Gamedidaktiker auf der Überholspur

Im Gespräch mit Stefan Köhler

Viele Schüler:innen hätten sich wahrscheinlich back in the days eine Lehrkraft wie Stefan Köhler gewünscht. Weshalb das so ist, zeigt RUDOLF INDERST im folgenden kleinen Plausch unter ludophilen Geistern mit einem der aktivsten Gamediskurs-Teilnehmer auf LinkedIn. 

Rudolf Inderst (RI): Lieber Herr Köhler, schön, dass Sie die Zeit gefunden haben für einen kurzen Gedankenaustausch. Mögen Sie sich bitte unseren Leser:innen zunächst kurz vorstellen? 

Stefan Köhler (SK): Danke zunächst für die Einladung, ist mir eine Ehre! Zu meiner Person: Ich bin vormittags als Lehrer für Deutsch, Englisch und Informatik tätig und ansonsten damit beschäftigt, für und über digitale Spiele zu schreiben. Was all diese Aktivitäten eint, ist wohl mein Interesse, Zusammenhänge herzustellen und anderen zu vermitteln, sowohl im Erzählen als auch in Forschung und Lehre, aber auch durch das Zusammenbringen inspirierender Ideen und Menschen in meinem über die Jahre gewachsenen, diversen Netzwerk.

(RI): Sie haben auf ganz unterschiedlichen Feldern und in unterschiedlichen Projekten mit der digitalen Spielkultur zu tun. Mich würde interessieren, was Sie so sehr an dem Thema reizt und ich möchte Sie außerdem bitten, exemplarisch ein paar dieser Wegstationen unseren Leser:innen vorzustellen.   

(SK): Als Kulturwissenschaftler, der eigentlich vom Theater kommt, haben mich Games von Anfang an nicht nur als Produkte, sondern auch als Performances (wie 2008 bei meiner virtuellen Interpretation der Insel aus Shakespeares Drama Der Sturm) und als Prozesse interessiert. Wie Letztgenannte durch Modding von Spieler:innen verändert werden können (was ich 2010 in meiner Diplomarbeit untersuchte, eine Kurzfassung davon ist im Handbuch Gameskultur (2020) zu finden), aber auch, wie sie (auf verschiedenen Ebenen) gestaltet werden können, um bestimmte Erfahrungen zu ermöglichen (siehe mein Essay Spiele erzählen. Anders – Über den Umgang mit Computerspielen im Deutschunterricht (2022)).

Auch etwas zu lernen/ einen Zugang zu einem Thema zu bekommen, kann so eine Erfahrung sein, die ich zuletzt als Narrative-Designer für das Adventure Martin Luther auf der Spur (2017) nicht nur durch die Texte, sondern auch die Gestaltung der Räume, Rätsel und des Gameplays formen durfte. Darauf aufbauend interessiert mich inzwischen aber mehr, Spielbildung in Schule zu bringen, um es Schüler:innen zu ermöglichen, selbst Erfahrungen (auch zu literarischen Texten) in Form von (digitalen) Spielen umzusetzen, wie 2023 in meinem Artikel Game Design in Schule – Bedeutung, Bedingungen und Potenzial skizziert.

Die nächsten Jahre werden zeigen, ob durch Inhalte generierende künstliche Intelligenz hier vielleicht sogar völlig neue Formen von Spiel entstehen könnten.

(RI): Lassen Sie uns am Ende des Gesprächs einmal in die Meta-Glaskugel blicken – was erwarten Sie sich von der digitalen Spielforschung in den nächsten drei bis fünf Jahren? Sehen Sie bestimmte Themen im Vordergrund?   

(SK): Auch wenn es gerade Trend ist: Ich beschäftigte mich schon länger mit den Auswirkungen von künstlicher Intelligenz – nicht nur hinsichtlich Schule, sondern auch in der Spieleentwicklung. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob durch Inhalte generierende künstliche Intelligenz hier vielleicht sogar völlig neue Formen von Spiel entstehen könnten. In Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen dürften auch nutzergenerierte Inhalte, wie aktuell auf Plattformen wie Fortnite und Roblox zu sehen, die durch KI noch zusätzlichen Schub erfahren könnten, wenn wirklich das Versprechen eingelöst würde, dass es dadurch für jeden/ jede (einfacher) möglich wäre, Games zu verändern beziehungsweise zu entwickeln.

(RI): Herzlichen Dank für das Gespräch und alles Gute für die Zukunft!

Kontaktmöglichkeiten zum Gesprächsgast:

https://www.linkedin.com/in/sckoehler

https://bsky.app/profile/fnwdhs.bsky.social

https://twitter.com/fnwdhs





Rudolf Inderst

*1978 in München. Lebte in Kopenhagen und verliebte sich. Doppelt promoviert, übernimmt er Verantwortung als Ressortleiter für digitale Spiele hier bei nahaufnahmen.ch. Liebt Stanislaw Lem, Hörspiele und Podcasts. Spielt Videospiele seit etwa 40 Jahren. Lehrt als Professor für Game Design mit dem Schwerpunkt Game Studies / Spielanalyse / Game Business an der IU und krault sich gerne seinen Bart.

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