Dead Island 2

Blutbad-Simulator

Dead Island 2 Hauptfigur sitzt auf aufblasbarer Figur in einem Pool

Endlich, ein Videospiel mit Zombies! Nach über zehn Jahren bekommt Dead Island einen zweiten Teil. Doch braucht man 2023 wirklich einen Nachfolger zu einem Titel, der seinerzeit vor allem durchschnittlich war? Auf der Suche nach der Antwort schlug NORMAN VOLKMANN sich quer durch Los Angeles und watete durch literweise Zombiesauce. Er bekam was er erwartete, aber auch nicht mehr.

Vor fast zwölf Jahren schrieb ich für das TITEL Kulturmagazin zu Dead Island einen meiner ersten Artikel. Ich liebte Romeros of-the-Dead-Reihe, verschlang jede neue Ausgabe von Kirkmans The-Walking-Dead-Comics. Die untote Brut war genau mein Ding und Dead Island spielte ich genau zur rechten Zeit. Es war ein maximal mittelmäßiges Spiel, das ich trotz seiner Limitierungen mochte. Nach der Standalone-Erweiterung Dead Island: Riptide sollte 2015 ein vollwertiger Nachfolger erscheinen: Schon 2012 wurde das deutsche Studio Yager mit der Entwicklung beauftragt. Inzwischen sind mehr als zehn Jahre vergangen – fertiggestellt wurde das Spiel von Dambuster Studios. Es ist nach Yager und Sumo Digitial das dritte Studio, das an Dead Island 2 arbeitete.

Es ist nicht das erste Mal, dass Dambuster einen Titel übernahmen und fertigstellten: 2016 verantworteten sie Homefront: The Revolution. Daran arbeiteten zuvor sowohl Kaos Studios als auch Crytek UK. Erst unter der Leitung von THQ, nach der Pleite dann bei Deep Silver. Die Entwickler:innen von Crytek wechselten damals zu Dambuster. Was beim zweiten Teil von Homefront in ziemlicher Grütze endete, soll dieses Mal bei Dead Island 2 klappen.

Dead Island 2 Santa Monica Pier bei Nacht

Es ist ein paar Jahre her und mein Gedächtnis nicht das Beste, aber die Wurzeln von Dead Island 2 sind unverkennbar – auch wenn der zweite Teil streng genommen nicht mal mehr auf einer Insel spielt. Aus sechs Spielfiguren darf zu Beginn gewählt werden: Sie alle haben unterschiedlich gewichtete Fähigkeiten, Stärken und Schwächen. So weit, so bekannt. Ich entschied mich für Amy, eine Paralympionikin, deren hohe Ausdauerwerte versprachen, dass ihr beim Schwingen von Äxten, Hämmern und Schwertern nicht so schnell die Puste ausgeht.

Dead Island 2 wirkt nicht wie ein Spiel, das so lange in der Entwicklungshölle steckte. Der Titel sieht überraschend gut aus. Los Angeles ist zu großen Teilen zerstört und diese Zerstörung wirkt glaubhaft – aufgerissene Straßen, in Schutt gelegte Häuser und zerdepperte Fahrzeuge unterstreichen das abrupte Enden der Normalität. Wohnungen und Häuser sind gestaltet als hätten dort wirklich Menschen leben können. Die Lichteffekte in dunklen Bahnschächten oder am Pier von Santa Monica sind stimmungsvoll. Es tut dem Spiel gut, dass es statt einer offenen Welt begrenzte, aber große Levelabschnitte gibt. Dadurch entsteht ein Fokus, der offenen Spielwelten oft abgeht.

Auch das beschleunigte, endgültige Ableben der Untoten durch Hieb- und Stichwaffen ist beeindruckend, sofern man es denn sieht. Arme und Beine brechen in schmerzhaften Winkeln oder verbschieden sich direkt vom Körper. Brennende Zombies verkohlen komplett und schlage ich mit meinem Hammer gegen Zombieköpfe, fliegen Augen oder Unterkiefer durch die Gegend.

Zombie im Kampf bei Dead Island 2 vor einem Feuerwehrwagen

Die Brutalität des Nahkampfs macht Dead Island 2 aus. Das ist kein neuer Trick, denn Körperteile flogen auch im Vorgänger. Es sieht nur jetzt noch schlimmer aus, wenn auf Zombies eingehackt wird. Besonders zu Beginn war ich geschockt vom Detailgrad des Gores. Nach einigen Stunden immergleichen Kampfgeschehens und einer schmalen Varianz an Gegnern ließ dieser Effekt allerdings deutlich nach. Das Kampfsystem fühlt sich kaum anders an, als ich es vom Vorgänger erinnerte. Mit schweren Angriffen können Animationen für kritischen Schaden ausgelöst werden, doch in der Regel schlug ich wild um mich, wenn eine Gruppe Zombies in der Nähe war. Der Fokus auf Gliedmaßen empfiehlt sich zwar, endete jedoch häufig darin, dass ich große Teile des Spiels auf Zombiefüße starrte und die Machete schwang.

Richtig blöd wird es zwischen den Gefechten. Dann nämlich müssen Spieler:innen ungelenke Kritik auf die Oberflächlichkeit von Los Angeles, die Filmindustrie und Influencer:innen ertragen. Das ist in etwa so subtil wie in GTA und bleibt am Ende genauso oberflächlich, wie alle kritisierten Subjekte selbst. Im krassen Kontrast steht dann, wenn Dead Island 2 an wenigen Stellen etwas ernster werden will. Das passt so gar nicht in die restliche Erzählung, denn die Hauptfigur nimmt im Grunde gar nichts ernst. Diese dramatischen Momente hat sich die Erzählung weder verdient, noch bekommen die Autor:innen das handwerklich auf die Reihe. Insgesamt bleibt Dead Island 2 erzählerisch viel zu handzahm. Es hätte durchgedrehter sein sollen, traute sich aber zu wenig.

Dead Island 2 Badezimmer voller Blut

Das gilt auch für das Missionsdesign. Ständig war ich auf der Suche nach Person oder Gegenstand X.  Auf dem Weg hin und zurück stapelten sich Berge an zerlegten Zombies, bevor ich schließlich zum Auftraggeber zurückkehrte. Entweder mit dem Gegenstand im Inventar oder dem Blut der inzwischen zombifizierten Person am Baseballschläger. Immer wieder müssen Spieler:innen Hinweise in Laboren oder Wohnungen sammeln: Das bedeutete, zahlreiche Hotspots wahllos anklicken – so lange, bis der Prozentbalken 100 anzeigte.

Dead Island 2 ist sich treu geblieben. Es bleibt auch 2023 das Spiele-Äquivalent für trashige B-Movies. Die Missionen sind egal, die Spielfiguren und deren Probleme ebenfalls. Wichtiger ist es, dass verrottende Zombiegehirne in Windeseile zu blutiger Masse geprügelt werden – mit brennenden Schwertern, Elektrohämmern oder vergifteten Messern. Das sieht 2023 immerhin ziemlich gut aus und bereitete mir länger Freude als ich dachte. Es ist schade, dass Dead Island 2 nicht durchgedrehter ist und auch die Waffenauswahl recht konservativ bleibt. Es geht wenige Risiken ein und aktualisiert sein Spielkonzept lediglich. Wenn ich ehrlich mit mir bin, hatte ich aber auch keine höheren Ansprüche an diesen Titel.

Bereits erschienen.  

Originaltitel: Dead Island 2 

Plattformen: PC, PlayStation 4/5, Xbox Series X/S 

Entwickler: Deep Silver Dambuster Studios

Veröffentlicht von: Plaion 





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