“Mientras duermes” von Jaume Balagueró

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Glücklich sein, das ist Césars Problem: Diese Fähigkeit besitzt der düstere Portier (Luis Tosar) nicht. Um so mehr strengt er sich an, anderen ihr Glück auszutreiben. Ganz besonders ein Dorn im Auge ist ihm die junge Señorita Clara (Marta Etura), die ihn jeden morgen gut gelaunt begrüsst. César schwört sich, diesem Lächeln den Garaus zumachen. Kein leichtes Unterfangen und der grimmige Portier mit markanten Frida-Kahlo-Augenbrauen droht selber in den Schlund seiner Albträume zu geraten.

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“50/50” von Jonathan Levine

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Die selbsternannte Feel-Better-Komödie 50/50 von Jonathan Levine über einen erst 27-jährigen Mann, der mit Krebs diagnostiziert wird und eine fünfzig prozentige Überlebenschance hat, stellt das Genre alles andere als auf den Kopf: Alles kommt, wie erwartet, was aber noch lange nichts über die Qualität des Films aussagt.

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“The Iron Lady” von Phyllida Lloyd

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Meryl Streep-Fans und allen, welche der über 80-jährigen, an Demenz, Halluzinationen und Flashbacks leidenden Margaret Thatcher beim Wandeln durch ihre Altersresidenz zuschauen möchten, sei „The Iron Lady“ empfohlen. Wer eine differenzierte Betrachtung der Höhen und Tiefen in der politischen Karriere der ersten Premierministerin Grossbritanniens erwartet, wird definitiv im falschen Film sitzen.

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“Shame” von Steve McQueen

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Sexsucht hat es schwierig, als psychische Störung ernst genommen zu werden. Die Gesellschaft verkauft uns Lust und häufigen hemmungslosen Sex als Kernzutat für ein gesundes und glückliches Leben – wie kann zu viel davon also etwas Schlechtes sein? Der zweite Film des britischen Regisseurs Steve McQueen führt gerade diesen Fehlschluss vor Augen und zeigt, dass Sexsucht mit der Lust nach Sex etwa so viel zu tun hat wie Alkoholsucht mit Durst.

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“We need to talk about Kevin” von Lynne Ramsay

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Basierend auf dem Bestseller von Lionel Shriver erzählt Lynne Ramsays Film We need to talk about Kevin die Geschichte einer Mutter, welche sich rückblickend fragen muss, inwiefern sie die dramatische Charakterentwicklung ihres Sohnes zu verantworten hat. Während dieses fast zweistündigen, harten aber starken Stücks Film sehen alle mindestens einmal rot: die Mutter, welche von ihrem verhaltensgestörten Jungen zur Weissglut getrieben wird; Kevin, der in einem unvorstellbaren Gewaltrausch (nicht nur sein) Leben zerstört; die Bewohner der Stadt, welche Zeugen und Opfer der Gewalttat sind; und die Zuschauer, welche von dem atmosphärisch effektvollen Rotton des Films in den Bann gezogen werden.

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“Hugo” von Martin Scorsese

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Ein kleiner Waisenjunge, der im Uhrenturm eines Pariser Bahnhofs wohnt und für die Instandhaltung der mechanischen Bahnhofsuhren verantwortlich ist, rettet die Filme des französischen Kinopioniers George Méliès vor der Vergessenheit. Ein Kinderfilm über das fantastische Stummfilmkino des frühen 20. Jahrhunderts – kann das gut gehen? Obwohl mit Martin Scorsese ein mehr als fähiger Regisseur hinter dem Projekt steht, lautet die Antwort leider nein.

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“The Future” von Miranda July

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Nach „Me and You and Everyone We Know“ verzaubert uns Miranda July mit einem weiteren fabelhaften Erwachsenenmärchen. Die infantile Absurdität des Erstlings wird als Stimmungsrahmen beibehalten, jedoch strapaziert durch das Zeitbewusstsein und erwachsene Orientierungsschwierigkeiten.

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“A Separation” von Asghar Farhadi

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Die Berlinale ist bekannt dafür, dass bei der Wahl des besten Films politische Beweggründe stärker gewichtet werden als ästhetische. Doch in diesem Fall dürfte die politische Betroffenheit kaum den Ausschlag gegeben haben. „A Separation“ ist weder sozialromantisch noch politisch, dafür blüht das Cineastische um so mehr auf. Eindrückliches Kino über universelle menschliche Konfliktlinien.

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“Live aus PEEPLI. Irgendwo in Indien” von Anusha Rizvi

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Eine unterhaltsame Medien- und Politsatire aus Indien – frei von kitschigen Bollywood-Künstlichkeiten und auch ohne die atemlose und überästhetisierte Romantik von „Slumdog Millionaire“. Mit reichlich schwarzem Humor und einer Prise sozialkritischer Melancholie hinterfragt Anusha Rizvi in ihrem Filmdebüt die perversen Mechanismen der Medienindustrie.

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“Winter’s Bone” von Debra Granik

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Einen Film mit einem Budget von 2 Millionen macht sich selten Hoffnungen auf die grossen Festivalpreise und Auszeichnungen. Besonders dann nicht, wenn gerade mal einer der Nebendarsteller einigermassen bekannt ist, während von Regisseurin und Hauptdarstellerin noch kaum jemand gehört hat, und der Film in der wohl hinterwäldlerischsten Region Amerikas spielt. Was Debra Granik mit “Winter’s Bone” gelungen ist, ist daher umso bewundernswerter und macht Hoffnung auf eine Richtungsänderung im amerikanischen Filmbusiness.

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“The Tree” von Julie Bertuccelli

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Kann ein Film, dessen Hauptdarsteller ein Baum ist, berühren und überzeugen? Ja, er kann. Julie Bertuccelli bezaubert mit ihrem zweiten Spielfilm. Im Mittelpunkt steht die Natur mit all ihren wundervollen, aber auch unheildrohenden Facetten und die tröstliche Kraft der Phantasie im Umgang mit dem Tod.

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“Songs of Love and Hate” von Katalin Gödrös

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Überzeugendes Kino aus der Schweiz – ja, das gibt es: Katalin Gödrös wartet mit einem subtilen Familiendrama auf, jenseits stumpfsinniger Psychologisierung und pathetischer Bewirtschaftung von Emotionen. Statt abgedroschenen Erklärungsbemühungen und empörter Drastik vertraut sie bei ihrer Darstellung menschlicher Irritationen auf feine Schattierungen und leise Töne.

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“Manipulation” von Pascal Verdosci

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1956, Kalter Krieg. Der Schweizer Staatsschutz überwacht zehn Prozent der eigenen Bevölkerung aus Angst vor kommunistischer Unterwanderung, es existieren Pläne zum Bau einer Atombombe. Dass in diesem Kontext der Begriff der Wahrheit zu einer von politischen Interessen vereinnahmten Sache wird, muss Spezialagent Rappold erkennen, als er den undurchschaubaren PR-Berater Harry Wind verhört. Ein intelligenter Thriller über die Macht der Lüge, wobei mit dem Setting im Kalten Krieg ein dunkles Kapitel der Schweizer Politik aufgeschlagen wird.

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