Verdichtete Erkenntnisse

„Philosophen sind Gewalttäter, die keine Armee zur Verfügung haben und sich deshalb die Welt in der Weise unterwerfen, dass sie sie in ein System sperren.“ In dieser Weise bringt es Robert Musil – der Verfasser des bahnbrechenden Romans „Der Mann ohne Eigenschaften“ – sehr schön auf den Punkt. Die in diesem Zitat angedeutete Gewalt, die der Philosoph, der sich als rationaler Wissenschaftler versteht, der Wirklichkeit antut, lässt ihn davor zurückschrecken, seiner Weltanschauung mit den Mitteln der Philosophie Ausdruck zu verleihen. Ganz offensichtlich muss Musil klar gewesen sein, dass man so der Welt in ihrer Ganzheit nicht gerecht werden kann. Stattdessen wählte er die Dichtung und wo er sich auf wissenschaftliches Terrain begab, einen essayistischen Stil. Doch was steht hinter dieser Wahl und dem Konzept des Essayismus?

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Die Kinder der Macht

„ … niemals gab es mehr Machtzentren, niemals mehr Berührungs- und Verbindungskreise, an denen sich die Intensität der Lüste und die Beharrlichkeit der Mächte entzünden, um weiter auszustrahlen.” Dieser Auszug aus Foucaults erstem Band von „Sexualität und Wahrheit – Der Wille zum Wissen“ stellt sich die Frage nach dem Zusammenspiel von Macht und Autorität mit den Sphären der Lust und des Sexus. Als Folie soll der Fragekomplex auf die Erzählung „Die Kinder der Nacht“ von Jean Cocteau gelegt werden: wie spielen Mächte der Autorität und der anarchischen Energien aus der Erzählung zusammen und gegeneinander an in einer Dynamik, die einen Sog erzeugt, der alles mit sich in sein Vergessen reisst.

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Frage an Becketts Stücke

Wenn man sich fragt, welche Bedeutungen man Becketts Stücken einräumen kann in einem Diskurs, der uns bis heute anhält uns selbst und unser Verhältnis, in das wir zur Welt treten, neu zu denken – so kann man Beckett dann auch als den sehen, der den Existentialismus mit seinen Setzungen endgültig verabschiedete, und seine Stücke werden als Zeugnisse des Postexistentialismus gesehen, die die Linien und Spuren zu einer neuen postmodernen Konzeption von Subjektivität vorzeichnen, die sich den Parametern wie Identität einer Einheit und Ganzheit zu entledigen scheint und diese endgültig hinter sich lässt, um dem Subjekt der Vielheiten – den Identitäten als Patchwork und einer bis anhin nicht geahnten Sinnfreiheit den Weg zu ebnen.

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Kafka lesen II

Wenn man Kafka liest, wird man den Eindruck nicht los, dass den Sinnverschleifungen des Textes ein ganz starkes und ihnen eigenes Moment innewohnt – dass in ihnen eine Kraft liegt, die als Zeichenwelt paradoxerweise etwas letzlich unfassbares zeigt oder besser vorführt, indem es das Fassbare aufsprengt, dessen Horizont übersteigt und in seinem ständigen Entzug erst sich zu zeigen beginnt. Und so lässt sich im Zusammenhang mit Philosophie und Kultur, welche hier beide als ein Zeichenprozess aufgefasst werden, auf die Literatur Franz Kafkas abheben.

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Kafka lesen I

Wenn man Kafka liest, wird man den Eindruck nicht los, dass den Sinnverschleifungen des Textes ein ganz starkes und ihnen eigenes Moment innewohnt – dass in ihnen eine Kraft liegt, die als Zeichenwelt paradoxerweise etwas letzlich unfassbares zeigt oder besser vorführt, indem es das Fassbare aufsprengt, dessen Horizont übersteigt und in seinem ständigen Entzug erst sich zu zeigen beginnt. Und so lässt sich im Zusammenhang mit Philosophie und Kultur, welche hier beide als ein Zeichenprozess aufgefasst werden, auf die Literatur Franz Kafkas abheben.

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Roland Barthes – Die Lust am Text

Jeder kennt den Moment, wenn Lesen mit einem Mal in einem lustvollen Akt aufgeht und man sich plötzlich ganz und gar in dem durch die Sprache erzeugten “Film” befindet. Lust und Lesen sind in dieser Weise beinahe untrennbar miteinander verknüpft – während wir auf der anderen Seite diese Erfahrung zu einem rein geistigen Prozess stilisieren. Für Roland Barthes jedoch geht ein Text niemals in seinem abstrakten Sinn auf, sondern er revolutioniert und radikalisiert den herkömmlichen und uns geläufigen Textbegriff dahingehend, als dass der Leser wie die Textur als konkreter Textkörper sich gegenseitig im Akt des Lesens in einer Form der ekstatischen Erfahrung durchdringen und so selbst entgrenzen, transzendieren und übersteigen.

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Ein Spaziergang mit Robert Walser

„Wozu denn die Blumen? Sammelte ich Blumen, um Sie auf mein Unglück zu legen? fragte ich mich, und der Strauss fiel mir aus der Hand. Ich hatte mich erhoben, um nach Hause zu gehen, denn es war schon spät und alles war dunkel.“ Elfriede Jelinek nennt es die Poetik des Verdämmerns, in deren Vollzug sich das Bewusstsein zu verselbstständigen beginnt, indem es sich den unbewussten Mechanismen der Schrift öffnet: Ein Zustand also zwischen Ich und Sprache, wenn mit einem Male unvermittelt die Kontrolle über die Sprache – ihr Beherrscht-Werden – aussetzt, und sie selbst an Stelle eines Ichs zu sprechen beginnt.

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