kurz seien. Länge ist nicht alles, denn wenn der Gameplay-Loop so süchtig machend ist, dann haben die Entwickler vieles richtig gemacht. OK, Nemesis ist nicht mit Mr. X zu vergleichen, aber er ist auch nur ein Teil den Spiels. Am Ende lief es darauf hinaus, dass ich lediglich einen Abend für einen Durchlauf benötigte. Das Spiel belohnt natürlich für die möglichst effiziente Spielweise. Klasse. Seitdem warte ich darauf, endlich wieder Zeit für Teil zwei zu finden. Bisher ohne Erfolg.

Es folgte der Shooter-Kracher schlechthin: DOOM Eternal. Schon DOOM (2016) hat mein Shooter- und Action-Herz höher schlagen lassen. DOOM Eternal treibt das ganze auf die Spitze. Mehr Taktik, mehr Story, mehr Gegner, mehr Jump’n’Run — einfach voll auf die Zwölf. Den Entwickler*innen gebührt dabei Respekt, dass sie dem Spiel diese enorme taktische Tiefe verpassen konnten. Munition, Gesundheit und Panzerung ist im Verhältnis zur Gegner-Menge äußerst rar gesät. Es gilt also die Ressourcen anderweitig zu bekommen, das geht nur mit den zusätzlichen Werkzeugen wie Glory-Kill (spendiert Gesundheit), der Kettensäge (setzt Munition frei) sowie dem Flammenwerfer (gibt Panzerung). Das arenen-hafte Map-Design, das vorrangig eher an die alten Zeiten von Quake 3 Arena und Unreal Tournament erinnert, und die verschiedenen Gegner-Wellen ergeben eine knackige Herausforderung auch auf niedrigeren Schwierigkeitsgraden. Eine Schippe drauf legt dabei noch das erste Story-DLC The Ancient Gods – Part I, das mich ob seines deutlich erhöhten Schwierigkeitsgrades fast in den Wahnsinn trieb.

Dann war da noch The Last Of Us Part II. Und mit diesem Spiel zeigte sich prächtig, wie kaputt die Spiele-Community ist. “Oh nein, homosexuelle Liebe, wie schrecklich!” “Igitt, Abby hat ja einen Körper wie ein Kerl!” “Wie können die nur Joel töten!?” Um nur einige der unsäglichen Reaktionen zu nennen. Leute, kommt mal klar! Während das Medium Videospiel weiter erwachsen wird, bleibt ihr emotional auf der Strecke (oder im Kindesalter stecken). Frauen sind in Videospielen keine sexuellen Phantasien für Männer mehr, auch sie können (schon lange) bad-ass daherkommen und selbstredend ein ganzes Spiel tragen. Und ganz ehrlich, Joel wurde zu Beginn getötet, weil er im ersten Spiel Mist gebaut hat und nun den Preis dafür zu zahlen hatte. Außerdem brauchten die Entwickler*innen einen Anstoß für die Geschichte des Nachfolgers. Wo wir bei der Geschichte sind: Keine Ahnung, was da alle haben. Ich empfand sie als mitreißend und stimmig zugleich. Aber ich gestehe auch, dass ich die Story von Sucker Punch klasse finde. Ungeachtet dessen hat mich am Ende vor allem die zweigleisige Erzählung überzeugt.

Für so manchen Playstation-Fan folgte aber erst später das GOTY 2020: Ghost of Tsushima. Sucker Punch (diesmal die Entwickler) haben hier den letzten großen Kracher der PS4 abgeliefert. Mein Kollege Christian Kandlin hat dazu einen absolut lesenswerten Artikel geschrieben. Was mich betrifft, so hat mich dieses Spiel vor allem bei der Atmosphäre überzeugt. Die Grafik, die Farbpaletten sowie die Szenerien sind atemberaubend. Das Gameplay ist sehr kurzweilig und bietet durchaus Tiefgang, ohne dabei aber die Qualität eines Sekiros: Shadows Die Twice zu erreichen. Ich empfehle einen höheren Schwierigkeitsgrad, wenngleich die Stand-Offs im späteren Verlauf dann mitunter kaum noch schaffbar sind.

Der letzte Kracher kam für mich kurz vor der Veröffentlichung von Cyberpunk 2077: Ghostrunner. Passenderweise ein sehr guter Appetizer für CD Projekt REDs Blockbuster. Wer Hotline Miami mochte, sollte sich das Spiel von One More Level und Slipgate Ironworks unbedingt anschauen. Platforming aus der Ego Perspektive mit herausforderndem Schwierigkeitsgrad und tanzbarem Soundtrack: was will man mehr. Wie auch im bereits erwähnten Hotline Miami muss man ganze Abschnitte ohne Ableben überstehen und dabei unzählige Gegner ins Jenseits befördern. Mit Katana und diversen Cyber-Upgrades schnätzeln sich Spieler*innen durch die Gegner. Der Kniff dabei: ein Treffer sorgt für das eigene Dahinscheiden. Ausweichen und das Blocken der Projektile sind also überlebenswichtig. Glücklicherweise geht’s mit einem Tastendruck sofort und ohne Ladebildschirm zurück in die Action. Abseits kleinerer Bugs ein durchweg hervorragend umgesetztes Spiel mit exzellentem Leveldesign, bei dem die Suche nach der perfekten Route lange an den Bildschirm fesselt.

Leider konnte ich so manche Spiele kaum oder einfach gar nicht spielen. Was ich nicht spielen konnte, obwohl ich es gerne hätte: Tony Hawk’s Pro Skater 1+2, Hades, Children Of Morta, Ori and The Will of the Whisp, Streets of Rage 4 und Death Stranding. Vielversprechende Anspielstunden verbrachte ich mit Mortal Shell, Ion Fury, und The Touryst. Zu wenig Zeit hatte ich leider für Hollow Knight. Und da ich DOOM Eternal erwähnte möchte ich einen Retro-Kracher nicht unterschlagen: Amid Evil. Wer sich in die späten Neunziger mit ihren Old-School-Shootern zurückversetzen möchte, liegt hier definitiv richtig.





Rudolf Inderst

*1978 in München. Lebte in Kopenhagen und verliebte sich. Doppelt promoviert, übernimmt er Verantwortung als Ressortleiter für digitale Spiele hier bei nahaufnahmen.ch. Liebt Stanislaw Lem, Hörspiele und Podcasts. Spielt Videospiele seit etwa 40 Jahren. Lehrt Game Studies (aktuell u.a. in Neu-Ulm), trägt gerne Bart und vertrat jüngst eine Professur für "Intermediale Ästhetik" an der Hochschule Trier.

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