Oxenfree (Night School Studio)

Reif für die Insel

Teenagerprobleme, Horror und ein Indiespiele-Konzept? Das hat SEBASTIAN GEIGER schon bei Life is Strange sehr gut gefallen. Ganz klar, dass er auch das Adventure-Game Oxenfree ausprobieren musste.

Teenager, deren Probleme und ein Setting, das aus einem Horror- oder Gruselfilm stammen könnte: Was mit Until Dawn und Life is Strange vergangenes Jahr seinen Anfang nahm, setzt sich 2016 mit Oxenfree fort. Auf dem Papier unterscheidet das Indie-Adventure um Geister und Zeitreisen dabei nur sehr wenig von Until Dawn. Auch in Oxenfree ist es eine Gruppe von Teenagern, die an einem abgelegenen Ort auf das Grauen treffen. Doch Oxenfree geht in eine andere Richtung. Ist Until Dawn das Hollywood-Splatter-Massaker, ist das Spiel von Night School Studio die kleine Indie-Produktion, die auf Festivals für Applaus sorgt.

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Ein Jahr nach dem Tod ihres Bruders treffen die junge Alex, ihr neuer Stiefbruder Jonas sowie drei weitere Freunde zu einem Jahrestreffen auf einer abgelegenen Insel ein. Hier gibt es nicht nur einen coolen Strand, es soll außerdem spuken. Zu dumm für Alex und die anderen, dass sie durch ein Radioexperiment die Seelen der Toten wieder auferstehen lassen.

Gruselsound

Für die Gestaltung ihres Adventure haben die Entwickler von Night School Studio voll auf Retro und Indie gesetzt. Alex und ihre Freunde sehen aus, als ob sie aus einem 16-Bit-Spiel stammen, die Hintergründe sind liebevoll gestaltet und wecken Erinnerungen an Bilderbücher. Zu den Themen des Spiels – Vergangenheitsbewältigung und das Ende der Kindheit – passen Grafik und Aufmachung außerordentlich gut. Zusätzlich gelingt es den Entwicklern so, einige sehr gruselige Momente zu kreieren, allein schon, weil die Grafik zunächst nicht sonderlich verstörend wirkt. Doch den wirklichen Clou an Oxenfree haben sich die Macher von einem älteren Spiel geholt: von Silent Hill borgen sie sich die dunklen Dimensionen des Radios.

Der eigentliche Soundtrack des Spiels ist kaum erwähnenswert — Oxenfrees größte Trümpfe sind das Sounddesign und die Synchronstimmen. Dabei verfallen die Entwickler auf einen Trick, der schon in der vernebelten Kleinstadt der Silent Hill-Serie dafür gesorgt hat, dass das Herz an den richtigen Stellen schneller schlägt: Relativ zu Beginn bekommt Alex ein Radio, das fortan eine große Hilfe für die Lösung verschiedener Rätsel ist. Der spukige Nebeneffekt? Das Radio ist auch eine schönere Methode, um den Spieler die die Lautstärke so erhöhen zu lassen, dass die unheimlichen Geräusche auch gut zu hören sind — und das sind sie. Und wie sie es sind.

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Keine Gruselgeschichte ohne die passenden Charaktere! Das haben nicht nur Until Dawn und Life is Strange gezeigt. In Oxenfree sind es vor allem die Synchronsprecher, die Alex und ihre Freunde tatsächlich wie Teenager wirken lassen, die mit ihren typischen Problemen belastet in eine Situation stolpern, die ihnen schnell über den Kopf wächst. Selbst die Quotenzicke der Gruppe hat eine interessante Persönlichkeit, was zu einigen dramatischen Entscheidungen führt.

Lange Wege

Natürlich müssen die Charaktere die Dialoge, die sie definieren auch irgendwann erzählen. Und das ist auch der größte Nachteil an Oxenfree. Zwischen den eher einfachen Rätseln und den schaurig-schönen Szenen wandern die Charaktere, ohne viel zu tun zu haben, über die Insel und erzählen sich von ihrem Leben. Hier hat der Spieler zwar die Möglichkeit, das Verhältnis der Freunde zu beeinflussen, spätestens beim zweiten Spielen beginnen diese gesprächigen Wanderungen aber Längen aufzuweisen. Das ist aber ein kleiner Preis. Gut, mit knapp fünf Stunden Spielzeit ist das Spiel vielleicht auch etwas kurz geraten – der dichte Plot und die tolle Atmosphäre lassen die 20 Euro, die man dafür gezahlt hat, aber schnell vergessen. Wer Adventures mag oder einfach nur etwas sucht, das er nach Life is Strange spielen kann, sollte dem Indie-Titel eine Chance geben.

Originaltitel: Oxenfree
Plattformen: PC, PS4 (im Laufe des Jahres), Xbox One
Genre: Rennspiel, Adventure
Entwickler: Night School Studio
Veröffentlicht von: Night School Studio

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