Keine grosse Lust auf Klimaschutz

Nach der Abstimmung

Das CO2-Gesetz hätte eine Reihe von Klimaschutz-Massnahmen gebracht. Doch eine Mehrheit wollte nichts davon wissen. Es stellt sich die Frage: Warum sind wir immer noch nicht bereit, den Klimawandel zu bekämpfen?

Sie warben vergeblich für ein Ja: Petra Gössi, Balthasar Glättli, Jürg Grossen
Bild: JA-Komitee Klimaschutz mit CO₂-Gesetz

Die Schweizer Stimmbevölkerung hat das CO2-Gesetz abgelehnt. Das muss zwar nicht bedeuten, dass ihr der Klimawandel und dessen Folgen gänzlich egal sind. Niemand will wirklich, dass wir in eine nie dagewesene Krise stürzen. Aber die Stimmenden sehen in ihrer Mehrheit eben auch keine Dringlichkeit und keine unmittelbare Notwendigkeit für Klimaschutz-Massnahmen. Der Klimawandel erscheint den Meisten wohl nicht als eine besonders fassbare Bedrohung. Er ist etwas, mit dem man sich auch noch später beschäftigen kann.

Er ist vielleicht sogar ein Problem, dass sich am Ende selber löst. Man hat ähnliches ja schon erlebt: Bis jetzt hat sich noch jede apokalyptische Prognose als Schwindel erwiesen und uns geht es doch gut. Dass die Zukunft der Zivilisation tatsächlich auf dem Spiel steht, wird verdrängt. Wenn der Klimawandel ein Thema ist, dann glaubt man lieber an ein (technisches) Wunder, eine unerschöpfliche und saubere Energiequelle zum Beispiel, oder die Möglichkeit, CO2 aus der Atmosphäre zurückzuholen.

Oder aber man setzt halt einfach andere Prioritäten als sich ums Klima zu kümmern. So sind Ferien ohne Fliegen für Viele undenkbar. Obschon ja gerade das Corona-Jahr das Gegenteil bewiesen hätte. Klimafreundliche Heizungen interessieren nur eine Minderheit, auch von den Hausbesitzern: Man will sich doch nicht mit Alternativen herumschlagen, wenn es die bewährte Ölheizung gibt.

Und nicht zuletzt das Auto! Oft heisst es, man sei halt auf darauf angewiesen. Und Manche könnten sich höhere Benzinpreise nicht leisten. Den Gegnern der Vorlage ist es gelungen, dieses Argument in den Vordergrund zu rücken. In Einzelfällen und für sich genommen ist es sogar korrekt. Aber es lässt auch ausser Acht, dass bereits mit einer minimalen Verhaltensänderung sich diese Mehrausgaben wieder einsparen liessen.

Sich überlegen, ob wirklich jede Fahrt nötig ist – das passiert heute wohl praktisch nie. Das Auto ist einfach da und man steigt ein. Oder die Tipps zum Spritsparen berücksichtigen – kaum ein Autofahrer beherzigt sie. Laufende Motoren an jeder roten Ampel beweisen es. Ein sparsameres Modell kaufen? Im Gegenteil, die Autos werden immer grösser.

Solche Gegenargumente kamen aber höchst selten zur Debatte. Dies auch, weil Verhaltensänderungen nicht sehr beliebt sind. Selber zuzugeben, dass man bisher auf dem Holzweg war, fällt uns Menschen nicht besonders leicht. Wir schaffen es nicht, unser Verhalten zu ändern, obwohl wir wissen, was eigentlich zu tun wäre.

Das gilt jedoch nicht nur für die Nein-Sager vom 13. Juni sondern auch für alle Ja-Stimmenden, die dann trotzdem mit dem Flugzeug in die Ferien fliegen. Offenbar sind wir einfach zu bequem. Wir möchten zwar etwas ändern und trotzdem am liebsten weitermachen wie bisher. Das geht natürlich nicht, beziehungsweise nur, wenn wir auf ein Wunder hoffen.

Doch auf ein solches warten wir eigentlich schon viel zu lange. Schon vor Jahrzehnten war klar, dass wir einen äusserst gefährlichen Kurs fahren. Es reicht nicht, wenn der Bundesrat und diverse Staats- und Regierungschefs eine Reihe von Bekenntnissen für den Klimaschutz abgeben. Auch der Wähler und die Stimmbürgerin muss sich nun der Verantwortung bewusst werden.

Die Politik verändert sich vielleicht in die von der Demonstrantin gewünschte Richtung. Aber tut dies auch die Meinung der Stimmenden?
Bild: Tania Malréchauffé on Unsplash


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Wie sah die Lage 2009 aus? Ein älterer Kommentar zum Thema Klimawandel hier.

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Ecodrive gibt Tipps, um den Benzinverbrauch zu senken (die sich zum Teil auch Fahrer von E-Autos beherzigen können).





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