Robocop Rogue City

Pew pew splat

Artwork des Videospiels Robocop Rogue City

Spitzer als für Robocop Rogue City könnte eine Zielgruppe wohl kaum sein: Der Shooter von Teyon ist purer Fanservice für Paul Verhoevens Film von 1987 und dessen Nachfolger von 1990. NORMAN VOLKMANN ist alt genug, um bei Filmen aus dieser Zeit noch was zu spüren. Und er hat eine Schwäche für mittelmäßige, aber charmante Spiele.

Auch 2023 ist Paul Verhoevens Robocop ein wunderbarer Film, mischt seine Satire mit expliziter, harter Gewaltdarstellung sowie einem Kostümdesign, das über 30 Jahre besser gealtert ist als das lahme Tron-Cosplay, das Joel Kinnaman im Remake übergezogen wurde. Robocop Rogue City versucht, in Verhoevens Fußstapfen zu treten und das klappt in der ca. 20-stündige Kampagne mal mehr und mal minder gut. Dabei ist alles drin: Die exzessive Gewalt, mit der die privatisierte Polizei gegen Kriminalität vorgeht. Der Hass auf und Wunsch nach dem Beseitigen von armen Menschen. Die unstillbare Gier und Kontrollsucht von Konzernen. Die Verschmelzung von Mensch und Maschine und die daraus resultierende Frage nach Identität.

Doch viel fällt Rogue City dazu nicht ein. Aufgrund von Software-Aussetzern muss Alex Murphy/Robocop nach jedem Einsatz mit einer Psychotherapeutin sprechen. Das gibt Spieler:innen die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, in welche Richtung er sich im Laufe des Spiels entwickelt. Dabei wird schnell offensichtlich, dass der Titel es bevorzugt, wenn Spieler:innen auf die Menschlichkeit von Murphy setzen. Er ist freundlicher zu seinen Kolleg:innen, baut eine gute Beziehung zu seiner Therapeutin auf und behandelt die Bevölkerung mit mehr Nachsicht. Menschliche Entscheidungen, das Zustehen von Fehlern und Vertrauen führen dazu, dass er auch von seiner Umwelt positiver gesehen wird.

Spielwelt in Rogue City mit wunderschönen Pfützen

Technisch ist Rogue City durchwachsen – die grafische Potenz der Unreal Engine 5 kommt nur in Teilen zum Vorschein. Rumpelt man durch Alternativ-Detroit der 80er, sehen vor allem Lichtstimmungen und Umwelt umwerfend aus. Farbige Neonröhren spiegeln sich wunderschön in Pfützen, Laternen werfen realistisches Licht durch Fenster. Beindruckend detaillierte Blutspritzer laufen nach getaner Polizeiarbeit die Wände herunter. Hier steht Rogue City vor allem dem ersten Film in nichts nach: Köpfe platzen nach Schüssen der Auto 9 wie reife Melonen, Arme und Beine fliegen schneller durch die Gegend als im Moshpit eines Hardcore-Konzerts. Der Unterschied zwischen Spielwelt und menschlichen Figuren ist hingegen überwältigend. Die sehen ausnahmslos aus, als wären sie direkt aus Fallout: New Vegas exportiert worden.

Das Missionsdesign würde so schon kaum Preise gewinnen, doch wenn Robocop Strafzettel für Falschparker verteilen, seinem duschenden Chef ein Handtuch bringen oder für eine Genesungskarte Unterschriften sammeln soll, darf man sich schon fragen, warum das Spiel überhaupt über zehn Stunden lang ist. Zwar wird es selbst ohne diese Puffer selten innovativ, dafür darf man seinen Widersachern während der Feuergefechte Motorräder ins Gesicht werfen. Ist auch ein Trost.

Zwischensequenz aus Robocop Rogue City

Robocop Rogue City ist ein absolut mittelmäßiger Shooter, aber der beste Robocop-Simulator. Neben der Polizeistation gibt es zahlreiche Ecken, die man aus den ersten beiden Filmen kennt und sofort wiedererkennt. Robocop selbst wird vom ursprünglichen Schauspieler Peter Weller gesprochen und sieht in den Szenen ohne Helm exakt aus wie 1987. Manche Verweise sind erzwungener als nötig (etwa die Fehlfunktion von ED-209), doch man spürt, dass hier Franchise-Kenner am Werk waren. Der Anspruch war offensichtlich nicht, einen innovativen Shooter zu entwickeln, sondern Robocop möglichst werktreu spielbar zu machen. Unter dieser Maßgabe ist Rogue City ein voller Erfolg.

Bereits erschienen.  

Originaltitel: Robocop Rogue City 

Plattformen: PC, PlayStation 5, Xbox Series X/S 

Entwickler: Teyon

Veröffentlicht von: Nacon





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