Kunst und Politik unter Ludwig XIV

Spieglein,  Spieglein…

Louis XIV, Hyacinthe Rigaud (1701)Portrait von Ludwig XIV, 1701 von Hyacinthe Rigaud

Die Regierungszeit des sogenannten Sonnenkönigs zählt zu den längsten der europäischen Geschichte. Sein Palast in Versailles wurde zum Machtsymbol und zum Vorbild für eine Vielzahl von Schlossbauten des Barocks. Was ihn unter den Königen besonders hervorhebt ist die grosse Zahl an Bildern, die er von sich anfertigen liess: Über 300 davon sind bis heute erhalten.

Von Elisa Monaco

„Le roi gouverne par lui-même“ – Der König regiert für sich selbst. Nach diesem Motto definierte Ludwig XIV. seine Funktion als König und seine Beziehung zum Königtum. Diese Regierungsform – die heute Absolutismus genannt wird – stellt den König wie keine andere in das Zentrum der Herrschaft. Um eine Art „Image“ für sich zu kreieren, liess Ludwig eine grosse Zahl Bilder und Statuen von sich anfertigen. Dieses Image wurde aber auch schriftlich verbreitet, wie zum Beispiel in Lobgedichten auf den König..

Der Sonnenkönig
Ludwig XIV. wurde 1638 geboren, nachdem seine Eltern eine lange Zeit kinderlos geblieben waren. Dass seine Mutter, Anna von Österreich, doch noch ein Kind gebar, wurde als Segen empfunden. Deshalb wurde Ludwig „le dieudonné“, der durch Gott gegebene oder gesegnete, genannt. Dieses Attribut hat er später auch in seinem Herrschaftsverständnis umgesetzt.

Ab 1643 regierte der roi soleil bis zu seinem Tod im Jahr 1715 über Frankreich und Navarra. Durch sein Bemühen, das Bild seiner selbst im Land zu verbreiten und die Wichtigkeit der Person des Königs zu unterstreichen, förderte er die Künste und Wissenschaften in Frankreich. Die Barocke Kunst stand allerdings immer im Dienste der Verherrlichung des Königs.

Personifikation im Bild
Bilder von Ludwig gab es als Gemälde, Tapete, in Bronze, Holz oder sogar Wachs. Gemalt  wurde er bereits als kleines Kind und auch im hohen Alter. Die Zahl der Gemälde und Statuen, die Ludwig darstellen, ist für den Standard der Zeit äusserst beeindruckend – über 300 davon existieren heute noch.

Das wohl imposanteste und wichtigste Symbol seiner Macht war freilich der Palast: Das Schloss Versailles. – Es war ursprünglich als Jagdschloss für seinen Vater erbaut worden  und Ludwig liess es zum Residenzschloss ausbauen. Es wurde nicht nur zum Sitz des Königs und das Zentrum der Herrschaft. Es diente auch als  Erweiterung der Person des Königs und als  Selbstrepräsentation desselben. Damit sein Bild im Schloss präsent war, liess er eine Vielzahl Spiegel aufstellen, die ihn widergaben.

Von den vielen Portraits hat vor allem ein Gemälde grosse Bekanntheit erlangt: Dasjenige von Hyacinthe Rigaud aus dem Jahr 1701. Es wurde mehrmals kopiert und zählt heute noch zu den bekanntesten Staatsportraits, die jemals gemalt wurden. Bei Abwesenheit des Königs wurde dieses Gemälde im Thronsaal angebracht. Dabei galten vor seinem Bild dieselben Regeln wie vor dem König selbst: Beidem durfte man beispielsweise niemals den Rücken kehren.

Ludwig und die Antike
Auf Gemälden ist Ludwig stets von Gegenständen umgeben, die Macht symbolisieren, wie Reichsapfel oder Zepter.  Zudem trägt der König eine Rüstung oder kostbare Kleidung und wird zusammen mit allegorischen Figuren oder selbst als Allegorie dargestellt. So zum Beispiel in Joseph Werners Darstellung Ludwigs als Apollo im Triumphwagen. Oder in Charles Lebruns Gemälde „Alexandre devant la tente de Darius“, welches Ludwig als Alexander den Grossen zeigt. Der Vergleich mit Alexander war derjenige, den Ludwig am meisten bevorzugte. Er wurde aber von seinen Zeitgenossen auch immer wieder neuer Augustus, Konstantin oder Theodosius genannt.

Dieser Bezug zur Antike ist in zahlreichen Bildern zu sehen. In diesen wird Ludwig üblicherweise in römischer Rüstung oder in königlicher Robe, mit Blumen dekoriert, dargestellt. Die vielen königlichen Statuen, die an zentralen Plätzen französischer Städte aufgestellt wurden, beziehen sich durch die Darstellungsart des Königs und ihre Positionierung speziell auf das antike Rom.

Auf diese Zeit bezog sich Ludwig, um  einerseits seine Herrschaft zu rechtfertigen, denn die antiken Kaiser stellten, was die Legitimierung europäischer Herrschaft betrifft, eine bedeutende Autorität dar. Andererseits wollte er auch seine Einzigartigkeit und gottnahe Position unterstreichen.  Er betrieb somit eine regelrechte Bildpolitik, die nebenbei eine Blütezeit der französischen Kultur einleitete.

 

Bildergalerie:

1 Louis XIV_Charles Poerson_Jupiter 2 charles lebrun_the family of darius before alexander 3 Louis XIV_Joseph Werner Gouache

4 Louis XIV_Adam Frans van der Meulen 5 Versailles-Chateau-Jardins_Wikipedia_G CHP 6 Louis XIV_Lyon Place Bellecour

1) Der junge Ludwig XIV als Jupiter von Charles Poerson (Mitte 17.Jh.)

2) Alexandre devant la tente de Darius, Ludwig als Apollo von Charles Lebrun

3) Ludwigs als Apollo im Triumphwagen von Joseph Werner Gouache

4) Die Eroberung von Besançon (1674) von Adam Frans van der Meulen

5) Schloss Versailles (Quelle: Wikipedia, Benutzer: G CHP)

6) Reiterstandbild in Lyon, Place Bellcour

Literatur:
Peter Burke: The Fabrication of Louis XIV, Yale Univ. Press, London 1992. (Deutsch: Ludwig XIV. Die Inszenierung des Sonnenkönigs. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2001.)

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