The Gunk

Sorgen saugen, Freude ernten

Wie begegnet man einer farblosen und verseuchten Welt? Mit einem Sci-Fi-Staubsauger, ganz klar. Wer in The Gunk schleimige Parasiten den Garaus macht, wird mit bunter Fauna und neuem Leben belohnt. NORMAN VOLKMANN reiste auf einen fremden Planeten und fand die langersehnte Seligkeit beim digitalen Frühjahrsputz.

Liebenswürdig. Gäbe es nur ein Wort, mit dem ich The Gunk beschreiben würde, dann wäre es wohl das. Für mich passt derzeit kein Spiel besser in diese Zeit als der Titel des schwedischen Indie-Studios Thunderful Development. Auf einem fremden Planeten herrscht tristes Grau, weil ein Parasit die Fauna und das Leben unterdrückt. Hauptfigur Rani kann mit ihrer Hightech-Armprothese genau diesen Parasiten wegsaugen et voilà: Alles wird wieder bunt und lebendig. Ginge das doch nur auch in der echten Welt!  

Ich bin seit dem ersten Tag Nutzer des Xbox Game Pass. Das klingt überzeugter, als es ist. Nachdem Microsoft damals ankündigte, dass man seine Goldmitgliedschaft mit dem Game-Pass-Abo vereinen konnte, kündigte ich einfach nie (As-a-Service-Anbieter lieben mich). Microsoft bietet in der Spieleflatrate seit einigen Jahren stetig eine gute Mischung aus etwas angestaubten AAA-Hits, Original- und Exklusivtiteln und diversen Indies an. Zwar ist der Spielekatalog nicht endlos, doch üppig genug, um schon mal den Überblick zu verlieren.

So passiert es regelmäßig, dass ich zahlreiche Spiele installiere, nie starte und wenige Monate später wieder deinstalliere. Ordnung muss sein. Was war nun bei The Gunk anders? Ich kannte die zentrale Spielmechanik vorher: Im wunderbaren Polyneux-Podcast sprach man vom Wegsaugen außerirdischen Schleims und… was soll ich sagen: gekauft! Ich kann nicht der einzige Spieler sein, den ein Konzept dieser Art (Stichwort: Powerwash Simulator) so anspricht. Entschleunigung durch Saugen – was eine Pornoreihe für Achtsamkeitsfans sein könnte, war für mich der Grund, warum der Titel so gut funktionierte. 

Spieler*innen steuern Rani, die mit ihrer Partnerin Becks für eine Art Weltall-Transportunternehmen arbeitet und kaum über die Runden kommt. Sie landen auf einem Planeten, der wertvolle Ressourcen und somit finanzielle Unabhängigkeit verspricht, aber von schleimigen Parasiten überzogen ist. Mithilfe von Ranis Armprothese werden diese aufgesaugt und schon tritt eine wunderschöne, farbenfrohe Fauna zum Vorschein, die den Planeten wiederbelebt.

The Gunk fokussiert sich auf diese Spielmechanik und versucht sich gar nicht erst daran, unzählige weitere, halbgare Mechaniken einzubauen. Dadurch verbaut sich der Titel eine hohe zweistellige Spielzeit-Stundenzahl, ermöglicht aber gleichzeitig ein stimmiges, abgeschlossenes Erlebnis, dessen wohliges Gefühl lange nachhallt. Wo Gunk ist, wird gesaugt und wo alles weggesaugt ist, entstehen blühende Landschaften. Die Menge des außerirdischen Parasiten wächst und wächst mit jedem neuen Levelabschnitt, bis Spieler*innen schließlich vor einem mit Gunk überzogenen Turm stehen. Das gute Gefühl, als dieser endlich schleimfrei war, hätte ich gerne mal nach dem heimischen Kloputzen.  

Während ich mit Rani den Planeten erkunde und Gunk sauge, unterhält sich diese immer wieder mit Becks, die als Pilotin das Schiff nicht unbeaufsichtigt lässt. Die Gespräche schaffen dabei eine Atmosphäre, die Spielen immer noch ziemlich selten gelingt. Ich lerne die Lebensumstände, Sorgen und Herausforderungen der beiden kennen, ohne dass es sich wie schwerfällige Exposition anfühlt. Zwar sind die Gespräche nicht ganz so organisch wie beim wundervollen Firewatch, dafür sind Becks und Rani ähnlich sympathisch. Sie witzeln, fürchten sich und geraten auch mal aneinander. 

The Gunk ist bei weitem nicht perfekt, die Sprungpassagen etwa sind an manchen Stellen unausgegoren, die Kampfmechaniken etwas träge und die Wegfindung nicht immer klar. Dafür werden Spieler*innen genau an die Stelle zurückgesetzt, an der sie scheiterten und ein kurzer Blick ins Pausenmenü klärt in der Regel auch die nächsten Schritte. Das ist alles zu verzeihen, denn Rani, Becks und ihren beschränkten Roboter hatte ich in kürzester Zeit ins Herz geschlossen. Dazu kommt die unheimlich zufriedenstellende Spielmechanik und eine überschaubare Spielzeit von etwa sechs Stunden – Herz, was willst du mehr? 

 

Bereits erschienen. 

Originaltitel: The Gunk 

Plattformen: PC, Xbox Series X/S, Xbox One 

Entwickler*innen: Image & Form/Thunderful Development 

Veröffentlicht von: Thunderful Publishing 

 





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