Wirklichkeitsräume – Möglichkeitsräume

Das Folgende soll als der Versuch gelten das Verhältnis von ästhetischer und ethischer Erfahrung anhand von drei exemplarischen Kunstwerken auszuloten: einer Performance, einer Aufführung und einer Installation: Es zeigt sich, dass diese einerseits auf gewisse Kipp-Momente angelegt sind und abzielen, in denen die ästhetische Erfahrung in eine ethische umschlägt, andererseits sich den konkreten Rahmensetzungen entziehen, wie dies im Zusammenhang mit Voraussetzungen, Erwartungen und Haltungen, die an eine jeweilige Realität herangetragen werden, der Fall sein muss, um sich in und zu ihr verhalten zu können. Der Kippmoment wie der Schwebezustand sind für die drei in der Folge herangezogenen Beispiele in diesem Sinne konstitutiv.

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Fassung!

Das Gefühl, gleich vor Wut zu explodieren, vor Peinlichkeit oder Scham im Boden zu versinken, vor Schreck und Hilflosigkeit schier die Fassung zu verlieren, zählt wohl jede Person zu ihrem Erfahrungsschatz. Jeder von uns hat einen Begriff davon, was Fassung ist, doch meist wird die Fassung erst dann ersichtlich, wenn wir ernsthaft um sie besorgt sind. Was hat es mit ihr auf sich? Und: Was verrät die Fassung über uns selbst und uns als Mitmenschen?

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Die Crux mit dem bedingungslosen Grundeinkommen

Warum wir uns mit ´mangelnder´ finanzieller Sicherheit sogar in der reichen Schweiz so schwer tun. Und wieso es uns trotzdem gut täte, unflexible Lohnarbeit auf ein Minimum zu reduzieren, um mehr freie Zeit für die wirklich relevanten Dinge im Leben zu haben. Schliesslich wollen wir jenseits von Leistungsdruck und Profit und nicht nur in unserer Freizeit glücklich sein.

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Die Kinder der Macht

„ … niemals gab es mehr Machtzentren, niemals mehr Berührungs- und Verbindungskreise, an denen sich die Intensität der Lüste und die Beharrlichkeit der Mächte entzünden, um weiter auszustrahlen.” Dieser Auszug aus Foucaults erstem Band von „Sexualität und Wahrheit – Der Wille zum Wissen“ stellt sich die Frage nach dem Zusammenspiel von Macht und Autorität mit den Sphären der Lust und des Sexus. Als Folie soll der Fragekomplex auf die Erzählung „Die Kinder der Nacht“ von Jean Cocteau gelegt werden: wie spielen Mächte der Autorität und der anarchischen Energien aus der Erzählung zusammen und gegeneinander an in einer Dynamik, die einen Sog erzeugt, der alles mit sich in sein Vergessen reisst.

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Sprache & Gewalt – drittes Fraktal

Einer jeglichen Kategorisierung in der und durch die Sprache liegt mitunter ein gewaltsames Moment zugrunde, indem diese normt, abstrahiert, den originären Moment in den Zustand einer be-greifbaren Verallgemeinerbarkeit überführt. „Eine Sprache die sich ohne die geringste Gewalt hervorbrächte, würde nichts de-terminieren, nichts nennen und dem Anderen nichts bieten; sie wäre nicht Geschichte und zeigte nichts: in allen Bedeutungen des Wortes, zunächst aber in seiner griechischen Bedeutung, wäre es eine Rede ohne Satz,“ wobei Satz in seiner ganzen Blösse als Gestalt- und Gesetzgebung gelesen werden kann.

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Sprache & Gewalt – zweites Fraktal

Eine Lektüre von Nietzsches Aufsatz „Über Wahrheit und Lüge im aussermoralischen Sinne“ gibt bezüglich Nietzsches Auffassung des Verhältnisses von Subjekt, Wirklichkeit und Sprache besonderen Aufschluss: Für Nietzsche gibt es letztlich nur nicht-identische Relationalität, Perspektive und Pluralität: die Zeichen-Welt und „ewige Horizonte“. „ (…) nein gerade Thatsachen gibt es nicht, nur Interpretationen.“ Für Nietzsche ist die innere Struktur der Wirklichkeit ein nicht-identisches Relationsgefüge. Die Welt besteht nach ihm aus einem Ensemble von vielen Einmischungen, Hineindichtungen – die wir nichtsdestotrotz für wahr nehmen.

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Sprache & Gewalt – erstes Fraktal

Es gilt zunächst die Begrifflichkeit des Diskurses auf einer Meta-Ebene zu verorten, die gleichzeitig das Sprechen in all seinen Ausprägungen formt und bestimmt. Foucault bekundet eingangs seiner Inaugural-Vorlesung seine Schwierigkeiten – und vielleicht kann man auch von Aversionen oder Angst reden – den Diskurs zu eröffnen, mit dem Sprechen zu beginnen: Er spricht von einer „Unruhe, in die gefährliche Ordnung des Diskurses einzutreten.“

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Frage an Becketts Stücke

Wenn man sich fragt, welche Bedeutungen man Becketts Stücken einräumen kann in einem Diskurs, der uns bis heute anhält uns selbst und unser Verhältnis, in das wir zur Welt treten, neu zu denken – so kann man Beckett dann auch als den sehen, der den Existentialismus mit seinen Setzungen endgültig verabschiedete, und seine Stücke werden als Zeugnisse des Postexistentialismus gesehen, die die Linien und Spuren zu einer neuen postmodernen Konzeption von Subjektivität vorzeichnen, die sich den Parametern wie Identität einer Einheit und Ganzheit zu entledigen scheint und diese endgültig hinter sich lässt, um dem Subjekt der Vielheiten – den Identitäten als Patchwork und einer bis anhin nicht geahnten Sinnfreiheit den Weg zu ebnen.

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Kafka lesen II

Wenn man Kafka liest, wird man den Eindruck nicht los, dass den Sinnverschleifungen des Textes ein ganz starkes und ihnen eigenes Moment innewohnt – dass in ihnen eine Kraft liegt, die als Zeichenwelt paradoxerweise etwas letzlich unfassbares zeigt oder besser vorführt, indem es das Fassbare aufsprengt, dessen Horizont übersteigt und in seinem ständigen Entzug erst sich zu zeigen beginnt. Und so lässt sich im Zusammenhang mit Philosophie und Kultur, welche hier beide als ein Zeichenprozess aufgefasst werden, auf die Literatur Franz Kafkas abheben.

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Kafka lesen I

Wenn man Kafka liest, wird man den Eindruck nicht los, dass den Sinnverschleifungen des Textes ein ganz starkes und ihnen eigenes Moment innewohnt – dass in ihnen eine Kraft liegt, die als Zeichenwelt paradoxerweise etwas letzlich unfassbares zeigt oder besser vorführt, indem es das Fassbare aufsprengt, dessen Horizont übersteigt und in seinem ständigen Entzug erst sich zu zeigen beginnt. Und so lässt sich im Zusammenhang mit Philosophie und Kultur, welche hier beide als ein Zeichenprozess aufgefasst werden, auf die Literatur Franz Kafkas abheben.

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Nietzsche und die Postmoderne

Die von der neueren französischen Diskurstheorie aufgeworfene Kritik an der wissenschaftlichen und primär philosophischen Denktradition, die Nietzsche initierte, eröffnet einen neuen Erfahrungsraum und richtet sich so gegen deren zentralen Bezugskategorien wie Ursprung, Sinn und Subjekt. Was ändert sich aber nun konkret in der Philosophie und dem Denken und den Ansätzen in einer Zeit, der sämtliche übergreifenden Bezugssysteme abhanden gekommen zu sein scheinen? Ein Blick zurück.

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Verneigung vor Derrida

Wie ist das Wort Dekonstruktion zu verstehen? Wie gehen die beiden konträr sich entfaltenden Bewegungen von Destruktion und Konstruktion, die in dem Wort anklingen, zusammen? Tatsächlich ist Dekonstruktion zunächst nicht als ein Begriff, sondern als eine in ihrer Form bewegliche Art und Weise des Denkens, Verstehens und Auffassens zu entfalten. Und vielleicht auch mehr ein bestimmter Gestus des Fragens als eine konkrete Antwort – ein Versuch, das Gegebene und Bestehenden mit Fragezeichen zu versehen und so das an sich starre und fixierte begriffliche Denken in eine neue Beweglichkeit zu überführen.

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Homo revoltans

Die sich an herrschenden Machtstrukturen entladende Revolte und das Gefühl der Sinnlosigkeit, einer Absurdität des menschlichen Dasein, stellen unter einem gewissen Gesichtspunkt betrachtet zwei Seiten ein und desselben Phänomens dar: Die stets im ungewissen verlaufende Suche und das dem Menschen eingepflanzte Bedürfnis nach Sinn einerseits und dem Ausdruck der Revolution und Subversion anderseits, den sich dieses im Aufbegehren gegen diese Ohnmacht verschafft. Diese Spannung lässt sich in vielfältigen Gegensätzen verbildlichen: es ist die gegenpolige Kraft von Ja und Nein, von Kritik und Affirmation, von sich brechendem Licht an den sich stets neu differenzierenden Schattenspielen des Daseins oder an ganz prominenter Stelle: diejenige zwischen Sein und Nichts.

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Fetischdienste – Marx & Freud im Diskurs II

Waren und ihr konkreter Gegenwert – das Geld – und die mit Ihnen verbundenen Handlungen sind nach Karl Marx stets mit fetischistisch geprägten Vollzügen verflochten und verknüpft, in denen sich unbewusst etwas letztlich Irrationales artikuliert, worin sich wiederum Freud folgen lässt. Es gilt nun – den beiden Diskursen über mehrere ineinander verschachtelte Ebenen folgend – die eigentlichen Mechanismen unseres Geldsystems aufzuzeigen.

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Fetischdienste – Marx & Freud im Diskurs I

Waren und ihr konkreter Gegenwert – das Geld – und die mit Ihnen verbundenen Handlungen sind nach Karl Marx stets mit fetischistisch geprägten Vollzügen verflochten und verknüpft, in denen sich unbewusst etwas letztlich Irrationales artikuliert, worin sich wiederum Freud folgen lässt. Es gilt nun – den beiden Diskursen über mehrere ineinander verschachtelte Ebenen folgend – die eigentlichen Mechanismen unseres Geldsystems aufzuzeigen.

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Roland Barthes – Die Lust am Text

Jeder kennt den Moment, wenn Lesen mit einem Mal in einem lustvollen Akt aufgeht und man sich plötzlich ganz und gar in dem durch die Sprache erzeugten “Film” befindet. Lust und Lesen sind in dieser Weise beinahe untrennbar miteinander verknüpft – während wir auf der anderen Seite diese Erfahrung zu einem rein geistigen Prozess stilisieren. Für Roland Barthes jedoch geht ein Text niemals in seinem abstrakten Sinn auf, sondern er revolutioniert und radikalisiert den herkömmlichen und uns geläufigen Textbegriff dahingehend, als dass der Leser wie die Textur als konkreter Textkörper sich gegenseitig im Akt des Lesens in einer Form der ekstatischen Erfahrung durchdringen und so selbst entgrenzen, transzendieren und übersteigen.

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